Zecken im Kanton Solothurn
Verseuchte Zecken-Gebiete verbreiten sich im Kanton Solothurn immer mehr

Immer mehr Gemeinden gehören zum FSME-Risikogebiet. Experten vermuten dennoch nicht eine zwingende Verschlechterung der Lage, sondern sprechen auch von einem «Beobachtungseffekt».

Daniel Fasel
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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat am 1. Mai eine neue Karte veröffentlicht, die Risikogebiete für Krankheiten durch Zeckenstiche anzeigt. Im Kanton Solothurn sind immer grössere Gebiete betroffen. Auf den ersten Blick scheint die Lage dramatisch: Neu gehören nicht mehr fünf, sondern gleich 17 Gemeinden des Kantons zum Risikogebiet für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Besonders betroffen sind die Gemeinden zwischen Wolfwil und Gretzenbach nahe der Kantonsgrenze zum Aargau. Aber auch entlang des Juras, zwischen Bellach und Welschenrohr sowie in Oensingen und Balsthal, wird eine Impfung gegen das Virus empfohlen. Die publizierte Karte des BAG integriert die ärztlichen Daten seit 2003.

Kalter April - wenige Vorfälle

Das FSME-Virus wird durch Zecken übertragen und kann Hirnhautentzündungen verursachen. Im allerschlimmsten Fall stirbt man an dieser Infektionskrankheit. Laut Bundesamt für Gesundheit tritt die Krankheit bei 5 bis 15 Prozent der Betroffenen in eine zweite, schwere Phase; davon müssen 80 Prozent der Patienten ins Spital. Das BAG schreibt dazu: «Eine ursächliche Behandlung der FSME ist nicht möglich, es können lediglich Symptome behandelt werden.» Darin liegt die Gefahr der Krankheit. In diesem Jahr gab es in der ganzen Schweiz erst eine einzige Diagnose von FSME. Katrin Holenstein vom BAG erklärt, dies habe mit dem kalten Frühling zu tun: Zecken werden erst bei wärmeren Temperaturen aktiv, für die Menschen gilt beinahe dasselbe.

«Beobachtungseffekt»

«Es ist nicht schlimmer geworden», meint Kantonsarzt Christian Lanz auf Anfrage. Die FSME dürfe man gewiss nicht unterschätzen, aber die Lage habe sich nicht zwingend verschlechtert. Lanz spricht von einem «Beobachtungseffekt»: Die Menschen würden sich heute viel mehr auf Zeckenstiche achten und schneller zum Arzt gehen. Klar, dass dann auch mehr Fälle entdeckt würden. Auch Katrin Holenstein schliesst einen solchen «Beobachtungsfakt» nicht aus. Tatsache bleibe aber, dass die Fallzahlen zugenommen haben. Ob das nun wegen erhöhter Aufmerksamkeit oder tatsächlicher Expansion der Krankheit sei, lasse sich anhand der Daten nicht beantworten.

«Zecken kennen keine Gemeindegrenzen»

Kantonsarzt Lanz betont, dass man die Karte des BAG richtig interpretieren müsse. Die Daten zeigten nur, wo mehr Fälle von FSME aufgetaucht sind als anderswo. Das bedeute nicht, dass es nur dort infizierte Tiere gebe. «Zecken wissen nicht, wo die Gemeindegrenzen verlaufen. Es trifft nicht zu, dass nur die markierten Gemeinden gefährdet sind», kommentiert Lanz. In den Nachbargemeinden müsse man genauso achtsam sein. Bei häufigem Aufenthalt im Wald oder auf Feldern in der Nähe der Risikogebiete empfiehlt der Kantonsarzt eine Impfung. Ausgenommen davon sind Kinder bis sieben Jahre. Die Kosten für die Impfung werden gemäss den BAG-Empfehlungen durch die obligatorische Grundversicherung vergütet.

Zecke ist nicht gleich Zecke

Nicht zu vernachlässigen sei die Borreliose, eine zweite von Zecken übertragene Krankheit, erklärt Christian Lanz weiter. Gegen diese existiert keine Impfung. Das Risikogebiet betrifft fast die gesamte Schweiz unterhalb von 1500 Metern Höhe. Auch dazu findet man im Internet eine Karte des BAG (http://map.geo.admin.ch › Raum und Bevölkerung › Gesundheit und Sicherheit). Die Lyme-Borreliose befällt Organe, Gelenke, das Nervensystem und die Haut - im schlimmsten Fall mit lebenslangen Folgen. Allerdings kann die bakterielle Erkrankung mit Antibiotika behandelt werden. Stellenweise sind bis zu 50 Prozent der Zecken Borreliose-Träger.

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