Solothurner Obergericht

Verurteilter Sexualstraftäter hofft auf einen Freispruch

Das Amtsgerichts Olten-Gösgen hatte Oliver B. im August 2012 wegen sexueller Nötigung und versuchter Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren mit vollzugsbegleiteter Massnahme verurteilt. Dagegen hat der Verurteilte Einsprache erhoben. (Symbolbild)

Das Amtsgerichts Olten-Gösgen hatte Oliver B. im August 2012 wegen sexueller Nötigung und versuchter Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren mit vollzugsbegleiteter Massnahme verurteilt. Dagegen hat der Verurteilte Einsprache erhoben. (Symbolbild)

Der verurteilte Sexualstraftäter von Schönenwerd behauptet, sein Opfer habe die Übergriffe erfunden. «Mit Mary P.* ist alles im gegenseitigen Einvernehmen geschehen», sagt er.

Ab und zu schaut Oliver B.* mit fragendem Blick rüber zur Staatsanwältin. Mal verschränkt er dabei seine Arme, mal rückt er auf seinem Stuhl vor. Die Staatsanwältin hält ihr Plädoyer vor dem Solothurner Obergericht. Sie verteidigt und lobt das Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen vom August 2012.

Damals wurde Oliver B. wegen sexueller Nötigung und versuchter Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren mit vollzugsbegleiteter Massnahme verurteilt. Letzteres aufgrund seiner Alkoholsucht. Oliver B. akzeptierte dieses Urteil aber nicht und legte Berufung ein. Vor Obergericht hält er an seiner Version fest: «Mit Mary P.* ist alles im gegenseitigen Einvernehmen geschehen.»

Tatnacht und Zürcher Verfahren

Doch alles von Anfang an. Was führte überhaupt zur Verurteilung durch das Amtsgericht Olten-Gösgen? 15. November 2009, zirka 19.20 Uhr. Oliver B. war betrunken, hatte 1.18 Promille intus. Er ging in die Latino-Bar Royale in Schönenwerd, die er zu diesem Zeitpunkt gepachtet hatte. Mary P. arbeitete für ihn als Aushilfskellnerin. Oliver B. forderte sie auf, mit ihm in seine Wohnung über der Bar zu kommen. Im Wohnzimmer habe er sie geschlagen und zu Oralsex gezwungen. Anschliessend wollte er sie vergewaltigen. Durch die lauten Hilfeschreie kam der Geschäftspartner von Oliver B. und künftige Schwiegervater von Mary in die Wohnung. Mary konnte fliehen. Sie rief die Polizei und Oliver B. wurde verhaftet. Er kam in eine Psychiatrische Klinik und nach zehn Tagen wieder frei.

Die Amtsgerichtsverhandlung folgte, wie erwähnt, erst im Jahr 2012. Trotzdem sitzt Oliver B. bereits seit Februar 2012 in einem Gefängnis. Nicht in Solothurn, sondern in Zürich. Denn dort läuft gegen ihn ein weiteres Verfahren (Vergewaltigung und fahrlässige Tötung). Oliver B. ist nämlich der «Todesfahrer von Zürich»: Im Februar 2012 brauste er betrunken mit seinem goldfarbenen Chrysler durch die Langstrasse und fuhr vor der Lambada-Bar einen Mann tot. Vier weitere Personen und Oliver B. selbst wurden verletzt. Zudem soll er kurz vor der Fahrt eine Frau mit einer Stahlrute zusammengeschlagen und dann vergewaltigt haben.

Das Plädoyer des Verteidigers

Dieses Verfahren war aber gestern nicht Teil der Verhandlung. Es ging einzig und allein um die Anfechtung des Urteils des Amtsgerichts Olten-Gösgen. Der amtliche Verteidiger von Oliver B. wollte nämlich einen Freispruch erwirken. «Alles geschah im genseitigen Einvernehmen, warum sollte sie also diese Geschichte erfinden», fragte er während seines Plädoyers, nur um anschliessend gleich seine Antwort zu liefern.

Ihr zukünftiger Schwiegervater sei zur Tür hereingekommen und habe sie in flagranti mit einem anderen Mann erwischt. «Bei der Einvernahme gab sie zu Protokoll, wie wichtig ihr Familienehre sei.» Es ginge der Geschädigten nicht darum seinen Mandanten zu belasten, sie wolle sich einfach reinwaschen. «Dass dafür mein Mandant hinhalten muss, war nur die Folge.»

Auch die Aussagen der Zeugen seien damals von den Amtsrichtern nicht hinterfragt worden. «Obwohl diese vor Gericht und bei Einvernahmen sehr unterschiedliche Aussagen machten.»

Für den Fall eines Schuldspruchs stellte der Verteidiger den Eventualantrag, dass sein Mandant zu 2 Jahren bedingt und einer Probezeit von 3 Jahren zu verurteilen sei. «Denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Geschädigte in gegenseitigem Einvernehmen gehandelt hat.» Zudem sei sein Mandant nicht vorbestraft, sitze seit Februar 2012 in Zürich in Untersuchungshaft und habe seit diesem Datum keinen Alkohol mehr konsumiert.

Das Obergericht mit Vorsitz Hans-Peter Marti wird heute Freitag das Urteil bekannt geben. Eins ist jetzt aber schon klar: Oliver B. wird sich im März auch noch in Zürich vor Gericht verantworten müssen.

*Namen von der Redaktion geändert.

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