Selzach
Verkehrsinstruktion der Kapo Solothurn: Im toten Winkel lauert der Tod

Die Kantonspolizei Solothurn erteilt an Oberstüflern Kurse zur Verkehrssinnbildung. Unter dem Motto «Lernen durch Erleben» soll den Schülern Eigenverantwortung bei der Unfallprävention vermittelt werden. So am Donnerstag an der Oberstufe Selzach.

Beat Geier
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Fahrlehrer und Instruktor Markus Walter hat bedrückende Beispiele im Gepäck.
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Beim TCS-Gurtschlitten hängt das Leben an 5 Zentimetern schwarzem Nylon.
Die Schüler sollen den Bremsweg abschätzen.
Roger Bader gibt das Zeichen für die Testfahrt.
Im Informations-Lastwagen der ASTAG werden Polizeifotos gezeigt.
Der Bremsweg wächst um zwei Rollerlängen bei Überschreiten von Tempo 30
Verkehrsinstruktion an der Oberstufe Selzach für Progymeler

Fahrlehrer und Instruktor Markus Walter hat bedrückende Beispiele im Gepäck.

Beat Geier

«Bruchsch no Kokain, Tömu?», hallt es durch das Treppenhaus der Oberstufe Selzach, als Philipp Kissling, Verkehrsinstruktor der Kapo, die Sekundarklasse 2b im obersten Stock des Schulhauses empfängt. Er hat es mit 16 Schülern und Schülerinnen im Mofa-Führerscheinalter zu tun. Grenzen werden nicht nur gegenüber Amtsträgern abgetastet, auch die Freizeitgestaltung der Jugendlichen wird in diesen Jahren zusehends experimentierfreudiger und entzieht sich der Kontrolle der Eltern. In diese Bresche springt die Kantonspolizei mit der Verkehrsinstruktion an der Oberstufe.

Versicherungsregress ist nicht das einzige Risiko

Das Stichwort Drogen fällt auch im Theorieteil bei Philipp Kissling: «Alkohol, Drogen und Verkehrswidrigkeiten gelten als fahrlässiges Verhalten und können zur Folge haben, dass die Versicherung Regress von euch fordert», und der kann bis zu 50 Prozent der Schadenssumme betragen. Die Theoriestunde behandelt die verborgenen Gefahren, die unterschätzten Kräfte der Physik und die finanziellen Konsequenzen, die nebst dem menschlichen Leid bei Fahrlässigkeiten drohen.

Verkehrssinnbildung

Die Kantonspolizei Solothurn erteilt in Zusammenarbeit mit zivilen Instruktoren zweimal jährlich Kurse zur Verkehrssinnbildung. Im Rahmen der mehrstufigen Verkehrsinstruktion wird unter dem Motto «Lernen durch Erleben» den 13- bis 16-jährigen Oberstufenschülern die Eigenverantwortung bei der Unfallprävention vermittelt. Die Veranstaltung ist in vier Themenbereiche gegliedert, einen Theorieteil und drei praktische Lektionen. Ziel ist die Sensibilisierung für Gefahren und die korrekte Einschätzung von Gefahren.

Unfallprävention ohne Zeigefinger

Roger Bader von der Kantonspolizei, der auch den Bremsweg des Rollers vorführt, definiert die Stossrichtung der Veranstaltung: «Was sie dürfen und was nicht, das wissen sie sehr wohl. Wir wollen den Schülern zeigen, wo unerwartete Gefahren lauern.» Die Klasse hat sich hinter ihm um Kurt Bitzi versammelt, der als Motorradfachmann den Bremsweg bei verschiedenen Geschwindigkeiten kommentiert.

Physik am eigenen Leib erlebt

Mit Pylonen dürfen die Schüler selbst ihre Schätzung des Bremswegs am Strassenrand dokumentieren, während Bader mit dem Roller Notstopps zum Besten gibt. Ihre Prognosen fallen pessimistisch und somit objektiv aus. Die Übung verfehlt ihre Wirkung nicht: Bei doppelter Geschwindigkeit hinterlässt der Pneu eine viermal so lange Bremsspur auf dem Asphalt. Richtig Action gibt es, als das Auto auf den Plan rückt. Jeweils drei Schüler dürfen mit Roger Bader im Demonstrationswagen die Beschleunigungskräfte einer Vollbremsung aus unterschiedlichen Geschwindigkeiten probefühlen. Bei der zweiten Runde entstehen bereits Händel zwischen den Schülerinnen und Schülern um die begehrte Mitfahrgelegenheit.

Interesse bei den Schülern

Andrea Flury, Klassenlehrerin der Sek 2b Selzach bemerkt, dass die Schüler durchschnittlich aufmerksam gewesen seien. Besonders bei der Aufmerksamkeit kommen Frage: Ob es verboten sei, Musik zu hören beim Velofahren? Philipp Kissling muss verneinen. Verboten sei es nicht. Wenn aber ein Unfall geschehe, dann könne es geschehen, dass die Versicherung Regress nehme. Es geht nicht immer nur um erlaubt oder verboten. „Lernen durch Erleben", das bedeutet auch, dass die Einsicht handlungsleitend wird.