Umwelt

Verursacher teurer Schäden: Gemeinden müssen wegen Biber tief in die Tasche greifen

Die Biber sind zwar süss; aber auch teuer.

Die Biber sind zwar süss; aber auch teuer.

Sie sind süss, aber können eben auch lästig sein: Die Biber. Ihre Population ist in den letzten Jahren gewachsen, und entsprechend auch die Schäden, die sie verursachen. Vor allem die Gemeinden leiden unter den Schäden.

Die Bauern stören sich schon länger an der wachsenden Biberpopulation, und auch auf den Gemeindekanzleien sorgen die Nager für Stirnrunzeln. Oder eher die Schäden, die durch die Biber verursacht werden.

Ein Beispiel dafür ist die Gemeinde Lüterkofen. Gemeindepräsident Roger Siegenthaler ärgert sich regelmässig über das treiben der Tiere. «Bei uns in Lüterkofen bricht die Strasse neben dem Bibernbach fast weg. Und das sind nur die Schäden, die man sieht», sagt Siegenthaler. In den letzten Jahren habe sich das Problem verschärft, insbesondere in den vergangenen vier Jahren hätten die Gemeinden immer mehr Geld für das Verhindern und Beseitigen von Schäden ausgeben müssen.

Das beschädigte Ufer am Bibernbach in Lüterkofen.

Das beschädigte Ufer am Bibernbach in Lüterkofen.

Die Gemeinden hoffen auf das neue Jagdgesetz

Siegenthaler ärgert sich zusätzlich darüber, dass die Gemeinden die Kosten für die Schäden durch den Biber fast allein stemmen müssen. «Der Bund hat sich für den Schutz des Bibers ausgesprochen, und wir bleiben auf den Schäden sitzen. Das kann doch nicht sein».

Auch mit dem Kanton ist er in der Sache nicht ganz zufrieden. Dieser übernimmt zwar 50 Prozent der Kosten, die durch Biberschäden entstanden sind. Aber nur dann, wenn es sich um Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen oder am Wald handelt.

Im konkreten Fall der beschädigten Strasse neben dem Bibernbach übernimmt der Kanton 30 Prozent der Baukosten, weil die Behebung des Uferschadens in den Bereich der wasserbaulichen Massnahmen des Gesetzes über Wasser, Boden und Abfall fällt. Für den restlichen Betrag muss die Gemeinde aufkommen. Ausserdem stört sich Siegenthaler an den strengen Vorgaben, die der Kanton den Gemeinden bei den Bauarbeiten mache.

Siegenthaler ist mit seinem Ärger nicht allein. Auch der Gemeindepräsident von Subingen, Hans Ruedi Ingold, ist nicht glücklich mit der Situation im Kanton. «Wir müssen regelmässig den Bach reinigen, damit der Weg zum Oberstufenzentrum nicht überschwemmt wird», schildert Ingold. «Ich bin mir nicht sicher ob dem Kanton bewusst ist, wie viel uns das jeweils kostet.» Eine Anfrage dazu konnte vom Kanton gestern nicht beantwortet werden, weil die Verantwrotlichen abwesend waren. 

Siegenthaler und Ingold hoffen auf das neue eidgenössische Jagdgesetz, über das die Bevölkerung am 27. September abstimmen wird. Der ursprüngliche Termin im Mai musste auf Grund der Corona-Schutzmassnahmen verschoben werden. In der aktuellen Jagdverordnung ist festgelegt, dass der Bund und der Kanton sich die Kosten für Biberschäden an «Wald und an landwirtschaftlichen Kulturen» teilen.

Dabei darf der Kanton festlegen, welche Schäden vom Kanton und vom Bund bezahlt werden und wie hoch die entsprechende Entschädigung ausfallen wird. In neuen nationalen Jagdgesetz und der dazugehörigen Jagdverordnung ist vorgesehen, dass der Bund und der Kanton auch für Schäden aufkommen müssen, die in anderen Bereichen als am Wald oder an landwirtschaftlichen Kulturen entstanden sind. Für welche Schäden Bund und Kanton neu zusätzlich aufkommen sollen ist aber nicht klar definiert. 

Siegenthaler hofft nun darauf, dass das Jagdgesetz angenommen wird. Denn schon vor rund drei Jahren haben sich der National- und der Ständerat dafür ausgesprochen, dass der Bund und der Kanton auch für Schäden an Strassen oder Kanalböschungen aufkommen müssen.

«Wenn das Gesetz abgelehnt wird, dann stehen wir vor einem Scherbenhaufen», fürchtet Siegenthaler. Dass die neue Regel für die Entschädigung bei Biberschäden mit dem Jagdgesetz verknüpft wurde ärgert ihn. «Wenn das Gesetz abgelehnt wird, dann wird auch die Entschädigung der Gemeinden abgelehnt. Aus Sicht der Gemeinden muss man also ja stimmen, auch wenn man mit dem Gesetz nicht einverstanden ist.»

Autor

Rebekka Balzarini

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