Er sieht aus, wie man sich einen Einbrecher vorstellt: Glatze, Dreitagebart, finsterer Blick. Es fehlen ihm lediglich eine schwarze Mütze und eine Taschenlampe. Zumindest Letzteres aber hat die Polizei beschlagnahmt, als sie den Moldawier im September 2013 in einem Wald in der Innerschweiz fand – schlafend in einem gestohlenen Toyota.

Er sieht aber nicht nur aus wie ein Einbrecher, er hat auch die perfekte Ausbildung dazu: In seiner Heimat lernte er Chauffeur und Elektriker. Mal entwendete er einen Lieferwagen, um die Beute abzutransportieren. Mal verursachte er am elektronischen Schlüsselsystem eines Garagentors einen Kurzschluss und verschaffte sich so Zutritt zu einem Materiallager. Oft aber ging er bei Einbrüchen nicht sehr raffiniert vor. Er benutzte die Brechstange. Oder schlug Fenster ein.

Der 30-Jährige ist aber nicht nur ein professioneller Einbrecher, sondern auch ein ebenso versierter Ausbrecher. Vier Monate nach Antritt des vorzeitigen Vollzugs brach er im Mai 2014 aus dem Untersuchungsgefängnis Solothurn aus. Wie in einem Film habe er die Gitterstäbe durchgefeilt, sagte der Staatsanwalt am Donnerstag beim Prozess am Amtsgericht Solothurn-Lebern. Danach sei er durch das Fenster gestiegen und über den Zaun geklettert. Auf dem Überwachungsvideo habe der Staatsanwalt das später gesehen. Auf Anfrage möchte das Amt für Justizvollzug jedoch aus Sicherheitsgründen keine genaueren Angaben dazu machen.

Er hatte einen Komplizen

Eigentlich hätte der Angeklagte zuvor ein verkürztes Verfahren erhalten, denn er gab alle zwölf Delikte zu. Weil er aber ausgebrochen ist, blieb ihm dieses jetzt verwehrt. Am Gericht wurde nun vor allem eines diskutiert: Ob er gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl begangen hat oder nicht.

Die Staatsanwaltschaft sagte: Er und sein Komplize – der bereits in dem verkürzten Verfahren verurteilt wurde – hätten die Einbrüche gewerbsmässig verübt. Allein innert fünf Tagen werden ihnen acht Diebstähle vorgeworfen. Die Verteidigung hingegen sagt: Die beiden hätten die Diebstähle nur begangen für Nahrungsmittel oder einen Schlafplatz im Trockenen.

Und dann gibt es noch die Geschichte des Angeklagten: Er sei von Frankreich her in die Schweiz gekommen, wollte hier Arbeit suchen. Am Genfersee habe er seinen Komplizen kennen gelernt, zufällig. Mehr erzählen wollte er nicht. Fakt ist: Die beiden reisten in den Kanton Solothurn, errichteten im Wald ein Lager und gingen auf Diebestour. Zum Ziel nahmen sie sich vorwiegend gewerbliche Gebäude. In Riedholz erbeuteten sie in einem Pausenraum 20 Franken sowie Getränke im Wert von 35 Franken.

In einem Geschäft in Feldbrunnen stahlen sie einen Tresor – und einen Lieferwagen für den Transport. Allerdings hätten sie sich wohl eine andere Ausbeute erhofft: Im Tresor fanden sie 150 Paar Arbeitshandschuhe und eine Arbeitsjacke. Mehr Glück hatten sie in der Kantonsschule Solothurn. Dort stahlen sie erneut einen Tresor. Und auf einer Baustelle eine Trennschleifmaschine, um den Tresor zu öffnen. Darin lagen 700 Franken. Am nächsten Tag brachen sie ins Klubhaus des FC Rüttenen ein und griffen sich Esswaren und Getränke im Wert von 400 Franken. Später suchten sie in einer Garage nach Wertgegenständen, fanden aber nur einen Autoschlüssel. Dieser gehörte zum Toyota, womit sie sich in die Innerschweiz absetzten.

International gesucht

Bei seinen Einbrüchen im Herbst 2013 war der Moldawier nicht sonderlich erfolgreich, er wollte dabei auch keine Kontakte zu Menschen riskieren. Dennoch ist er kein harmloser Verbrecher.

Bevor er nach Frankreich und danach in die Schweiz einreiste, sammelte er laut Staatsanwalt bereits in Italien «massive Vorstrafen». Auch wegen sexueller Gewalt. Und: Nachdem er 2014 aus dem Solothurner Untersuchungsgefängnis ausbrach, verübte er in der Region wohl weitere Delikte. So auch im Kanton Jura, wo nun ein anderes Verfahren wegen der mutmasslichen Straftaten läuft.

Fast aber wäre der Profi-Einbrecher straffrei davongekommen. Denn nach seiner Tour im Jura wollte er zurück in seine Heimat und kam immerhin bis in die Ukraine. Unterdessen lief jedoch ein internationaler Haftbefehl. An der Grenze zu Ungarn wurde er schliesslich festgenommen und in die Schweiz zurückgebracht.

Während ihn der Richter am Amtsgericht zu drei Jahren Gefängnis wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls verurteilte, hob der Täter seine Augenbrauen – so als hätte er eine mildere Strafe erwartet.