Immerhin hat der Marsch durch alle Gerichtsinstanzen insofern gefruchtet, dass die Familie des heute 29-jährigen kosovarischen Staatsangehörigen nicht schon früher in Richtung Balkan hat abreisen müssen.

Doch der Reihe nach: Der 1992 im Rahmen des Familiennachzuges in die Schweiz eingereiste Mann war wiederholt straffällig geworden. Zuletzt wurde er am 11. Dezember 2014 vom Berner Obergericht wegen Raufhandels und versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Niederlassungsbewilligung weg

Mit Verfügung vom 14. Januar 2016 hat das Solothurner Migrationsamt die Konsequenzen gezogen: Es widerrief die Niederlassungsbewilligung des Kosovaren und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz an, und zwar auf den Tag seiner Entlassung aus dem Straf- und Massnahmenvollzug.

Der Ehefrau, die im September 2012 im Rahmen des Familiennachzugs aus dem Kosovo in die Schweiz einreiste, wurde die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert und für sie und ihre beiden kleinen Kinder eine Ausreisefrist bis zum 31. März 2016 gesetzt.

Mit ihrer Beschwerde blitzten die Betroffenen am 13. April 2016 vor dem Solothurner Verwaltungsgericht weitgehend ab, auch die unentgeltliche Rechtspflege wurde verweigert.
Einzige Konzession: Für die Ausreise der Ehefrau und der Kinder wurde eine zweimonatige Frist ab Rechtskraft des Urteils gewährt. Mit einer Beschwerde vor Bundesgericht verlangte die Rechtsvertreterin der Betroffenen darauf erneut, dass die ganze Familie in der Schweiz bleiben dürfe.

Keine Gnade in Lausanne

Bezüglich des Familienvaters kannten aber auch die höchsten Richter des Landes keine Gnade. Dieser hat die Schweiz somit nach der Strafverbüssung definitiv sofort zu verlassen. Bezüglich der Aufenthaltsbewilligung von Ehefrau und Kindern und der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege kam «Lausanne» aber zu einem anderen Schluss: Diesbezüglich wurde der Fall ans Solothurner Verwaltungsgericht zurückgewiesen.

Das Verwaltungsgericht hat seinen Entscheid am 21. März 2018 insofern korrigiert, dass die Aufenthaltsbewilligung für die Ehefrau und die Kinder bis zur Entlassung des Familienvaters aus dem Strafvollzug verlängert wird, zumal die Frau «nie strafrechtlich in Erscheinung getreten» und die Familie nie von der Sozialhilfe unterstützt worden sei.

Das Gesuch um Übernahme der Gerichts- und Anwaltskosten durch den Kanton wurde nun gemäss Vorgaben des Bundesgerichts gutgeheissen, vorbehalten bleibt der Rückforderungsanspruch des Staates, sollten sich die finanziellen Möglichkeiten verändern.