Obergericht
Vier Mal am selben Ort eingebrochen — Räuberbande fordert mildere Strafen

Eine Bande aus Ex-Jugoslawien verübte mehrere Einbrüche am Jurasüdfuss. Aber wer war wo beteiligt?

Hans Peter Schläfli
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Die Bande trieb ihr Unwesen am Jurasüdfuss von März 2013 bis zu ihrer Verhaftung im November 2014. (Symbolbild)

Die Bande trieb ihr Unwesen am Jurasüdfuss von März 2013 bis zu ihrer Verhaftung im November 2014. (Symbolbild)

Thinkstock

Sie trieben ihr Unwesen am Jurasüdfuss von März 2013 bis zu ihrer Verhaftung im November 2014. Nicht weniger als vier Mal suchte die vierköpfige Räuberbande zum Beispiel in Oensingen dasselbe Haus heim, bedrohte das 70-jährige Opfer, damit es den Tresor öffne – was diesem aber in der Aufregung jeweils nicht gelang. Desweiteren brachen die Kriminellen unter anderem ins Bettlacher ETA-Gebäude sowie in Grenchen in die Migros und das Flughafenrestaurant ein. Insgesamt stahl die Bande mehrere zehntausend Franken und verursachte grossen Sachschaden.

Vor einem Jahr wurde die Bande durch das Amtsgericht Thal-Gäu zu Freiheitsstrafen zwischen vier und sechs Jahren verurteilt. Zwei der vier Bandenmitglieder aus Ex-Jugoslawien legten Berufung ein. Sie forderten diese Woche nun vor dem Solothurner Obergericht in verschiedenen Anklagepunkten Freisprüche sowie mildere Strafen – und bekamen zu gewissen Teilen Recht.

«Ich habe sie nur zum Grenchner Flughafen gefahren und wusste nicht, was sie vor hatten», erklärte Jasar P.* dem Obergericht, warum es für ihn bei diesem einen Einbruch einen Freispruch geben müsse. Der heute 46-jährige Kosovare verbüsst bereits wegen einer früheren Verurteilung im Kanton Bern eine vierjährige Freiheitsstrafe, unter anderem wegen Drogendelikten. Er hat insgesamt zehn Kinder mit drei verschiedenen Frauen, lebt von der Sozialhilfe und ist weiterhin im Besitz der Aufenthaltsbewilligung B.

Die erste Verurteilung hielt Jasar P. aber nicht davon ab, mit seiner kriminellen Karriere weiterzufahren, weshalb ihm das Amtsgericht Thal-Gäu noch weitere vier Jahren aufbrummte. «Ich war mit schlechten Kollegen zusammen, trank Alkohol und nahm Drogen», erklärte er dem Obergericht, weshalb er rückfällig wurde. «Ich habe viel gelernt. Jetzt denke ich an meine Familie und meine Kinder und ich will arbeiten. Das ist alles, was mich heute interessiert.»

Verteidigerin Franziska Marti führte in ihrem Plädoyer aus, dass Jasar P. nur einmal in die kriminellen Aktivitäten der Bande involviert gewesen sei, bei allen weiteren Anklagepunkten gebe es keine Beweise. «Mein Klient war eine Randfigur. Nach dem einen Vorfall hat er erklärt, dass er nicht weitermachen will. Somit trifft für ihn weder die Qualifikation der Delikte als bandenmässig noch als gewerbsmässig zu», sagte die Pflichtverteidigerin.

Buchhalter und Kriminaltourist

Gjergj R.* gab vor Gericht an, in Albanien als Buchhalter tätig gewesen zu sein. Alkohol, Drogen, Spielsucht und schlechte Gesellschaft nannte er als Gründe, weshalb er in der Schweiz auf die schiefe Bahn geraten sei. Gjergj R. befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug und möchte möglichst schnell nach Albanien zurückkehren.

Der heute 29-jährige Kriminaltourist sagte, dass er nur an einem Teil der Straftaten beteiligt gewesen sei, für die ihn die Vorinstanz zu 5,5 Jahren verurteilt hatte. Sein Verteidiger forderte insbesondere einen Freispruch beim Anklagepunkt des erpresserischen Raubes: «Kann durch das Drohen mit einem Stock von 40 bis 50 Zentimetern Länge und nur zwei Zentimetern Durchmesser Angst um Leib und Leben hervorgerufen werden?», fragte Rechtsanwalt Roland Winiger. «Nur dann wäre dieser Tatbestand erfüllt.» Der Pflichtverteidiger forderte eine Reduktion der Freiheitsstrafe auf maximal drei Jahre und die Hälfte davon sei auf Bewährung auszusetzen.

Staatsanwalt Ronny Rickly war anderer Meinung und hielt im Plädoyer der Anklage fest: «Das Amtsgericht hat alle Aspekte korrekt gewürdigt und angemessene Strafen ausgesprochen.» Dies stellte das Obergericht in der Urteilsverkündung zumindest beim Kriminaltouristen so fest. Einzig die Qualifikation des erwähnten Raubes als räuberische Erpressung wurde fallen gelassen. Es verurteilte Gjergj R. zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Das Obergericht glaubte dagegen Jasar P., dass er beim Einbruch ins Flughafenrestaurant nicht beteiligt gewesen ist. «Es ist möglich, dass er erst zur Gruppe stiess, als das Delikt schon abgeschlossen war», erläuterte Oberrichter Kamber. Auch die Qualifikation seiner Delikte als gewerbs- und bandenmässig wurden fallen gelassen. Es verurteilte Jasar P. zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten.

*Namen von der Redaktion geändert.