Verkehrsanbindung Thal
Befürworter der Umfahrung Klus präsentieren Argumente – Gegnerschaft zieht vor Bundesgericht

Ende September stimmt das Stimmvolk des Kantons Solothurn über die Verkehrsanbindung Thal ab. Diese wird von einem Referendumskomitee bekämpft – der Abstimmungskampf läuft entsprechend schon eine Weile. Nun haben sich die Befürworter zu Wort gemeldet und in Balsthal ihre Argumente vorgestellt.

Noëlle Karpf
Merken
Drucken
Teilen
Vertreter des Komitees Pro Verkehrsanbindung Thal in der Klus. Von links: Thomas Fluri, Stefan Müller-Altermatt, Freddy Kreuchi und Benno Schmid.

Vertreter des Komitees Pro Verkehrsanbindung Thal in der Klus. Von links: Thomas Fluri, Stefan Müller-Altermatt, Freddy Kreuchi und Benno Schmid.

Bruno Kissling

Darüber stimmen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im Kanton Solothurn am 26. September ab: die Umfahrung Klus. In Balsthal ist eine Entlastungsstrasse geplant. Diese soll die Strasse durch die Klus von Verkehrsüberlastung befreien, die Rede ist von einer Verringerung von rund viereinhalb Minuten Autofahrt zu Stosszeiten.

Das Modell zur Umfahrung Klus.

Das Modell zur Umfahrung Klus.

Zvg

Bereits 1959 wurde über eine Umfahrung diskutiert, bis anhin sind Projekte aber stets gescheitert. Das vorliegende Projekt – und der Kredit von 74 Millionen Franken – wurde im Dezember 2020 vom Kantonsrat abgesegnet.

Mittlerweile hat sich aber auch eine Gegnerschaft gebildet, die das Referendum gegen die Verkehrsanbindung ergriffen hat. Darum hat nun das Stimmvolk das letzte Wort.

Für ein «Ja» weibelt das «Komitee Pro Verkehrsanbindung Thal». Am Mittwoch erklärten vier der Mitglieder, warum.

So sieht es zu Stauzeiten in der Klus aus.

zvg

Das sind die Argumente

Thomas Fluri, Verwaltungsratspräsident der Oensingen-Balsthal-Bahn AG:

Thomas Fluri.

Thomas Fluri.

Bruno Kissling
«ÖV und Auto konkurrenzieren sich im ländlichen Raum nicht, sie ergänzen sich. Die Verkehrsanbindung Thal verbessert das ÖV-Angebot: Nur wenn der Verkehr abends und morgens stetig durch die Klus fliesst, können Verspätungen von Seiten Bus minimiert werden. Und ein pünktlicher Bus führt wiederum zu einem stabilen OeBB-Fahrplan.»

Freddy Kreuchi, designierter Gemeindepräsident von Balsthal:

Freddy Kreuchi.

Freddy Kreuchi.

Bruno Kissling
«Eine Stimme für dieses Jahrhundertprojekt ist eine Stimme für eine Chance, dass unser schöner Bezirk nicht weiter als Randregion betrachtet wird, sondern als lebenswerter Ort, eingebettet zwischen den beiden Juraketten mit einem würdigen Anschluss an das Strassennetz.»

Stefan Müller-Altermatt, Präsident Komitee Pro Verkehrsanbindung Thal:

Stefan Müller-Altermatt.

Stefan Müller-Altermatt.

Bruno Kissling
«Es geht darum, den Thalerinnen und Thalern die Lebensqualität zurückzugeben, und es geht darum, das Thal als Wohn- und Arbeitsregion attraktiv zu erhalten. Es geht also um genau dasselbe wie bei den Umfahrungen in Olten und Solothurn.»

Benno Schmid, Verwaltungsratspräsident ChemValve-Schmid AG in Welschenrohr:

Benno Schmid.

Benno Schmid.

Bruno Kissling
«Die Wirtschaft im Thal erhalten und fördern heisst auch: weniger pendeln und Auswärtige fahren antizyklisch zur Arbeit. Die Ansiedlung neuer Betriebe wird durch die Verkehrsanbindung Thal erst richtig gefördert und zusätzlich werden das Gäu und der ganze Kanton entlastet.»

Auch Städte sollen sich solidarisch zeigen

Der Bähnler, der Gemeindepräsident, der Nationalrat und der Gewerbler: Sie referierten am Mittwoch für das Projekt. Von Anwohnerinnen und Anwohnern der Klus, vom Thal als Arbeitsstätte, von Bahn und Auto, welche sich ergänzten, war die Rede.

Der Fernsehsender TeleM1 hört sich bei den Befürwortern und Gegnern der Umfahrung um.

TeleM1

Auch das Stichwort Solidarität fiel. Solidarisch sollen sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zeigen, die nicht aus dem Thal sind. Als «Rückgrat» des Kantons, stellte etwa Benno Schmid den Bezirk vor. Doch die Menschen der Städte beispielsweise würden die hiesige Menschen manchmal etwas vergessen, so Thomas Fluri. Und Stefan Müller-Altermatt erwähnte, dass auch schon früher Umfahrungsprojekte - in Solothurn und Olten – vom Stimmvolk gutgeheissen worden waren. Jetzt sei für einmal das Thal an der Reihe.

Gegnerschaft zieht vor Bundesgericht

Das «Thaler Komitee Nein zur 81-Millionen-Luxusstrasse» bekämpft das Umfahrungsprojekt. Bis vor Bundesgericht, wie am Mittwochmorgen bekannt wird. Zuerst war die Gegnerschaft der Umfahrung an das Solothurner Verwaltungsgericht gelangt. Kritisiert wurde, dass Thaler Gemeinden das Pro-Komitee finanziell unterstützen. «Abstimmungspropaganda» würde mit «Steuergeldern» finanziert, argumentiert die Gegnerschaft. Das Verwaltungsgericht hat die Beschwerde abgewiesen – die Gemeinden des Thals hätten ein erhebliches Interesse an der Verkehrsanbindung, welches rechtfertige, dass sich die Gemeinden finanziell beteiligen. Die Gegnerschaft hält an der Abstimmungsbeschwerde fest. «Das höchste Schweizer Gericht soll entscheiden, ob es rechtmässig ist, dass fast die Hälfte des gesamten Kampagnenbudgets dieses privaten Komitees von der öffentlichen Hand finanziert wird», ist einer Mitteilung zu entnehmen. Und weiter: Dass einige Pendler an gewissen Werktagen zur abendlichen Pendlerzeit «ein paar Minuten mit dem Auto schneller durch die Klus fahren» könnten, reiche da nicht aus, um das Interesse der Gemeinden an der Verkehrsanbindung zu untermauern. Der Widerstand gegen die sogenannte Verkehrsanbindung sei insbesondere im Thal gross. Es werde etwa befürchtet, dass mit der Umfahrung auch mehr Lastwagenverkehr in die Region käme, und dass Lärm- und Umweltbelastungen zunehmen.

Auf diesen Schritt der Gegnerschaft angesprochen erklärt der Präsident des Pro-Komitees, Stefan Müller-Altermatt, diese Diskussion sei für das Komitee nur ein Nebenschauplatz. Das Verwaltungsgericht habe die Argumentation der Befürworter voll gestützt – das Einzige, was der Weiterzug ans Bundesgericht bedeuten könne, sei wenn überhaupt eine Verzögerung des Projekts.