Die Schwarzbuben lassen nicht locker, wenn es um die Interessen ihrer Region geht. Sie ziehen, falls nötig, sämtliche Register. Und das über alle politischen Lager hinweg. Beteiligt sind dabei längst nicht nur die gewählten Volksvertreter, sondern auch bewegte Männer und Frauen aller Altersgruppen ausserhalb der politischen Gremien.

Ein Lehrbeispiel ist der – bis jetzt vergebliche – Kampf dafür, dass Schülern aus den Bezirken Dorneck und Thierstein auch weiterhin sämtliche Bildungsangebote auf der Sekundarstufe II in den beiden Basel offenstehen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres streicht der Kanton Solothurn im Rahmen des Sparmassnahmenpakets unter anderem seine Subventionen an die beliebte Wirtschaftsmittelschule (WMS), die auf schulischer Ebene einen KV-Abschluss ermöglicht.

Im März hat der Kantonsrat einen parlamentarischen Auftrag abgelehnt, der eine weitere Subventionierung der Wirtschaftsmittelschule forderte. Am Mittwoch nun lag auf den Tischen der Kantonsrätinnen und Kantonsräte ein von der Jungen CVP Kanton Solothurn lancierter Volksauftrag mit einem ähnlichen Inhalt: Solothurner Schüler sollen auch in Zukunft einen kostenlosen Zugang haben zu ausserkantonalen Wirtschafts-, Handels- und Informatikmittelschulen. Unterzeichnet haben den Volksauftrag innert kürzester Zeit gegen 600 Personen.

Schützenhilfe erhielt das Anliegen zudem durch eine Petition an die Adresse von Bildungsdirektor Remo Ankli, die über 500 Schülerinnen und Schüler der Oberstufenzentren im Schwarzbubenland unterschrieben haben. «Wir fordern regionale Chancengleichheit», halten die Schülerinnen und Schüler in ihrer Petition fest.

Falls der Kanton keinen Beitrag mehr an die Wirtschaftsmittelschulen leiste, seien die Schüler innerhalb der Region benachteiligt. «Wir verstehen nicht, warum es einen Unterschied machen soll, ob jemand in Witterswil oder Ettingen, in Dornach oder Arlesheim, in Breitenbach oder Brislach wohnt.»

Konkurrenz zur Berufslehre

Trotz dieses Grossaufgebots im Interesse der Schwarzbuben liess sich eine Mehrheit des Kantonsrats nicht erweichen. Mit 49 zu 42 Stimmen (bei 5 Enthaltungen) lehnte das Parlament den Volksauftrag ab. Geschlossen dafür votierten SP und Grüne. Mehrheitlich dagegen stimmten FDP und SVP, bei der grossen Mittefraktion (CVP, EVP, GLP, BDP) hielten sich Befürworter und Gegner in etwa die Waage.

Auffallend war, dass sich in der gegen einstündigen Debatte mit zahlreichen Einzelvotanten vor allem Unterstützer des Volksauftrags zu Wort meldeten, vor allem Kantonsrätinnen und Kantonsräte aus dem Schwarzbubenland. Die Argumente der Gegner unterbreiteten neben Bildungsdirektor Remo Ankli, selbst ein Schwarzbube, einzig die Sprecher der drei bürgerlichen Fraktionen. Neben dem Spardruck des Kantons begründeten sie ihre Gegenposition vor allem mit einer Stärkung des dualen Berufsbildungssystems. «Wirtschafts- und Handelsmittelschulen sind Konkurrenten zur kaufmännischen Lehre», sagte etwa Andreas Schibli (FDP, Olten).

Eine Lehre mit Lehrvertrag sei nicht zu vergleichen mit einer Vollzeitschule, auch wenn diese ein Berufspraktikum einschliesst. Und Peter Brotschi (CVP, Grenchen) betonte, dass aufgrund der demografischen Entwicklung derzeit etliche Lehrbetriebe um genügend Lernende kämpfen müssen. Ins gleiche Horn stiess Bildungsdirektor Remo Ankli. Er verwies zudem darauf, dass im Kanton Basel-Landschaft eine Debatte über die Weiterführung der Wirtschaftsmittelschule angelaufen ist, ebenfalls wegen einer Konkurrenzierung der klassischen Berufslehre.

Zweifel an Einsparungen

Gerade in einem Kanton der Regionen entspreche es einer staatspolitischen Notwendigkeit, ausserkantonale Schulangebote zu subventionieren, sagte Felix Wettstein (Grüne, Olten). Er bezweifelte zudem, dass die Streichung der Subventionierung aller ausserkantonalen Wirtschafts-, Handel- und Informatikmittelschulen wirklich die erhofften Einsparungen bringen werde. Konkrete Zahlen dazu lieferte SP-Sprecher Simon Esslinger (Seewen).

Von elf Schülern aus dem Schwarzbubenland, die im Sommer ursprünglich an eine Wirtschaftsmittelschule wechseln wollten, werden lediglich vier in eine Berufslehre einsteigen. Die anderen werden die FMS besuchen und im Anschluss daran eine Fachhochschule, was den Kanton schliesslich einiges kosten werde. Esslinger argumentierte zudem damit, dass namentlich die Region Dornach gerade wegen des freien Zugangs zu den Bildungsangeboten im Raum Basel über eine hohe Attraktivität als Wohngegend verfügt.

Auch FDP-Kantonsrat Christian Thalmann (Breitenbach) befürchtet, dass die Ablehnung des Volksauftrags zu einem Attraktivitätsverlust beitragen werde.

Ähnlich wie Felix Wettstein und Simon Esslinger zweifelten eine Reihe von Einzelvotanten an den erhofften Einsparungen. «Wenn sich der Spareffekt nicht einstellen sollte, erwarten wir eine Neubeurteilung», forderte Daniel Urech (Grüne, Dornach).