Lange musste CVP-Präsidentin Sandra Kolly auf die erlösende Botschaft warten. Seit letztem Oktober versuchte sie, den Vorstand der Grünliberalen Kanton Solothurn rund um Präsident René Kühne zu einer Listenverbindung mit der CVP zu bewegen. Die Bemühungen haben jetzt gefruchtet: Die GLP wird die Christdemokraten bei den Nationalratswahlen vom 18. Oktober unterstützen. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung hervor. Nur wenige Tage, bevor die Frist für die Eingabe der Wahllisten bei der Staatskanzlei endet.

«Ich bin froh und glücklich», bringt Sandra Kolly ihre Gemütslage auf den Punkt. Der Entscheid der Grünliberalen holt auch die BDP, die bereits seit längerem an einer Listenverbindung mit der CVP interessiert ist, definitiv ins Boot. Die EVP hat sich bereits im Mai dafür ausgesprochen. Die vier Mitte-Parteien also, die bereits im Kantonsrat eine Fraktionsgemeinschaft bilden, ziehen jetzt auch gemeinsam in die nationalen Wahlen. Die Verbindung der vier Parteien wird den Wahlerfolg der CVP tüchtig befördern. «Wir haben damit sehr gute Chancen, unsere beiden Sitze zu verteidigen», lautet die – realistische – Einschätzung der Präsidentin.

GLP – Die Königsmacherin

Wer die Grünliberalen für sich gewinnen will, der hat bei den Wahlen die Nase vorn. So etwa lautete in den letzten Monaten die Devise. Gebuhlt hat um die Gunst der GLP neben der CVP vor allem das linke Lager mit SP und Grünen. Grund dafür ist die spezielle Ausgangslage: Mit der nächsten Legislatur stehen Solothurn nur sechs statt sieben Nationalratssitze zu. Derzeit je zwei Sitze haben CVP, SP und die SVP. Die FDP muss sich mit einem Nationalrat begnügen – und wird das wohl auch künftig müssen, trotz ihrem Anspruch, wieder mit zwei Nationalräten in Bundesbern vertreten zu sein. Diesen einen Sitz dürften sie aber auf sicher haben. In dem die CVP sich jetzt die Unterstützung der GLP gesichert hat, dürfte sie ihre beiden Sitze retten. Zittern müssen vor allem die beiden Polparteien SVP und SP. Vor allem die SVP, die Stand jetzt auf sich alleine gestellt ist. Die SP indes kann auf die Unterstützung der Grünen zählen.

Die GLP hat ihre Position als begehrte Braut in den letzten Monaten sichtlich genossen – und sich mit ihrem Zuwarten bis zur letzten Minute nicht nur Freunde gemacht. «Wir waren im Kantonalvorstand gespalten», erklärte GLP-Präsident René Kühne, weshalb sich seine Partei so lange Zeit gelassen hat. Und zwar weniger aus inhaltlichen Gründen, sondern vor allem wegen der Wahlarithmetik. «Unser Ziel ist, dass sowohl die Mitte als auch die Linke ihre beiden Sitze halten können.» Schliesslich habe sich dann die Meinung durchgesetzt, dass vor allem das Mitte-Lager Unterstützung braucht. Zufrieden mit dem Entscheid der Kantonalpartei ist sicher die GLP auf nationaler Ebene, die sich dort in der Mitte verortet – und Listenverbindungen einzelner Kantonalparteien mit der Linken ungern sieht. Vor allem, wenn die CVP ihr Interesse an der GLP signalisiert. Ein weiterer Grund für die Listenverbindung mit der CVP, so Kühne, sei die «gute Zusammenarbeit innerhalb der Mitte-Fraktion des Kantonsrats».

Für Sandra Kolly zählt nach den langen Monaten der Ungewissheit jetzt vor allem das Resultat. Trotz gewisser «taktischer Spiele» seien die Gespräche mit der GLP «immer fair geblieben». Zudem habe sie Verständnis dafür, dass Verhandlungen innerhalb der Partei Zeit brauchen können. Wenig Verständnis für die «Machtspiele» der GLP hat indes BDP-Präsident Markus Dietschi: «Auf diese Weise blieb über mehrere Monate ungewiss, ob die CVP und die FDP zusammen realistische Chancen haben, ihre insgesamt drei Sitze zu halten». Auf dieses Ziel nämlich hat die BDP ihre Strategie ausgerichtet. «Wir sind jetzt sehr erfreut, dass die Listenverbindung zustande kommt, aber enttäuscht über das Verhalten des gemeinsamen Fraktionspartners.» René Steiner, Co-Präsident der EVP, betont seinerseits, dass die EVP durch eine Listenverbindung mit den anderen drei Parteien mithelfe, dass die Mitte-Parteien ihre Sitze verteidigen können.

Die SP nimmt es eher gelassen

«Wir haben nicht allzu stark damit gerechnet, dass die GLP tatsächlich eine Listenverbindung mit uns eingehen wird», gab sich SP-Präsidentin Franziska Roth gestern realistisch. Bei der Energiewende, einem Kerngeschäft der Grünliberalen, wären die linken Parteien aber der verlässlichere Partner als die CVP. «Der Kampf um unsere beiden Sitze wird jetzt härter, aber nicht unmöglich», so Roth.