Schuldenberatung AG/SO

«Verschuldung wird oft als persönliches Versagen erlebt»

Barbara Zobrist, Leiterin der Schuldenberatung Aargau Solothurn.

Barbara Zobrist, Leiterin der Schuldenberatung Aargau Solothurn.

Nach einem Unfall, aufgrund einer Krankheit, oder einer Sucht: Jeder Mensch könne plötzlich in Schulden geraten, erzählt Barbara Zobrist von der Schuldenberatung Aargau/Solothurn. Das Beratungsangebot ist heutzutage enorm gefragt - und soll im Kanton gesetzlich verankert werden.

300 Beratungen jährlich Die Schuldenberatung Aargau/Solothurn berät Menschen, denen das Einkommen für das tägliche Leben schlicht nicht reicht – oder Personen, die das Budget nicht einhalten können und immer häufiger Mahnungen für unbezahlte Rechnungen erhalten.

Im Jahr 2008 hat der Kanton die erste Leistungsvereinbarung mit dem Solothurnischen Verein für Schuldensanierung und der Fachstelle für Schuldenfragen Aargau abgeschlossen. Nach der Fusion wurde die Vereinbarung mit dem Verein Schuldenberatung Aargau/Solothurn weitergeführt. Pro Jahr berät die Fachstelle über 300 Solothurner Haushaltungen erstmalig. «Die Nachfrage steigt stetig», so Barbara Zobrist von der Schuldenberatung. Im Rahmen einer Beratung wird die genaue Situation des Betroffenen – sein Umfeld, seine gesundheitliche Verfassung, Einkommen – erfasst. Dieses Bild wird abgeglichen mit der Gesamthöhe der Schulden. Dann wir an Lösungen gearbeitet.

Der oben beschriebene Fall sei stellvertretend für viele andere Betroffene, sagt Zobrist. Viel zu oft würden Betroffene viel zu lange über ihre Probleme schweigen. «Verschuldung wird oft als persönliches Versagen erlebt», so Zobrist. Dabei würden Schulden viele Menschen betreffen: Gemäss Bundesamt für Statistik leben 40 Prozent der Gesellschaft in einem Haushalt mit Schulden. Laut Zobrist können zudem auch unerwartete Ereignisse – ein Unfall oder eine Scheidung – jederzeit zu Schulden führen; oder auch eine Krankheit. «Gleichzeitig machen Schulden auch krank.»

Kredite leicht zu haben –schnelle Verschuldung

Was laut Zobrist zudem stärker thematisiert werden sollte: «Die leichte Verfügbarkeit von Krediten und die Kultur des ‹alles sofort haben können› fördern das Risiko einer Verschuldung.» Gleichzeitig melden sich im-mer mehr Menschen mit geringem Einkommen und prekären Anstellungsbedingungen bei der Schuldenberatung. Zudem ein Dauerthema auf der Beratungsstelle: Rund 80 Prozent der Klienten haben Steuerschulden. Mit ein Grund: Im Betreibungsrechtlichen Existenzminimum – wird eine Person betrieben, so wird sie bis auf diesen Betrag gepfändet – werden die Einkommenssteuern nicht berücksichtigt. Das führt laut Zobrist dazu, dass am Schluss auch die Steuern nicht mehr bezahlt werden und der Schuldenberg wächst.

Die Leiterin der Beratungsstelle empfiehlt zudem: «Frühzeitig Hilfe anfordern». Im besten Falle eine Budgetberatung machen – bevor eine Schuldenberatung nötig wird.

Vergangenen März befasste sich der Kantonsrat mit dem Thema. Er erklärte einen Auftrag für erheblich, wonach die Regierung «die gesetzliche Grundlage für eine Förderung und kantonsweite Sicherstellung der Budget- und Schuldenberatung» schaffen muss. Momentan werden Botschaft und Entwurf zur Revision des Sozialgesetzes erarbeitet, heisst es beim zuständigen Amt für soziale Sicherheit. 

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