Es gibt eine Reihe verschiedener Kennzahlen, anhand derer sich die finanzielle Lage eines Gemeinwesens beurteilen lässt. Letztlich ist es aber nicht anders als im privaten Haushalt auch: Bleibt Geld übrig und man kann Vermögen aufbauen, ist man in einer komfortablen Situation. Reicht das Geld nicht, um die Ausgaben zu decken, hat man längerfristig ein Problem, nämlich eine steigende Verschuldung. Die eben vom Amt für Gemeinden online geschalteten Zahlen lassen den Schluss zu: Den Solothurner Gemeinden geht es nach wie vor ganz gut.

Die Statistik basiert auf den Rechnungsabschlüssen 2017. Rund die Hälfte der 109 Solothurner Gemeinden weist ein Vermögen aus. Über den ganzen Kanton gesehen ist das Gemeindevermögen von 245 auf 367 Franken pro Einwohner gestiegen. Die stolze Hauptstadt mit einem stattlichen Vermögen von über 80 Millionen ist dabei pro Kopf der Bevölkerung gerechnet noch nicht einmal der Krösus unter den Solothurner Gemeinden. Hüniken zum Beispiel bringt es auf über 8000 Franken Vermögen pro Einwohner, Drei Höfe auf gut 7000 und Selzach auf mehr als 6000 Franken. Ein Spezialfall ist die Minigemeinde Kammersrohr mit ihren 30 Einwohnern und einem Pro-Kopf-Vermögen von sage und schreibe fast 40'000 Franken.

Schaut man sich die Sache regional an, ergibt sich folgendes Bild: In den Bezirken Lebern, Bucheggberg, Gäu und Dorneck resultiert über alle Gemeinden gesehen ein Nettovermögen, in den Bezirken Wasseramt, Thal, Olten, Gösgen und Thierstein hat man Schulden.

Höchste Verschuldung im Thal

Die sogenannte Nettoschuld I pro Kopf der Bevölkerung (Fremdkapital abzüglich Finanzvermögen geteilt durch Einwohner) ist die klassische Grösse zur Beurteilung der Verschuldung oder eben des Vermögens einer Gemeinde. Dramatisch wird es bei einer Nettoverschuldung von mehr als 5000 Franken pro Kopf. In so einem Fall schreitet die Aufsicht des Kantons (der den Wert übrigens selber überschreitet) ein und es wird ein Verfahren zur Haushaltsanierung eingeleitet. An deren Ende droht einer Gemeinde die Sachwalterschaft, wenn das Haushaltgleichgewicht nicht wieder hergestellt ist.

So schlimm ist derzeit keine Solothurner Gemeinde dran. Und das ist so selbstverständlich auch wieder nicht. Die Stadt Olten zum Beispiel, immerhin mit Solothurn die grösste Zahlerin in den Finanzausgleich, steuert ohne Gegenmassnahmen gemäss dem vom Stadtrat präsentierten Finanzplan bis 2025 auf eine Verschuldung zu, die schon nahe an die Grenze zum akuten Sanierungsfall kommt.

Gemäss den aktuell verfügbaren Zahlen weisen 21 Gemeinden eine «geringe» (unter 1000 Franken), ebenfalls 21 eine «mittlere» (bis maximal 2500 Franken) Pro-Kopf-Verschuldung aus. In neun Gemeinden muss sie als «hoch» bezeichnet werden: Bellach, Herbetswil, Laupersdorf, Matzendorf, Neuendorf, Kappel, Hauenstein-Ifenthal, Wisen und Erschwil. Aber auch in diesen Gemeinden ist man noch deutlich vom Alarmwert entfernt, am ungemütlichsten ist es für Herbetswil mit einer Nettoschuld I von gut 3800 Franken pro Einwohner.

Viele können Schulden abbauen

Der Selbstfinanzierungsgrad zeigt an, in welchem Ausmass Neuinvestitionen durch selbst erwirtschaftete Mittel finanziert werden können. Ein Selbstfinanzierungsgrad unter 100 Prozent führt zur Neuverschuldung, über 100 Prozent können Schulden abgebaut werden. Die Kennzahl kann natürlich starken Schwankungen unterliegen, weil auch das Investitionsvolumen nicht immer gleich hoch ist.

Der Kanton zum Beispiel ist derzeit mit den Grossprojekten Neubau Bürgerspital Solothurn und Sanierung Kantonschule Olten stark gefordert und kommt nur auf einen mittelfristig ungenügenden Selbstfinanzierungsgrad von 70 Prozent. Die Gemeinden haben im letzten Jahr auch hier gut abgeschnitten: Die klare Mehrheit kam auf die anzustrebenden mindestens 100 Prozent oder deutlich mehr, um die 30 wiesen allerdings eine «problematische Neuverschuldung» mit einem Selbstfinanzierungsgrad unter 80 Prozent aus.

Dass die Finanzlage der Gemeinden alles in allem als robust bezeichnet werden darf, ist noch kein Grund, gänzlich sorglos in die Zukunft zu blicken. Wie erwähnt lässt sich die Situation anhand verschiedenster Kenngrössen beurteilen, was zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Es gibt zum Beispiel den Zinsbelastungsanteil: Den Anteil des laufenden Ertrags, der durch den Zinsaufwand gebunden ist. Je tiefer der Wert, desto grösser der Handlungsspielraum. Der Wert kommt in keiner Gemeinde ausser Matzendorf auch nur in die Nähe der 4 Prozent, die noch als «gut» gelten.

Der Kapitaldienstanteil wiederum misst, wie stark der laufende Ertrag durch den Zinsendienst und die Abschreibungen belastet ist. Auch hier gilt: Je höher, desto mehr weist das auf einen enger werdenden finanziellen Spielraum hin. Dieser Wert nun kommt zwar auch in keiner einzigen Gemeinde in den roten Bereich. In rund der Hälfte der Gemeinden liegt er aber zwischen den 5 und 15 Prozent, die vom Amt für Gemeinden bloss noch als «tragbare Belastung» eingestuft werden.