Kanton Solothurn
«Verschiebungen 18/18» – Stimmen zum Landesstreik

Das Kunstprojekt «Verschiebungen 18/18» stellt Fragen zu einem schwierigen Kapitel der Geschichte.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Illustration aus dem Band «Grenchen in alter Zeit». Eigenverlag Hans Kohler, 1990

Illustration aus dem Band «Grenchen in alter Zeit». Eigenverlag Hans Kohler, 1990

Ansichtskarte

«Zwölf junge Burschen haben die Fabrikleitung aufgefordert, bis 9 Uhr zu schliessen. Um 10.15 Uhr erschien eine Menge von etwa 200 Streikenden vor der Fabrik und erzwangen die Einstellung des Betriebes.»

Solche Szenen spielten sich vor gut 100 Jahren in vielen Schweizer Städten ab. «Verschiebungen 18/18» heisst das Kunstprojekt, das an die wirtschaftlich schwierige und politisch explosive Lage Zeit des Landesstreiks erinnern will.

Für den Kanton Solothurn ist der Landesstreik kein einfaches Thema. Die Bezeichnung «Oltener Aktionskomitee» bringt den Kanton mit dem Landesstreik in Verbindung. Erinnert wird vielfach auch die militärische Besetzung der drei Städte Olten, Solothurn und Grenchen, insbesondere an die blutigen Ereignisse am letzten Streiktag in Grenchen am
14. November 1918.

Dort wurden drei Zivilpersonen von Soldaten des Füsilierbataillons 6 tödlich getroffen. Die an kriegerische Zustände erinnernde Situation grub sich besonders tief ins kollektive Bewusstsein der älteren Generationen ein.

Die Tournee der Ausstellung

Vom 10.11.16 bis 23.11.16

- Mümliswil HAARUNDKAMM

- Nunningen Gemeindeverwaltung

- Grenchen Lüthy Buchhaus.ch

- Biberist Läbesgarte Bleichematt

- Messen Spar- und Leihkasse Bucheggberg AG

Vom 23.11.16 bis 5.12.16

- Däniken Einwohnergemeinde

- Lostorf Gemeindeverwaltung

- Balsthal Einwohnergemeinde

- Kleinlützel Gemeindeverwaltung

- Breitenbach Bibliothek des Kultur- und Lesevereins

- Biezwil Restaurant Rössli

- Solothurn Museum Altes Zeughaus

- Lohn-Ammannsegg Alters- und Pflegeheim Bad-Ammannsegg

Und heute?

Doch was hat der Landesstreik von 1918 mit uns heute zu tun? Diese Frage will die Kunstaktion «Verschiebungen 18/18» beantworten. Geschaffen werden «szenografische Annäherungen an den Landesstreik», schreiben die Verantwortlichen.

Mit verschiedenen Aktionen soll an die folgenreichen Ereignisse im November 1918 im Kanton Solothurn erinnert werden, gleichzeitig werden sie auf ihre Bedeutung für die Gegenwart untersucht.

Mit einer ersten Aktion im August 2016 griff das Kulturprojekt die Forderungen des «Oltener Aktionskomitees» mit Bodenklebern in Breitenbach, Solothurn und Olten auf. Ab kommendem 9. November sind sechs Hörstücke auf einer Tournee durch den ganzen Kanton zu hören. Diese schaffen eine szenografische Intervention.

In den Hörstücken haben 25 Solothurnerinnen und Solothurner Passagen aus Zeitdokumenten zum Landesstreik im Kanton Solothurn – Recherche Edith Hiltbrunner, Historikerin Olten – vorbereitet und eingesprochen. Zusammen mit prägnanten Aussagen aus 30 Interviews zu Themen des Landesstreiks sind insgesamt sechs kurze Hörstücke entstanden.

Für die Interviews waren die jungen Solothurner Kunstvermittlerinnen Alina Mathiuet, Sarina Pfluger und Simone Mutti im ganzen Kanton unterwegs und haben die Hörstücke entwickelt. Die Stücke tragen Titel wie: «Arbeitsalltag in der Kammi Mümliswil», «Zwist unter den Eisenbahnern in Olten», «Solothurner Streikprotokoll», «Bauern gegen Arbeiter», «Von Kohlen und Kartoffeln» und «Frauenperspektiven».

Am kommenden 9. November sind auf der Holzbrücke in Olten um 19 Uhr diese Hörstücke anlässlich einer Vernissage zum ersten Mal zu hören. Ab dem 11. November folgt eine Tournee der Hörstationen durch den ganzen Kanton Solothurn. Laufend werden weitere Standorte gesucht.

Die Vernissage der Toninstallationen «Verschiebungen 18/18» eröffnet am 9. November um 19 Uhr Regierungsrätin Esther Gassler, Martin Wey, Stadtpräsident von Olten, und Walter Leimgruber, Leiter des Seminars für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie an der Universität Basel, auf der Holzbrücke in Olten.