Kantonsschulen

Vier Jahre nach Einführung der harmonisierten Matur: «Unruhe hat sich schnell gelegt»

Stefan Zumbrunn, Kanti-Direktor. © Felix Gerber

Stefan Zumbrunn, Rektor der Kanti Solothurn, zieht nach vier Jahren der Harmonisierten Matur Bilanz.

Stefan Zumbrunn, Kanti-Direktor. © Felix Gerber

Vor vier Jahren führten die Kantonsschulen Solothurn und Olten die harmonisierte Matur ein. Der Solothurner Rektor Stefan Zumbrunn zieht Bilanz.

«Zu Beginn herrschte schon etwas Unruhe», erinnert sich Stefan Zumbrunn, Rektor der Kantonsschule Solothurn (KSSO). Er spricht vom Februar 2014, als bekannt wurde, dass die Kantis Solothurn und Olten die Harmonisierte Matur (HarmMat) einführen – die Schüler also fortan einheitliche Abschlussprüfungen schreiben werden.

Dementsprechend herrschte einerseits Unruhe bei Lehrern, welche meinten, durch die HarmMat würde ihre Freiheit im Unterricht eingeschränkt. Andererseits gab es auch Schüler, die glaubten, einheitliche Prüfungen seien ungerecht, wo doch andere Klassen «viel bessere» Lehrer und gar nicht denselben Stoff durchgenommen hätten.

«Das hat sich aber schnell gelegt», so der 51-Jährige. Zumbrunn zieht vier Jahre nach Einführung eine durchweg positive Bilanz. Was bedeutet HarmMat überhaupt – und was hat sie verändert? Sechs Fragen zu den einheitlichen Abschlussprüfungen.

1. Was bedeutet eigentlich HarmMat?

Die Kantonsschulen Solothurn und Olten führten mit der Matur 2014 harmonisierte schriftliche Prüfungen ein. Seither werden pro Schule im jeweiligen Fach die gleichen Prüfungsfragen gestellt.

2. Wer macht diese Prüfungen?

Vor 2014 erstellte noch jeder Lehrer selbst die Prüfung für seine Abschlussklassen. Was dazu führte, dass die Maturprüfungen den Tests glichen, die die Schüler schon vom Unterricht her kannten. Seit der Einführung der HarmMat erstellen die einzelnen Fachschaften die Prüfungen. Deutsch-, Mathematik- oder Geschichtslehrer sitzen zusammen und besprechen die inhaltlichen Ziele des Unterrichts und was für Prüfungsfragen demnach gestellt werden können.

3. Warum gibt es die HarmMat?

Laut Rektor Stefan Zumbrunn habe man mit der Einführung der HarmMat drei Ziele verfolgt: Einerseits sollten die Anforderungen in den betroffenen Fächer für alle Klassen gleich werden. Früher hätten einige schlechtere Zeugnisnoten gehabt, nur weil ihr Lehrer strengere Prüfungen machte. Andererseits solle die HarmMat einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Maturanden auch künftig prüfungsfrei Zutritt zu den Universitäten haben, so Zumbrunn. Das einheitliche Niveau der Abschlussklassen belege nämlich den Wert eines Solothurner Gimy-Zeugnisses. Zuletzt gebe die HarmMat den Lehrkräften auch mehr Sicherheit beim Erstellen und Korrigieren der Prüfungen, weil die Rahmenbedingungen ja von den einzelnen Fachschaften ausgearbeitet und klar formuliert sind. Wobei die Lehrer immer noch Handlungsspielraum im Unterricht hätten.

4. Wurden diese Ziele erreicht?

Zumbrunn sagt, man habe keine Umfrage bei den Schülern gemacht. «Es stand aber auch noch nie ein Schüler oder eine Schülerin bei mir im Büro, um sich zu beschweren.» Ob die neuen Maturitätsprüfungen auch tatsächlich dazu beitragen, dass der prüfungsfreie Zugang zu Hochschulen auch künftig gewährleistet ist, lässt sich nicht beurteilen. Statistiken dazu gibt es nämlich nicht. Zudem würde die Mehrheit der Lehrkräfte die HarmMat befürworten.
Aber nicht alle. Auf Anfrage sagt ein Lehrer, er sei gegen die HarmMat. Durch die einheitlichen Abschlussprüfungen würden zwar alle «am selben Strick ziehen». Gleichzeitig würden Lehrkräfte aber auch entmündigt, und die Gefahr für «Teaching to the Test» – also, dass Lehrer im Unterricht Aufgaben stellen, die dann auch an der Prüfung kommen, sei mit der HarmMat extrem gross. «Unsere Schüler und Studenten sind mehrheitlich hochschultauglich, auch ohne HarmMat.»

5. Beeinflusst die HarmMat die Noten?

Laut Zumbrunn sind diese Veränderungen «unspektakulär.» Schliesslich machen die schriftlichen Prüfungen auch nur einen Viertel der Noten im Abschlusszeugnis aus. Die Hälfte sind nach wie vor Jahresnoten, die die Schüler aus ihrem letzten Schuljahr «mitnehmen.» Und ein Viertel ergibt sich aus den mündlichen Abschlussprüfungen, die nach wie vor die jeweiligen Lehrer mit ihren Abschlussschülern durchführen. Laut Zumbrunn widerspiegelt die HarmMar die Realität «besser» – notentechnisch hat sich aber nichts gross verändert.

6. Gibt es die HarmMat schweizweit?

Zeitgleich mit Solothurn haben auch der Aargau und die beiden Basler Halbkantone die HarmMat eingeführt. Schweizweit einheitliche Prüfungen gibt es derzeit nicht. Laut Zumbrunn sei dies auch nicht Ziel. Gymnasiale Abschlussprüfungen sind nämlich Sache der Kantone.

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