Zumindest dem Wunsch nach einem Unterbruch sind die Oberrichter nachgekommen. Die Verhandlung wird erst am Donnerstag weitergeführt. Damit sollen alle Zeit erhalten, die Beweisanträge zu studieren.

Verstärkte Aggressivität

Pius Buchmann, der Verteidiger des ehemaligen Spitzenleichtathleten, beantragte beim Gericht, dass dieses diverse Beschreibungen und Fachartikel über Wirkung von Anabolika zu den Akten nimmt. Er will damit das Gericht überzeugen, dass Anabolikakonsum die Aggressivität verstärkt - dies auch lange nach der Absetzung.

Weiter verlangte der Rechtsvertreter ein neues Gutachten über die Wirkung des Drogen- und Anabolikakonsums bei seinem Mandanten. Man dürfe nicht einfach auf einen inkompetenten Gutachter abstellen, der angibt, noch nie etwas davon gehört zu haben, dass Anabolika aggressiv mache.

Man müsse Expertisen beiziehen, die aussagen, dass Anabolika und Drogen Stress auslösen, aggressiv machen und die Persönlichkeit verändern. Sein Klient sei früher ein äusserst gutmütiger und ruhiger Mann gewesen, bis er in Kontakt mit diesen Mittel gekommen sei.

Abklären und aufarbeiten

Der Verteidiger plädierte dafür, dass die Versäumnisse der ersten Instanz und der Untersuchungsbehörden seriös abgeklärt und aufgearbeitet werden.

Er sagte auch, dass ein Prozessunterbruch keine Rolle spiele, da die beiden Haupttäter ohnehin mit langen Haftstrafen rechnen müssten.

Strafverfahren wegen TV-Interview

Als nicht akzeptabel bezeichnete Buchmann zudem ein TV-Interview, das einer der Hauptgutachter gegeben hatte. Lutz-Peter Hiersemenzel war Leiter des forensischen Dienstes des Kantons Solothurn und hatte noch vor dem erstinstanzlichen Urteil vor laufender TV-Kamera eine ungünstige Prognose über die beiden Männer, welche die Morde ausführten, abgegeben.

Diese Aussagen hatten allerdings Folgen: Gegen den Gutachter läuft derzeit vor dem Bundesgericht ein Strafverfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung.

Mangelhafte Gutachten

Bruno Steiner, der Rechtsvertreter des ungelernten Kochs, verlangte am Morgen in einem dreistündigen Vortrag, dass das Urteil aufgehoben und an die Vorinstanz zurückgegeben wird, weil die bisherigen Gutachten unbrauchbar und oberflächlich seien. Er forderte neue Gutachten, welche die Verfassung seines Klienten vor allem während der Tatzeit aufzeigen sollen.

Die gemachten Gutachten seien mangelhaft, so Steiner. Es seien Sachen unterschlagen worden, die seinen Klienten entlastet hätten. Sein Klient sei Mitläufer gewesen und habe die Tat mit einer gewissen Abneigung begangen.

Dazu verlangte Steiner weitere Expertisen, Atteste und Gutachten, so auch zum Alkoholkonsum des Mannes. Guido S. habe die Nacht vor der Tat durchgezecht, so Steiner. Es könne deshalb sein, dass er «erheblich alkoholisiert und übermüdet war». Laut dem Verteidiger könnte zum Tatzeitpunkt eine «deutliche Trunkenheit» vorgelegen haben.

"Beschreibung der Charaktereigenschaften unvollständig"

Auch die an der Tat mitbeteiligten Ruth S. soll neu begutachtet werden, wie ihr Verteidiger Daniel Walder beim Gericht beantragte. Die bisherige Einschätzung müsse ergänzt und verbessert werden, weil das Papier bezüglich der Charaktereigenschaften unvollständig und unrichtig sei.

Die Fragen zur Persönlichkeit seien, wie das Urteil der Vorinstanz gezeigt habe, von entscheidender Bedeutung, sagte der Anwalt weiter. Um von seiner Klientin in besseres Bild zu machen, sollen auch zusätzliche Zeugen befragt werden.

Fette Beute blieb aus

Die erste Instanz hatte den 36-jährigen ehemaligen Spitzensportler, den 28-jährigen ungelernten Koch und die 53-jährige Frau des mehrfachen Mordes sowie weiterer Delikte schuldig gesprochen und zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Der Dreifachmord von Grenchen SO hatte sich im Juni 2009 ereignet. Der 60-jährige Pierre-André wurde mit einem Kopfschuss getötet. Seine 55-jährige Ehefrau Margrit und die 35-jährige Tochter Dania wurden mit Plastiksäcken erstickt. Das am Mordkomplott beteiligte Trio erhoffte sich in der Wohnung der Familie fette Beute in Form von Geld, was jedoch nicht eintraf. (sda/nch)