Sandra Ledermann (24) aus Balsthal steht noch ganz unter dem Eindruck ihrer kürzlich zu Ende gegangenen Reise nach China. Genauer gesagt, ihrem musikalischen Auftritt an einer grossen Publikumsmesse in der nordchinesischen Stadt Harbin, eine Stadt mit 8 Mio. Einwohnern. Wir treffen uns im Kornhaus in Balsthal zu einem Kaffee.

Die junge, erfolgreiche Volksmusik-Sängerin hat vergangene Woche viel erlebt, was ihr bisher völlig unbekannt war. Und das kam so: «Eine relativ kurzfristige Anfrage der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten FHNW hat mich erreicht. Ein KMU-Vertreter sah mich einmal an einem Auftritt und empfahl mich den Verantwortlichen weiter. Am 1. Juli 2014, dem Tag des Inkrafttretens des Freihandelsabkommens Schweiz-China fand am Stand der FHNW in Harbin ein ‹Swiss-Day› statt: Einige KMUs aus der Region waren an der Publikumsmesse in Harbin vertreten und zusätzlich wurde den Besuchern etwas Schweizer Kultur und Musik nähergebracht.»

Diese Anfrage wollte sich die Sängerin nicht entgehen lassen. Zusammen mit ihrer Bekannten, der Alphornistin Ruth Hammer aus Matzendorf, machte sie sich mit ihrem Schwyzerörgeli und einer Schweizer Delegation auf die Reise. «Der Flug dauerte 9 1/2 Stunden und etwa so gross ist die Zeitverschiebung beträgt plus 6 Stunden in China. Insgesamt eine lange und intensive Anreise. Was die beiden Frauen mit dem sperrigen Alphorn von Ruth Hammer auf der Reise erlebten, ist eine eigene, lange Geschichte. Doch es kam alles gut. Begeistert ist Sandra Ledermann insbesondere vom chinesischen Essen. «Meine erste Bratwurst zu Hause wollte mein Magen fast nicht mehr verdauen», lacht sie.

Wie die Olma, noch grösser

Während drei Tagen standen die zwei Frauen zusammen mit den Wirtschaftsvertretern aus der Region Nordwestschweiz in einer der riesigen Messehallen in Harbin. «Man muss sich das vorstellen, wie an der Olma. Einfach noch viel grösser». Im Halbstundentakt bezauberten dann die beiden Frauen die chinesischen Besucher mit Schweizer Volksliedern, Schwyzerörgelimusik, Naturjutz und Alphornklängen.

Natürlich habe niemand dort etwas verstanden, doch sei ihr eindrucksvoll bewusst geworden, dass der Spruch: «Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden» eben stimmt. Die Leute wollten immer mehr hören, sie musste Autogramme geben und zum Fotografieren hinstehen. «Fast niemand der chinesischen Zuhörern konnte auch nur den kleinsten Brocken Englisch.»

Vorfreude auf frische Luft

Nach einem anschliessenden Touristenprogramm in Peking und an der chinesischen Mauer ging es dann wieder retour Richtung Schweiz. «Am meisten freute ich mich daheim wieder auf die frische Luft», erzählt sie weiter. «Der Smog in China ist immens. Obwohl schönes Wetter und hohe Temperaturen herrschten, habe ich die Sonne praktisch nie gesehen.»

Sandra Ledermann hätte, wenn «China» nicht dazwischen gekommen wäre, am Eidgenössischen Jodlerfest in- Davos teilgenommen. «Ich musste Prioritäten setzten. Das ist auch das Schöne. Ich bin unabhängig und kann auch mal ein relativ kurzfristiges Angebot annehmen.» Tatsächlich managt die junge Volksmusiksängerin, die in Welschenrohr aufgewachsen ist, ihre Karriere ganz alleine. «Ich will mich selbst bleiben. Die Musik darbieten, die mir gefällt und mich so präsentieren, wie es für mich stimmt». Das ist ihr enorm wichtig. Natürlich wäre es oft leichter, mit einem professionellen Management im Rücken zu Engagements zu kommen. «Aber ich habe verschiedene Erfahrungen gesammelt, so dass ich sagen kann, meine Variante ist für mich zurzeit stimmig.»

Dort, wo es sie hinzieht

Nach dem Gewinn des Stadlsterns Ende 2012 und einem erst kürzlich von einem deutschen grossen Regionalradio überreichten Hitparaden-Preis in Velden könnte sie doch voll auf die Schiene Volks- und Schlagermusik setzen. «Ich habe meinen Weg eingeschlagen, meine Entscheidung getroffen», sagt Sandra Ledermann. «Die Musik soll mir und meinen Zuhörern Freude machen, die Auftritte stets ein Vergnügen sein und zwar dort, wo es mich hinzieht.» Deshalb sei ihr auch ihre Anstellung bei der Gemeindeverwaltung in Balsthal als Standbein wichtig. «Nur das Dirigentenamt beim Jodlerclub Liesberg habe ich aufgegeben, da die Distanz und das Zeitmanagement dies nach einiger Zeit erforderten.»

Bezeichnend für ihre Auftritte ist, dass ihr Programm jeweils ziemlich spontan auf der Bühne zustande kommt. «Ich entscheide je nach Publikum und meiner eigenen Intuition vor Ort, wie ein Auftritt wird. So kommt es meist am Besten heraus.» Auch wenn Sandra Ledermann mit ihrer Musik für Stimmung und Festfreude bei ihrem Publikum sorgt, ist sie doch eine ernst- und gewissenhafte Musikerin. «Aber – mit meinem Schwyzerörgeli und der Stimme bin ich gerne flexibel und spontan.» Wir sind gespannt, wohin die Musik Sandra Ledermann noch führt.