Nein, auf ein Foto will Susi Furrer unter keinen Umständen. Da ist sie zu bescheiden. Und es sei doch auch viel schöner, ein Buch zu lesen und sich die Geschichten dazu selbst im Kopf auszumalen als Verfilmungen der Bücher zu sehen, sagt sie.

Also beschreiben wir Susi Furrer, die kleine Frau mit dem grossen Herzen für Kinder. Sie steht gerade zwischen Tausenden Spielzeugartikeln in ihrem Laden. Musikdosen hat es hier, Stofftiere, Dutzende Bücher, Stifte, Puppen, Adventskalender. Furrer, 68, hat halblange rot-orange Haare, ihr Gesicht ist schmal, ihre Augen sind wach, haben eine Prise Schalk und strahlen viel Wärme aus. «Vielleicht kann ich durch meine Grösse Kinder besser erreichen», sagt sie lächelnd. Die Basler Herkunft ist ihrem Dialekt auch noch nach Jahrzehnten anzuhören.

Nur pädagogisch wertvolles Spielzeug

Susi Furrer ist so etwas wie die gute Fee für Kinder in der Region: In ihren beiden Spielzeuggeschäften in der Solothurner Altstadt bietet die studierte Sozialarbeiterin seit über 30 Jahren an, was Kinder mögen. Tausende Artikel stehen in den beiden Läden. Wie viele es genau sind, das weiss sie selbst nicht. Aber eines ist klar: Sie möchte nichts verkaufen, das sie selbst nicht als gut für die Kinder erachtet. Viele Hersteller, darunter zahlreiche aus der Schweiz, kennt sie persönlich, jedes Jahr besucht sie mit ihren Mitarbeitenden einen Produzenten, um zu sehen, woher ihre Ware kommen.

Susi Furrer ist ein Mensch, der sich ganz viele Gedanken um Kinder und ihre Entwicklung gemacht hat. Dies ist das Spezielle an diesen beiden Läden in der hinteren Gasse, in denen die Gänge so schmal sind, weil links und rechts Waren meterhoch aufgetürmt sind: Furrer denkt über die Kinder in der Welt, über die Welt für die Kinder und über eine bessere Welt durch die Kindern nach. «Jedes Geschenk ist auch ein Eingriff in die Kindheit», sagt sie. «Was ich dem Kind in die Hand gebe, prägt dieses fürs Leben.» Wichtig ist ihr deshalb, dass sich Kinder mit einem Gegenstand vielseitig beschäftigen können, dass sie in ihrer Entwicklung gefördert werden. «Wer kein gutes Nest hat, der erhält leider auch seltener gutes Spielzeug», bedauert die frühere Sozialarbeiterin aus Erfahrung.

Susi Furrers Ziel ist es, dass Kinder nicht nur erwachsen werden, sondern vielleicht noch bessere Erwachsene. Den grössten Teil der Bücher, die sie anbietet, hat sie auch selbst gelesen. Globi hat es bei ihr eher schwer, weil der ein Held ist, der immer alles kann. Der kleine Rabe Socke, dem auch mal etwas passiert, gefällt ihr schon um einiges besser.
Furrers Art hat sich herumgesprochen. Auch aus Genf und dem Thurgau hat der kleine Laden in der St. Urban-Gasse Kunden. «Die Leute kommen gerne hierhin, auch weil ich nichts Falsches verkaufen will.»

«Das beste Geschäft», aber...

Mit dem Advent beginnt im «Müggli» die Zeit, in der es eng wird auf den schmalen Gängen zwischen den aufgetürmten Spielwaren. Es ist eine hektische Zeit, eine Zeit, die Furrer und ihren Mitarbeitenden auch mal Substanz abnötigt. «Aber natürlich ist die Realität auch, dass wir an Weihnachten das beste Geschäft machen», sagt Furrer. Auch ihr Geschäft muss über die Runden kommen. Aber dass sie es für die Kinder macht, sieht man alleine daran, dass sie auch mit 68 nicht ans Aufhören denkt.

Kinder dürfen im Laden alles anfassen. Und wenn ein Kind etwas von seinem Platz wegräumt, dann sagt Susi Furrer: «Du arbeitest aber viel.» Kinder würden ja nichts anderes tun, als wie Erwachsene sein zu wollen. Spielzeuge seien die Werkzeuge der Kinder, erklärt sie. Auch Eltern dürfen alles anfassen: Wenn sie Fragen, ob sie einen Stall oder eine Puppenstube ausmessen dürfen, um ihn selbst nachzubauen, dann zögert sie nicht. Es gebe doch nichts besseres, als etwas selbst für oder gar mit seinem Kind zu machen. «Niemand geschäftet so», lacht die vierfache Mutter und siebenfache Grossmutter.

Ein wenig Ruhe in der Hektik

Und welche Geschenk-Tipps gibt Susi Furrer? Dass sie Holzspielzeug aus der Schweiz mag, verhehlt sie nicht. Aber konkrete Tipp kann man ihr nicht entlocken. «Jedes Kind ist anders», sagt sie. Tipps gibt es dazu, wie man Geschenke auswählen soll. Erwachsene hätten verlernt, Kinder zu sein, sagt sie. Deshalb müsse man sich in die Kinder hineinversetzen. «Das, wonach wir uns selbst sehnen, müssen wir uns geben und nicht dem Kind kaufen.» Und möglichst gross müsse das Geschenk auch nicht sein. Manchmal reiche ein neues Tier zum alten Stall, damit das Kind den ganzen Stall erneut entdecke. Wie bei den Geschichten: «Kinder hören am liebsten immer wieder die gleichen Geschichten. Die Erwachsenen wollen immer eine andere.» Auch ein Waldspaziergang mit dem Kind oder das gemeinsame Kochen sind aus ihrer Sicht ein tolles Geschenk.

Und sie selbst? Jassen tut sie nicht. Aber sonst spielt auch sie ganz gerne, am liebsten mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen. Beim Spielen ginge es ihnen beiden gleich: Man müsse neue Regeln lernen, müsse lernen, zu gewinnen und zu verlieren.

Dann steht Susi Furrer auf und ist sogleich wieder im Gespräch mit Kunden. Es ist jetzt Hochsaison. Bald wird das Kreuzen auf den schmalen Müggli-Gängen eng, bald gibt es wieder die Schlange vor der Kasse. Denn auch in der grössten Hektik lässt es sich Susi Furrer nicht nehmen, jedes Päcklein ganz sorgfältig von Hand mit Klebern zu verzieren. Dafür in der Schlange zu warten störe in der Regel niemanden, sagt sie. Manchmal würden die Leute auch miteinander zu reden beginnen. Mitten im vorweihnächtlichen Stress um all die Geschenke kann dann das Müggli auch für Erwachsene zu einem Ort der kurzen Ruhe werden.