Xhemaili und Rexhepi: Zwei Namen, die man eher auf dem Aufgebot der Schweizer Fussball-Nati als auf der Nationalratsliste der Jungen CVP vermuten würde. Doch genau das ist der Fall: Der 25-jährige Shpetim Xhemaili aus Trimbach bei Olten und die 22-jährige Bellacherin Herolinda Rexhepi wollen für die Solothurner CVP in die grosse Kammer. Ursprünglich stammen die beiden Neu-Politiker aus dem Balkan: Xhemaili aus Mazedonien, Rexhepi aus dem Kosovo. Shpetim Xhemaili bezeichnet sich als Muslim, wogegen Herolinda Rexhepi konfessionslos ist.

Die Religionszugehörigkeit sei bei seiner Kandidatur für die Christdemokraten aber überhaupt kein Problem, so Xhemaili. Im Gegenteil: «Die CVP und Religion unterscheiden sich. Ich bin politisch aktiv und setze mich für die Werte der CVP ein.» Und mit der Stärkung der Familie, der Umweltpolitik und der Souveränität der Schweiz hat sich Xhemaili schon mal klassische CVP-Kernthemen auf die Fahne geschrieben. «Das geht auch als Muslim», so Xhemaili gegenüber dem Regional-Sender «TeleM1».

Shpetim Xhemaili in den Nationalrat

Shpetim Xhemaili in den Nationalrat

Das sieht auch CVP-Ständerat Pirmin Bischof so: «Wir haben auch nichtchristliche Konfessionsangehörige auf unseren Listen – vor allem von Leuten aus dem ehemaligen Jugoslawien, welche sich in der Schweiz hervorragend integriert haben.» Diese Tatsache zeige, dass die CVP erfolgreich für die Integration arbeite, so Bischof.

Auch der in Sachen Islam sonst sehr kritische SVP-Nationalrat und Vater der Minarett-Initiative Walter Wobmann stört sich nicht daran, dass Muslime für den Nationalrat kandidieren: «Jeder, der sich zur Wahl stellt, muss einfach zu unserer Verfassung, unserer Gesetzgebung und unserem Land insgesamt stehen», so Wobmann. Und er fügt an: «Die Grenze ist fremdes, extremistisches Recht, welches nichts bei uns zu suchen hat.»

Es ist aber kein Phänomen, dass vermehrt Muslime den Einzug ins Bundeshaus suchen würden. Vielmehr scheint es, dass allgemein die Generation der Secondos und Personen mit Migrationshintergrund in die Politik drängen. Neben Xhemaili und Rexhepi finden sich mit dem Wiler Stadtparlamentarier Arber Bullakaj bei der SP St. Gallen ein kosovostämmiger und mit Alexander Vaida für die CVP Baden ein ehemaliger Asylbewerber aus Rumänien auf den Nationalratslisten. 

Einer, der seine Kandidatur wieder zurückgezogen hat, ist der ex-EVPler Blerim Bunjaku aus Winterthur. Er hat die Partei letzte Woche im Streit verlassen, weil er sich instrumentalisiert fühlte. «Die Parteien stellen albanischstämmige Kandidaten als Stimmenlieferanten auf, welche neue Wählerpotenziale erschliessen sollen», sagte er zu «20Minuten.ch». Dagegen schätzt er die reellen Wahlchancen der Kandidaten als marginal ein: «Der Ruf der Albaner profitiert zwar von den Fussballern in der Nati, aber es gibt noch immer viele Vorurteile: Es heisst, Albaner seien Hilfsarbeiter, kriminell, unkultiviert oder Drogendealer.» Auch in seiner ehemaligen Partei, der EVP, sei er als Muslim angefeindet worden, so Bunjaku.

Shpetim Xhemaili, der die Matur absolviert, fühlt sich bei der CVP auf jeden Fall wohl. Und die prominenteste aller Christdemokraten, Bundesrätin Doris Leuthard, nennt er auch gleich als sein Vorbild. «Doris Leuthard dient mir als Inspiration. Sie vertritt genau meine Werte», so Xhemaili. 

JCVP-Nationalratskandidat Shpetim Xhemaili mit seinem Vorbild Bundesrätin Doris Leuthard.

JCVP-Nationalratskandidat Shpetim Xhemaili mit seinem Vorbild Bundesrätin Doris Leuthard.

Mit seiner Herkunft will Xhemaili keinen speziellen Wahlkampf betreiben. Xhemaili: «Der Wahlkampf wird genau gleich wie bei allen Jung-CVPlern ablaufen.» (rhe)

Muslime kandidieren für Nationalrat

Muslime kandidieren für Nationalrat