Noch prangt kein Schriftzug der Volkshochschule Solothurn am «Kneubühler-Haus» in der Solothurner Vorstadt. Das aber dürfte sich bald ändern. Ab Oktober nämlich oder spätestens Anfang November wird die Schule im Dienst der allgemeinen Volksbildung ihre Zelte an der Werkhofstrasse abbrechen und in die unmittelbare Nähe des Bahnhofs ziehen.

Sämtliche Kurse in den Bereichen Sprachen, Bildung und Freizeit finden neu im zweiten und dritten Stockwerk des Gebäudes an der Hauptbahnhofstrasse 8 bis 10 auf einer Fläche von insgesamt 520 Quadratmetern statt.

Überraschend gute Konditionen

Der künftige Volkshochschulstandort kommt damit unmittelbar in die Nähe der Migros-Klubschule zu stehen. Diese neue räumliche Nähe der beiden Konkurrenten auf dem Freizeit-Bildungsmarkt ist allerdings nicht beabsichtigt, sondern reiner Zufall. «Wir haben hier topmoderne Räumlichkeiten zu überraschend guten Konditionen gefunden», sagt Fraisa-Chef Josef Maushart, der den Verein der Solothurner Volkshochschule präsidiert. Die bestehende Infrastruktur an der Werkhofstrasse habe schlicht nicht mehr genügt. Und eine zeitgemässe Umgestaltung wäre zu teuer geworden. Entsprechende Planungsarbeiten habe man zwar an die Hand genommen, mussten dann aber abgebrochen werden.

«Der neue Standort bietet ein Arbeits- und Lernumfeld, das den heutigen Qualitätsansprüchen gerecht wird», unterstreicht Maushart. Der Umzug erfolge dabei vor dem Hintergrund einer kontinuierlich positiven geschäftlichen Entwicklung, sagt der Präsident im Vorfeld der Vereinsversammlung vom nächsten Dienstag. Ganz im Sinn seines gemeinnützigen Auftrags betreibe der Verein «Angebotsmaximierung» und nicht etwa «Profitmaximierung». «Wir bieten unsere Kurse zu sehr tiefen Preisen an, damit wir möglichst viele Menschen erreichen können.» Keine Abstriche würden dabei bei der Qualifikation der Lehrkräfte gemacht. Die Strategie scheint aufzugehen. Gerade auch im hart umkämpften Markt der Sprach- und Bildungskurse «ist eine leicht positive Entwicklung» festzustellen», sagt Geschäftsführerin Barbara Käch.

Der gute Geschäftsgang der Volkshochschule Solothurn (VHS) ist allerdings wesentlich auch auf die Zusammenarbeit mit dem Kanton zurückzuführen. Einen beutenden Teil des Umsatzes von total gut 2,7 Mio. Franken im letzten Jahr verdankt die Volkshochschule zwei Leistungsvereinbarungen. Im Auftrag des Amtes für soziale Sicherheit bietet die VHS bereits seit Jahren Deutsch-Integrationskurse an, was 2014 Einnahmen von rund 0,7 Mio. Franken generiert hat. Und Einnahmen in der Höhe von etwa 1 Mio. Franken erzielte die Volkshochschule im Auftrag des Amtes für Wirtschaft und Arbeit mit Standortbestimmungskursen für Arbeitssuchende und einem sogenannten Deutsch-Zentrum, das sich an stellenlose Männer und Frauen mit Migrationshintergrund richtet.

Partizipation dank Sprache

Gehören die Kurse zur Standortbestimmung ebenfalls bereits seit Jahren zum Repertoire der Volkshochschule, ist das Deutsch-Zentrum erst im Jahr 2012 ins Leben gerufen worden. Pro Jahr werden hier rund 650 Männer und Frauen innert acht Wochen sprachlich fitgetrimmt. «Im Unterschied zu den Deutsch-Integrationskursen trainieren wir vor allem die mündliche Ausdrucksfähigkeit, die im Bewerbungsprozess besonders wichtig ist», so Barbara Käch. Der Unterricht sei auch stärker auf die individuellen Voraussetzungen der Teilnehmenden ausgerichtet.

Haben bis 2012 mehrere Anbieter solche Kurse im Auftrag des Kantons durchgeführt, ist jetzt alleine die Volkshochschule Solothurn dafür zuständig. Neben dem Standort Solothurn wird seit 2013 auch in Olten ein solches Deutsch-Zentrum geführt. «Wir haben dafür straffe Auflagen», betont Josef Maushart. Dazu gehöre unter anderem eine Vermittlungsquote von mindestens 20 Prozent innerhalb der acht Unterrichtswochen. In Solothurn wird das Deutsch-Zentrum ab Herbst im «Zürich-Haus» an der Rötistrasse geführt.

Gerade auch mit ihrem Engagement im Integrationsbereich knüpfe die Volkshochschule an die Mission ihrer Entstehungszeit an, hält Josef Maushart fest. «Bei ihrer Gründung vor rund 100 Jahren hatten die Volkshochschulen den Zweck, breite Bevölkerungsteile für die Partizipation am politischen System zu befähigen.» Menschen mit Migrationshintergrund, so Mausart, haben heute zwar die theoretische Möglichkeit der Partizipation an der Gesellschaft, praktisch ist ihnen diese aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse aber häufig verwehrt. Die entsprechende Qualifizierung sei gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung, die schlecht Qualifizierte zunehmend ausschliesst, von grösster Bedeutung.