«Es liegen uns im Fall er konkursiten RCT Hydraulic Tooling AG in Balsthal noch keine verlässlichen Unterlagen vor, um konkrete und fundierte Angaben zu machen», erklärt Martin Schmalz, Leiter des kantonalen Konkursamtes, auf Anfrage. Die Aufnahme der Aktiven und Passiven werde wohl einige Zeit in Anspruch nehmen.

Konkretere Aussagen – auch über eine allfällige Konkursdividende – dürften erst möglich sein, wenn die Gläubiger ihre Forderungen und Eigentumsansprüche angemeldet hätten. Dagegen ist klar: «Einen Sozialplan für das betroffene Personal gibt es nicht», bestätigt Schmalz. Und das Werk der RCT in der Slowakei sei durch den Konkurs nicht direkt betroffen. Über die Tochterfirma der börsenkotierten Accu Holding AG mit Sitz in Emmenbrücke wurde am 10. Mai wegen Zahlungsunfähigkeit der Konkurs eröffnet. 75 Angestellte haben ihren Arbeitsplatz verloren.

Bosch war Grosskunde

Auch Andreas Kratzer, interimistischer CEO der Mutterfirma Accu Holding, konnte keine Angaben über die Folgen des Konkurses machen. Das Werk in der Slowakei sei insofern betroffen, dass der in Balsthal abgesprungene Grosskunde Bosch auch Aufträge in der Slowakei gestrichen habe.

Dort gebe es aber interessierte Investoren, welche den Betrieb weiterführen wollten. Inwiefern Accu für Verpflichtungen der RCT geradestehen muss, ist offen. Accu habe in Bezug auf die Verpflichtungen von RCT Patronatserklärungen respektive Garantien ausgestellt, heisst es. «Es bleibt zu prüfen, ob sich daraus für Accu Verpflichtungen ergeben.»

Neue Aktionäre gesucht

Derweil gehen die Wogen bei der Accu Holding immer höher. Vergangene Woche gab der Accu-Verwaltungsrat bekannt, die angekündigte und von der Generalversammlung bereits genehmigte Kapitalerhöhung zu sistieren. Hintergrund seien die noch nicht abgeschlossenen Arbeiten betreffend Fertigstellung des Geschäftsberichtes 2015 sowie die jüngsten Entwicklungen um die RCT in Balsthal.

Zudem hätten sich verschiedene Aktionäre, welche Bezugsrechte ausgeübt und Darlehensgeber, welche der Wandlung ihrer Darlehen in neue Aktien zugesagt hätten, zurückgezogen. Hinzu kommt, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft gegen den Mehrheitsaktionär, CEO und Verwaltungsratspräsidenten, Marco Marchetti, wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundendelikte ermittelt. Daraufhin ist Marchetti von seinen Ämtern bei der Accu per sofort zurückgetreten. Marchetti war auch Chef der RCT.

Die Sistierung der Kapitalerhöhung sei «sicher nicht optimal», sagt auf Anfrage Andreas Kratzer. Insbesondere deshalb, weil mit der Kapitalerhöhung Darlehen in Aktienkapital umgewandelt worden wären.

Inwieweit Accu gefährdet sei, wollte er nicht beantworten. Es gehe nun darum, die bestehenden Aktionäre an Bord zu behalten und gleichzeitig eine neue Aktionärsstruktur aufzubauen, weil gegen den Mehrheitsaktionär Marco Marchetti ein Verfahren laufe. «Wir suchen nun einen oder mehrere neue Aktionäre, die künftig eine entscheidende Rolle spielen sollen.» Die Investoren bleiben skeptisch. Seit Anfang Jahr sackte der Aktienkurs um 49 Prozent ab.