Amtsgericht
Vertrauen der Familie missbraucht: Als die Tochter seines besten Freundes bei ihm übernachtete, zog er sich aus

Ein Mann musste sich vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind und Pornografie verantworten. Der heute 46-Jährige soll nackt mit der damals neunjährigen Tochter seines besten Freundes Pornofilme geschaut haben.

Daniela Deck
Merken
Drucken
Teilen
Das Mädchen gab an, der Mann habe mit seiner Zunge ihren Bauchnabel berührt. (Symbolbild)

Das Mädchen gab an, der Mann habe mit seiner Zunge ihren Bauchnabel berührt. (Symbolbild)

Keystone

Schaute er mit der Neunjährigen Zeichentrickfilme oder Pornos? Missbrauchte er das Vertrauen des Mädchens und von dessen Eltern oder waren es nur haltlose Vorwürfe eines Kindes, der beste Freund des Vaters habe sich an ihm vergriffen?

Das musste am Montag am Amtsgericht Solothurn-Lebern der Einzelrichter entscheiden. Matthias Steiner, ausserordentlicher Amtsgerichtsstatthalter, amtete in dieser Funktion. Die Anklage lautete auf mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind und Pornografie.

Verwandte und Freunde des Mädchens füllten den Gerichtssaal. Nur Petra* selbst war nicht da. Zum Zeitpunkt der Tat Mitte April 2017 war sie fast neuneinhalb Jahre alt. Sie übernachtete auf eigenen Wunsch bei Marco D.* (46) in dessen Wohnung in einem Dorf im Bezirk Lebern. Nach dem Znacht schauten sie Filme. Was dann geschah, darüber gehen die Darstellungen auseinander. Petra gab einen guten Monat später zu Protokoll, Marco D. habe ihr «Geschlechtsverkehrfilme» gezeigt, sich nackt ausgezogen und sich auf dem Sofa hinter sie gelegt. Dabei habe sein nicht steifer Penis ihren Oberschenkel berührt. Später habe er mit der Zunge ihren Bauchnabel berührt. Dann hätten sie im gleichen Bett geschlafen, wobei er wieder nackt gewesen sei.

Ängste und Aggressionsausbrüche

Marco D. bestreitet jegliche Verfehlung. Er sei bekleidet gewesen, und geschaut hätten sie Zeichentrickfilme für Kinder, erklärte er dem Gericht. Das Mädchen habe Mühe gehabt beim Einschlafen und über Bauchschmerzen geklagt. Mangels einer Bettflasche habe er Petra die Hand auf den Bauch gelegt, wobei er auf der Bettkante gesessen habe. Schliesslich sei er vor dem Kind eingeschlafen. «Ich würde eher sterben, als so etwas zu tun», sagte er zu den Vorwürfen.

Zur Anzeige gekommen ist der Fall aufgrund von Aussagen, die Petra ihrer Gotte gegenüber machte. Diese informierte die Mutter, welche zur Polizei ging. Entsprechend sagten die Mutter und Gotte als Zeuginnen aus. «Aus Selbstschutz» und «aus Angst, etwas falsch zu machen», habe die Mutter die Detailbefragungen der Polizei überlassen, erklärte sie.

Nach dem Frühling vor zwei Jahren litt Petra an Ängsten und Aggressionsausbrüchen, die sie vorher nicht hatte und die teilweise bis heute anhalten. Die Mutter erklärte, Petra lebe seit anderthalb Jahren ausserhalb der Familie, wo sie aufblühe und gute Schulnoten habe. Vor allem die Qualität von Petras Aussagen bewog die Staatsanwaltschaft dazu, Petras Version zu glauben. Es gebe weder Hinweise noch Motive dafür, dass dem Mädchen die Geschichte eingeflüstert wurde, noch sei anzunehmen, es habe sich die Vorwürfe selbst ausgedacht, argumentierte Staatsanwalt Martin Schneider.

Das sah Marco D.s Verteidiger, Patrick Walker, anders. Er beantragte, Petra einem «aussagepsychologischen Gutachten» zu unterziehen, was das Gericht ablehnte. Er argumentierte, dass Suggestion vorliegen könnte, wenn auch unbeabsichtigt. Der Staatsanwaltschaft warf Walker vor, unter den bei Marco D. konfiszierten Sexfilmen (60 DVDs und Videokassetten) keine Szene gefunden zu haben, die mit Petras Schilderungen der sexuellen Filmhandlungen übereinstimmt. Dazu erklärte der Staatsanwalt, die Filme seien auf verbotenes Material, sprich: Kinderpornografie, geprüft worden. Solches sei nicht gefunden worden.

Das Gericht folgte den Anträgen der Staatsanwaltschaft, sprach den nicht einschlägig vorbestraften Angeklagten schuldig, wenn auch der einfachen und nicht mehrfachen Tat, und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 200 Tagessätzen à 110 Franken, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Neben Schadenersatz muss er dem Opfer eine Genugtuung von 4000 Franken zahlen. Obwohl Richter Matthias Steiner von einem insgesamt leichten Verschulden sprach, ist für ihn klar: «Das Vertrauen des Mädchens ist rücksichtslos missbraucht worden.»