Vermeidbare vierte Welle
«Epidemie der Ungeimpften»: Solothurner Spitäler kämpfen um das Leben von Ungeimpften

Die vierte Welle ist eine Epidemie der Ungeimpften. Denn die Impfung minimiert Ansteckungen und schwere Verläufe. Leidtragende sind das Gesundheitspersonal in den Spitälern.

Christoph Krummenacher
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Spitalpersonal im Solothurner Bürgerspital.

Spitalpersonal im Solothurner Bürgerspital.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Das Schweizer Gesundheitspersonal kämpft in den Spitälern weiterhin um das Leben von Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Bei den Solothurner Spitälern soH waren es Stand Dienstag 30 Covid-19-Patienten, wie Gian Trionfini, Mediensprecher der Solothurner Spitäler AG, erklärt. Neun davon befinden sich auf den Intensivpflegestationen.

Brisant: keiner der Covid-Patienten war gegen Corona geimpft. Dies ist auch im wöchentlichen Situationsbericht zur epidemiologischen Lage ersichtlich, welchen der Kantonale Fachstab Pandemie der Gesundheitsbehörde diese Woche publizierte.

Fast nur Ungeimpfte in den Spitälern

Weil die Datenlage noch zu dünn sei, will Trionfini zum Anteil Ungeimpfter während der letzen Wochen in den Solothurner Spitälern noch keine Zahlen publizieren. Nationale Zahlen sprechen indes eine eindeutige Sprache: Wie die Taskforce in ihren jüngsten Lagebericht zeigt, sind über 90 Prozent der Hospitalisierten nicht vollständig geimpft. Mehr noch: die vierte Welle ist fast ausschliesslich auf die ungeimpften Personen zurückzuführen, das zeigt die folgende Grafik:

Die Taskforce spricht explizit von einer «Epidemie der Ungeimpften». Das bedeutet umgekehrt, dass eine vierte Welle bei genügend hoher Impfquote hätte vermieden werden können. Denn: Die Impfung schützt erstens vor einer Infektion. Von 145'011 Solothurnerinnen und Solothurnern, die seit Januar geimpft wurden (Stand 17. August), haben sich 96 Personen dennoch angesteckt – das entspricht 0,0662%. Die Impfung schützt zweitens vor einem schweren Verlauf. Von den 96 Impfdurchbrüchen mussten zwei Personen ins Spital, jedoch keine der beiden auf die Intensivstation, beide Personen hatten Vorerkrankungen. Noch deutlicher sind die schweizweiten Zahlen dazu vom BAG.

Dr. med. Rein Jan Piso, Chefinfektiologe soH.

Dr. med. Rein Jan Piso, Chefinfektiologe soH.

Tom & Tina Ulrich

Dr. med. Rein Jan Piso, Chefinfektiologe soH, erklärt: «Aus Studien weiss man, dass der Krankheitsverlauf bei Impfdurchbrüchen in der Regel milder ist als bei ungeimpften Personen.» Es gebe allerdings auch Fälle, bei denen es zu einem schweren Verlauf gekommen sei. Bei der soH geht man davon aus, dass die Spitaleinweisungen in nächster Zeit zunehmen werden. «Bis anhin war es so, dass sich mit steigenden Fallzahlen auch die Anzahl stationär zu behandelnder Patienten erhöhte.»

Keine Erhöhung der Bettenzahl

Eine Erhöhung der Bettenzahl ist allerdings vorerst nicht geplant. Diese hänge mit der vom Kanton Solothurn verhängten Phase der Pandemie zusammen, so Trionfini. «In der aktuellen Phase ist Normalbetrieb mit insgesamt 17 Intensivpflegeplätzen in den beiden soH-Spitälern in Olten und Solothurn.»

Die Kapazitäten reichen derzeit aus, um alle Patienten behandeln zu können. Operationen müssen in den Solothurner Spitälern keine verschoben werden. Beim Spitalpersonal schwinden allerdings die Kräfte und das Verständnis für Ungeimpfte:

«Die Pandemie-bedingte Belastung für Mitarbeitende im Gesundheitswesen ist sehr gross und verlangt viel von ihnen ab. Die Tatsache, dass nahezu alle Covid-Patienten ungeimpft sind, stösst bei Mitarbeitenden des Spitals teils auf Unverständnis.»

Das professionelle Arbeiten stehe jedoch stets im Vordergrund, betont Trionfini: «Alle Patientinnen und Patienten werden unabhängig vom Krankheitsbild fürsorglich behandelt und gepflegt.»

Mitarbeitende im Bürgerspital Solothurn.

Mitarbeitende im Bürgerspital Solothurn.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Falschinformationen zur Impfung

Infektiologe Piso stellt zudem klar: «Die Impfung hat eine hohe Schutzwirkung gegen die Erkrankung und eine noch höhere gegen schwere Krankheitsverläufe. Zwar können Geimpfte die Krankheit im Falle einer Durchbrucherkrankung übertragen, insgesamt allerdings viel weniger als Nichtgeimpfte.» Massnahmen wie Handhygiene, Maske und Abstand seien daher auch bei Geimpften weiterhin notwendig.

«Die Impfung hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit», widerspricht Rein Jan Piso einem weiteren Mythos. Zudem würden die bekannten Nebenwirkungen der Impfung um ein vielfaches häufiger bei der Erkrankung als bei der Impfung auftreten. «Geimpfte haben somit einen grossen Nutzen für sich selber und sie ist die wichtigste Massnahme zu Bekämpfung der Pandemie.»

Anmeldung zur Impfung auf der Webseite des Kantons Solothurn

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