Jungunternehmerpreis
Vier von fünf Gewinnern des de Vigier Awards sind ein Cleantech-Start-up

Die Jury des W.A. de Vigier Awards kürte am Mittwoch ihre fünf Gewinner und verlieh jedem Jungunternehmen einen Preis von 100’000 Franken. Vier von fünf Gewinnern sind Cleantech-Startups.

Drucken
Teilen
Preisverleihung der de Vigier Awards 2020
8 Bilder
Jedes Gewinner Start-up erhält 100'000 Franken.
Fast 200 Projekte waren in den Wettbewerb gegangen.
Geschäftsleiterin Regula Buob
Statt im Vigier Sommerhaus in Solothurn wurde wegen Corona im Studio von CNN Money Switzerland in Zürich gefeiert

Preisverleihung der de Vigier Awards 2020

zvg

Normalerweise verleiht die W.A. de Vigier Stiftung ihre Preise an Jungunternehmer jedes Jahr im de Vigier Sommerhaus in Solothurn. Dieses Jahr fand die Preisübergabe wegen den Coronamassnahmen in Zürich statt, in den Studios des Senders CNN-Money.

Ausgezeichnet wurden fünf Jungunternehmen, sie erhielten je ein Preisgeld von 100'000 Franken, um ihr Unternehmen weiter voranzubringen. Vier der fünf Gewinner sind Cleantech-Unternehmen, also Unternehmen, die sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen. Sie bieten Produkte, Dienstleistungen an, welche im Vergleich weniger natürliche Ressourcen oder Energie verbrauchen oder weniger Abfall produzieren. «Die ausgezeichneten Unternehmen haben das Potenzial, den Wiederaufbau der Schweizer Wirtschaft nach der Coronakrise umweltfreundlicher zu gestalten»,wird Regula Buob, die Geschäftsführerin der W.A. de Vigier Stiftung, in einer Medienmitteilung zu der Preisverleihung zitiert.

Die ausgezeichneten Unternehmen stammen aus den Kantonen Freiburg, Waadt und Zürich. Sie heissen:

  • Bloom Biorenewables AG aus Marly (FR)
  • EH Group Engineering AG aus Prangins (VD)
  • FenX AG aus Zurich (ZH)
  • Microcaps AG aus Zurich (ZH)
  • Oxara AG aus Zürich (ZH)

Nicht nur unter den Gewinnern des diesjährigen de Vigiers Awards waren laut der Stiftung Cleantech-Unternehmen überproportional vertreten, sondern auch unter den übrigen Bewerbern. Insgesamt gingen bei der Stiftung 192 Bewerbungen ein, ein hoher Prozentsatz davon waren laut der Stiftung Unternehmen, die dem Cleantech-Bereich zugeordnet werden können.

«Unsere Generation hat dringende Umweltprobleme zu lösen, dies zeigt sich in der besonders hohen Zahl von Cleantech-Start-ups unter den diesjährigen Bewerbungen und Gewinnern», wird Buob in der Mitteilung weiter zitiert.

Die Gewinner (in alphabetischer Reihenfolge)

Bloom Biorenewables AG aus Marly (FR) – Nachhaltige Alternativen zu fossilen Molekülen

Erdöl ist in den meisten Alltagsprodukten enthalten, was unserer Umwelt schadet. Bloom kann Holz und landwirtschaftliche Abfälle in erneuerbare Materialien umwandeln, die Erdöl vollständig ersetzen. Dank dieser Lösung können Unternehmen auf eine grüne und lokal verfügbare Alternative zurückgreifen, stellen umweltbewusste Kunden zufrieden, erfüllen die Richtlinien der Regierung, sparen C02-Steuern und tragen zur Bekämpfung des Klimawandels bei.

«Wegen Covid-19 ist der Ölpreis gesunken, wir konkurrieren jetzt mit einem noch billigeren Produkt. Aber wir müssen weiter denken und einen grundlegenden Wandel vollziehen, indem wir Erdöl durch grüne Alternativen ersetzen», sagt Remy Buser, CEO der Bloom Biorenewables AG, über die Auswirkungen der Pandemie auf sein Unternehmen.

EH Group Engineering AG aus Prangins (VD) – Innovative Brennstoffzellentechnologie für saubere Energie

Wasserkraft wäre eine produktive und saubere Energiequelle, aber sie ist zu teuer, zu komplex und zu unzuverlässig, um sich auf dem Markt breit durchzusetzen. EH Group entwickelte eine Technologie, welche die Kraft des Wasserstoffs auf kompakte, zuverlässige Weise zu niedrigen Kosten und mit minimalen Anfangsinvestitionen nutzbar macht. Dank unserer Lösung sind große Hersteller in der Automobil-, Luftfahrt- und Schifffahrtsindustrie ihren Konkurrenten weit voraus, wenn es um Innovationen für eine grünere Zukunft geht - die einzige Zukunft, die wir haben.

«Ich kann nicht leugnen, dass dies eine sehr schwierige Zeit ist. Aber wir machen weiter, wir geben keinesfalls auf. Wir führen täglich Telefongespräche mit unseren Teammitgliedern - mein Team ist das wertvollste Gut, das ich habe. Meine Mitarbeitenden werden das Unternehmen mitgestalten, wenn es wächst, und ich kann ihr unerschütterliches Engagement spüren», so Mardit Matian, CEO der EH Group Engineering AG.

FenX AG aus Zurich (ZH) – Nachhaltige Hochleistungs-Isolierung für die Bauindustrie

Bei der Wahl von Dämmstoffen muss die Bauindustrie entweder Kompromisse beim Preis, bei der Entflammbarkeit oder bei der Umweltfreundlichkeit eingehen. FenX verwandelt Industrieabfälle in einfach verbaubare und leistungsstarke Dämmplatten, die nicht brennbar und gleichzeitig wiederverwertbar sind. Unsere Lösung erfüllt alle Kundenwünsche: Sie erzielen eine ausgezeichnete Isolation und erfüllen sämtliche Marktanforderungen bezüglich Sicherheit sowie Öko-Labels und das alles ohne Mehrkosten.

«Wir sind in der sehr glücklichen Lage, dass die Bauindustrie nicht eingestellt wurde während der Pandemie. Es gibt zwar Verzögerungen, aber nichts allzu Dramatisches. Wir haben auch unschätzbare Unterstützung von Investoren erhalten, die bereit waren, uns mit Wandelanleihen zu unterstützen. Damit das Unternehmen gestärkt aus dieser herausfordernden Zeit hervorgehen kann, hat unser Team die Gehälter auf ein Minimum reduziert», berichtet Etienne Jeoffroy, CEO der FenX AG.

Microcaps AG aus Zurich (ZH) – Präzise Mikrokapseln in industriellem Ausmass

Zu gewährleisten, dass Medikamente an der betroffenen Körperstelle und mit einer bestimmten Geschwindigkeit freigesetzt werden, ist eine grosse Herausforderung, weil die Grösse der Kapseln, die diese Wirkstoffe abgeben, bisher unkontrollierbar war. Microcaps entwickelte eine patentierte Technologie, die es ermöglicht, die Grösse dieser Mikrokapseln mit Schweizer Präzision zu steuern, so dass sie sich alle genau gleich verhalten. Dies bedeutet, dass wir das Freisetzungsprofil eines Medikaments direkt anpassen und vorhersagen können. Unsere Lösung ist auch für Duft- und Aromastoffe sowie für Probiotika von hoher Relevanz.

«Wir probierten, frühzeitig abzuschätzen, wie Covid-19 unser Geschäft beeinflussen könnte. Jetzt versuchen wir, Prognosen für die Zeit nach der Krise zu treffen. Natürlich haben wir unseren Vorstand um Hilfe gebeten und uns an unser Netzwerk gewandt, um sicherzustellen, dass wir jene Dinge, die wir kontrollieren können, auch tatsächlich im Griff haben», erklärt Alessandro Ofner, CEO der Microcaps AG.

Oxara AG aus Zürich (ZH) – Aushubmüll in nachhaltige Bauprodukte verwandeln

Jedes Bauprojekt beginnt mit dem Aushub von tonnenweise Bodenschutt. Der Deponieraum für diesen Aushubmüll wird jedoch zusehends knapp. Ausserdem mangelt es an Beton, der fürs Bauen benötigt wird. Oxara entwickelte eine chemische Mischung, die Aushubabfälle in umweltfreundliches Baumaterial verwandelt, was der Bauindustrie Millionen an Deponiekosten einspart und sie gleichzeitig mit genügend nachhaltigem Material zum Bauen versorgt.

«Das Geschäft läuft langsamer, aber wir können aktuell mehr Zeit in unsere Technologie investieren. Wir haben unsere Partner und Kunden darüber informiert, dass wir nicht in der Lage sind, wie ursprünglich geplant zu liefern, und wir kommen als Team zusammen, um angesichts der Situation nach kreativen Lösungen zu suchen», erklärt Gnanli Landrou, CEO der Oxara AG.

Bei der Projektbeurteilung fallen folgende Faktoren ins Gewicht: Die Unternehmerpersönlichkeit, der hohe Innovationsgrad, die gesamtgesellschaftliche Relevanz, die technische und finanzielle Realisierbarkeit sowie Marktchancen und das Potenzial neuer Arbeitsplätze.

Der W.A. de Vigier Förderpreis ist die älteste Auszeichnung für Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer in der Schweiz und zählt mit jährlich 500'000 Preisgeldern zu den höchstdotiertesten Förderpreisen der Schweiz.

In ihrem 31-jährigen Bestehen hat die Stiftung insgesamt über 11 Millionen Franken Startkapital über verschiedenste Sektoren verteilt. Daraus resultierten bis heute rund 90 erfolgreiche Startups, mehrere Börsengänge, einträgliche Firmenverkäufe und vor allem zahlreiche neue Arbeitsplätze. (mgt/ldu)

Trend im Kanton Solothurn nicht erkennbar

Im Kanton Solothurn können sich Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer bei den Gründungsdienstleistungen Kanton Solothurn (GZS) beraten lassen. Einen Trend hin zu mehr Cleantech-Unternehmen lasse sich im Kanton nicht feststellen, schreibt Thomas Heimann, Geschäftsleiter der GZS GmbH, auf Anfrage. «Bei uns im Kanton Solothurn gab es in jüngster Zeit praktisch keine eigenständigen Cleantech-Firmengründungen. Die kommen meistens und ausschliesslich aus Kantonen, die eine entsprechende Hochschule haben», so Heimann.

«Das Thema Nachhaltigkeit ist und war ebenfalls kein Thema bei den Firmengründungen in den vergangenen Jahren, die ich begleiten konnte.»

Das müsse aber nicht gleich bedeuten, dass Nachhaltigkeit bei Neugründungen im Kanton keine Rolle spiele: «Ich denke, dass das Thema Nachhaltigkeit immer unterschiedlich wahrgenommen und in den Businessplänen abgebildet wurde. Ob und wie dies umgesetzt wurde, entzieht sich aber unserem Wissen», so Heimann. (rba/mgt)

Aktuelle Nachrichten