Bellach
Verschiedene Religionen lernen sich kennen: «Hey, was glaubst Du eigentlich?»

Der Workshop «Hey, was glaubst Du eigentlich?» in der Moschee in Bellach stiess auf grosses Interesse. Rund 50 Jugendliche diskutierten Fragen um die Religionen und damit verbundene Konfliktsituationen.

Simon Binz
Drucken
Teilen
Ramazan Durmaz, Vorstandsmitglied der Moschee Bellach, begrüsst die Jugendlichen.
22 Bilder
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach
Workshop zur Woche der Religionen in der Moschee in Bellach

Ramazan Durmaz, Vorstandsmitglied der Moschee Bellach, begrüsst die Jugendlichen.

Hanspeter Bärtschi

Ratna ist 23 Jahre alt und Inderin. Ihre Eltern haben lange gesucht und für sie drei Männer für die Heirat gefunden. Ihre Tante Edha freut sich so sehr, dass sie bereits ein Geschenk für ihre Nichte ausgewählt hat. Ratnas Chefin, Frau Kunz, hingegen schüttelt nur den Kopf ...

Dies ist nur ein fiktives Beispiel einer Konfliktsituation im Zusammenhang mit Religionen. Ein Beispiel aber, das vor allem in der westlichen Welt häufig vorkommt. Doch wie soll man damit umgehen? Was sind eigentlich die Unterschiede der verschiedenen Religionen? Und was glaube ich selbst?

Moschee Bellach: «Wir sind sehr offen, kommt auf uns zu»

Seit 1986 existiert die türkische Moschee am Fabrikweg 3 in Bellach. Sie hat 120 aktive Mitglieder und rund 300 Passive. Die Moschee ist Teil der Schweizerischen Islamischen Glaubensgemeinschaft (SIG). Vorstandsmitglied Ramazan Durmaz: «Unter unseren Mitgliedern sind viele verschiedene Nationen vertreten, auch Schweizer, aber die Mehrheit sind Türken.» Die Zeitspanne von 27 Jahren, seit die Moschee eröffnete, ist erstaunlich. Vor allem wenn man an den «Fall» Grenchen denkt. Dort versucht die albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft (AIG) seit mehreren Jahren eine Moschee zu bauen, ist aber bisher stets auf Widerstand gestossen. Warum klappt es in Bellach also seit so langer Zeit? Durmaz: «Der Vorteil ist, dass wir in der Gewerbezone zu Hause sind und nicht in einer Wohngegend.» Ausserdem würde man von aussen kaum bemerken, dass dort eine Moschee stehe. Auf Grenchen angesprochen meint er: «Der 11. September 2001 war ein sehr massgebender Tag. Viele Leute haben danach Angst empfunden und die Medien haben sehr viel negativ berichtet.» Hinzu komme: «Was man nicht kennt, davor hat man Angst.» Darum seien in Bellach auch schon Tage der offenen Türen durchgeführt worden. «Auch die jetzige Plattform wollten wir nutzen, schliesslich wollen wir unseren Teil zur Gesellschaft beitragen», sagt Ramazan Durmaz. Die Moschee sei zudem nicht nur zum Beten da: Hier seien auch Frauen- Herren- und Jugendorganisationen aktiv. «Wir sind sehr offen, die Leute sollen einfach auf uns zu kommen und keine Hemmungen haben.» (SBI)

All dies sind Fragen, denen am Dienstagabend in der Moschee in Bellach rund 50 Jugendliche verschiedener Religionen nachgegangen sind. Viele von ihnen waren mit ihren Religionslehrern gekommen, andere wiederum auch alleine – aus reinem Interesse. Muslime, Reformierte, Konfessionslose und Katholiken, sie alle wollten ihres Gegenübers Religion besser kennenlernen. Der Workshop «Hey, was glaubst Du eigentlich?» wurde im Rahmen der Woche der Religionen (wir berichteten) organisiert.

Geleitet wurde er von Religionswissenschaftlern des Vereins «WissensWert Religionen». Dessen Mitgliedern geht es vor allem darum, «ihr Gelerntes weiter zu vermitteln», wie Madlaina Pestalozzi in ihrer Begrüssung erzählte. Organisatorin Yvonne Schär, Jugendarbeiterin der reformierten Kirchgemeinde Solothurn, erklärte das Ziel des Workshops: «Da Religion oft ein Tabu-Thema ist, erhofften wir uns, dass durch diesen Anlass die Hemmschwelle überschritten wird und die Jugendlichen über ihre Religion diskutieren.»

Religionsdurchmischte Gruppen

Die Teilnehmer wurden herzlich von den Mitgliedern der Moschee Bellach empfangen. Trotzdem schienen am Anfang einige noch etwas nervös. Verständlich, viele von ihnen waren wohl das erste Mal zu Besuch in einer Moschee. Als die Teilnehmer dann aber in drei möglichst Religionsdurchmischte kleinere Gruppen aufgeteilt wurden, ging das Diskutieren los. Um die Vielzahl an Religionen besser kennenzulernen, stellten die Religionswissenschaftler zu Beginn jeder Gruppe verschiedene Gegenstände verschiedener Religionen vor. Am Anfang ergriffen dabei vor allem die Muslime das Wort: Sie beeindruckten mit ihrem wissen über den Islam.

Seline Hofer (19) «Ich finde das Zusammenleben von Religionen interessant. Was für Konflikte entstehen? Was für Lösungen gibt es? Ich finde es toll, dass Menschen fähig sind, von ganzem Herzen an etwas glauben zu können.»
4 Bilder
Ebru Tütüncü (20) «Ich war interessiert an dem Workshop, da ich bisher über andere Religionen wenig wusste. Religion bedeutet für mich in erster Linie Glaube. Es ist ein Weg der mich im Leben begleitet. Die Unterhaltungen mit anderen war super.»
Felix Oesch (14) «Wir haben mit dem Religionsunterricht diesen Workshop besucht. Die Idee hat mich von Anfang an fasziniert, denn ich würde mich durchaus als gläubigen Menschen bezeichnen. Religion bedeutet für mich, an etwas Höheres zu glauben.»
Koen De Bruycker (41) «Ich bin mit meiner Konfirmationsklasse hier. In meinem Unterricht geht es darum, dass meine Schüler sich zuerst selber kennenlernen. Darum finde ich es wichtig, dass sie sich auch mit anderen Religionen auseinandersetzen.»

Seline Hofer (19) «Ich finde das Zusammenleben von Religionen interessant. Was für Konflikte entstehen? Was für Lösungen gibt es? Ich finde es toll, dass Menschen fähig sind, von ganzem Herzen an etwas glauben zu können.»

Simon Binz

Bei anschliessender Diskussion ging es um die Hauptfrage des Abends: «Was glaube ich eigentlich?» Daraus entwickelte sich ein spannender Dialog. Einer der Jüngsten in der Gruppe sagte, dass er mehr der Wissenschaft vertraue, als der Religion. Darauf erklärte ihm einer der Muslime, dass im Koran bereits viel geschrieben stehe, was erst später wissenschaftlich bewiesen werden konnte. Diese Erklärung entlockte dem Jungen ein lautes «Hm» und «aha».

Die Diskussionen verliefen so angeregt, dass es den Workshop-Leitern beinahe schwer fiel, zum nächsten Thema, den Konfliktsituationen, zu kommen. Zurück also zu Ratna, der 23-jährigen Inderin. «Soll Ratna einen der Männer auswählen und heiraten?», fragt die angehende Religionswissenschaftlerin Annina Schlatter in die Runde. Die Muslima Ebru Tütüncü meldet sich. Sie sehe darin eine Art Zwang, die Tante habe ja schliesslich das Hochzeitsgeschenk bereits gekauft.

«Trotzdem finde ich Ratna kann die drei Männer ja einmal kennenlernen und anschliessend immer noch Nein sagen.» Die Eltern möchten ja schliesslich immer das Beste für ihre Kinder. Die Jugendlichen in der Runde nickten und schienen sich einig. Was nicht selbstverständlich ist, in einem Raum voller Menschen mit unterschiedlichem Glauben.