«Ein elementarer Bestandteil der Weihnachtsvorbereitung ist, sowohl in Brasilien wie auch in der Schweiz, der Sonntagsgottesdienst.» Das sagt Pastor Moises Vasconcelos aus Rio de Janeiro. In der Region ist er für die Latinogemeinschaft zuständig. Die Menschen treffen sich, um gemeinsam die Adventssonntage zu verbringen.

«Sehr wichtig ist das gemeinsame Singen während der Gottesdienste», erklärt Vasconcelos. In Brasilien seien die Gottesdienste vor Weihnachten noch musikalischer als sonst. «Cantadas» – so heissen die Gesänge auf Portugiesisch – sind meditative Momente und gleichzeitig auch ein Ausdruck der Vorfreude aufs Weihnachtsfest.

Schulmaterial zu Weihnachten

Auch auf der anderen Seite des Ozeans ist die Adventszeit Familienzeit. Eine familiäre Atmosphäre herrscht auch in der Latinogemeinde von Solothurn: Genauso wie im Heimatland werde oft zusammen gegessen, gesungen und lustige Weihnachtsgeschichten erzählt. Zudem sei die Adventszeit auch eine Spielzeit für Gross und Klein, berichtet Vasconcelos. Nicht nur für das eigene Wohl werde gesorgt; Wohltätigkeitsaktionen erleben in der Adventszeit einen Aufschwung.

In Rio de Janeiro beispielsweise kaufen die reichen Einwohner in der Adventszeit praktische Utensilien, die sie teilweise sogar mit Lastwagen in die Favelas bringen und dort verschenken. «Besonders beliebt ist Schulmaterial», die Kinder beginnen nämlich im Januar das neue Schuljahr, erklärt Vasconcelos. Solche Aktionen werden auch in der Schweiz durchgeführt. So organisiere die Gemeinde jedes Jahr ein karitatives Weihnachtsessen, um den Favela-Bewohnern zu helfen.

«Nicht nur symbolische Gaben»

Spezielle lateinamerikanische Rituale in der Adventszeit gebe es kaum. Kerzen beispielsweise würden nur selten zur Weihnachtszeit benutzt, «sie schmelzen bei der Hitze», lacht Vasconcelos. Wichtig sei das eigentliche Weihnachtsfest, das am 24. Dezember gefeiert wird. «Es gibt keine Ausreden und keine Ausweichdaten», sagt Vasconcelos, «am 24. Dezember muss einfach die gesamte Familie vereint sein.»

An diesem Abend kommt auch der Weihnachtsmann – Papai Noel – vorbei und bringt ungesehen den Kindern die Geschenke. Die Weihnachtsgaben seien sehr wichtig in Brasilien, erklärt Vasconcelos: «Es sind nicht wie in der Schweiz oft nur symbolische oder kleinere Gaben.» Die Menschen sparen teilweise lange, um Geschenke für die Familie zu kaufen. Oftmals seien darum die Päckchen sehr teuer, «viele müssen, um die Geschenke zu finanzieren, Ratenzahlungen vereinbaren.»

Das grosse Fest in neuen Kleidern

Am Weihnachtsfest sind nicht nur die Geschenke schön: Die gesamte Familie und Gemeinschaft putzt sich fein raus. Es werden oftmals neue Kleider gekauft, denn an Weihnachten ist es ein Muss, besonders schön gekleidet zu sein. Nebst den feinen Kleidern, den Geschenken und der Gemeinschaft ist wohl das Weihnachtsessen ein weiteres Highlight.

Das Weihnachtsmenü ist ein richtiges Festmahl und besteht meistens aus einem Truthahn, der mit Gemüse gegessen wird. Nicht fehlen darf auch das Nationalgericht: die Feijoada. Ein Eintopf aus schwarzen Bohnen und Schweine- oder Rindfleisch. Als Dessert wird typischerweise eine Rabanada gegessen: Brot mit Milch von Eiern umhüllt und dann frittiert – ähnlich wie Arme Ritter. «Wir essen auch viele gute Früchte zum Dessert», sagt Vasconcelos. An Weihnachten werden zudem auch Erdnüsse gegessen, ansonsten stehen diese nicht auf dem Jahresspeiseplan.

In diesem Sinne: «Feliz Natal.»