Kantonalschwingfest
Verhalf Vater dem Sohn in den Schlussgang?

Das Solothurner Kantonalschwingfest hat ein Nachspiel. In den Schlussgang zogen zwei Nobodys ein, darunter der Sohn des Einteilungschefs. Die Kritik nimmt zu.

Wolfgang Rytz
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Lorenz Blatter (links) stand dank günstiger Einteilung im Schlussgang. Res Blatter ist Vater von Lorenz und Einteilungschef.

Lorenz Blatter (links) stand dank günstiger Einteilung im Schlussgang. Res Blatter ist Vater von Lorenz und Einteilungschef.

Wolfgang Rytz

Die Empörung im Nordwestschweizerischen Schwingerverband (NWSV) ist gross. «Die Solothurner schossen Eigentor um Eigentor», ärgert sich der Kampfrichterverantwortliche Josef Broch. Er appelliere bei jedem Ausbildungskurs an die Fairness. «Aber diese Einteilung hatte nichts damit zu tun.» Daniel Dreier, Präsident im NWSV, gibt unumwunden zu: «Da müssen wir über die Bücher gehen.» Sieben «böse Eidgenossen» balgten sich um den Siegesmuni Hercules. Doch in den Schlussgang zogen zwei Nobodys ein, darunter der Sohn des Einteilungschefs.

Am Solothurner Kantonalen offenbarte sich eine Schwäche im System der Schwinger jäh. Die Tradition will, dass das Einteilungsgericht, das den Wettkampfverlauf steuert, aus den Reihen des Gastgebers besetzt wird, in diesem Fall vom Solothurner Schwingerverband. Dasselbe gilt für dieKampfrichter. Automatisch profitieren die eigenen Schwinger von einem Heimbonus.

Toleranz überreizt

Die Schwinger akzeptieren diese Tradition in der Regel klaglos. Einmal profitieren sie von der parteiischen Kampfleitung, ein anderes Mal müssen sie sich mit einer kleinen Benachteiligung abfinden. «Vor- und Nachteile gleichen sich über eine Saison aus», kommentieren die Sägemehlathleten die Regelung. Nicht umsonst wird das Schwingen auch als «Nationalspiel» bezeichnet.

Doch am Solothurner Kantonalen übertrieben die Gastgeber die Bevorteilung. Einteilungs- wie Kampfrichter nützten jede Gelegenheit, den «Rotweissen» in die Hand zu spielen. Auf den Sägemehlringen kam dies mit offensichtlichen Fehlurteilen zum Ausdruck. Das Einteilungsgericht um Res Blatter hatte eine solch unglückliche Hand, dass der Schlussgang zum Rohrkrepierer wurde. Nicht zwei«Böse», sondern zwei Mittelschwinger standen sich gegenüber. Aus sportlicher Sicht wäre dies zu akzeptieren, wenn die beiden mindestens je einen Favoriten geschlagen hätten. Dies war nicht der Fall. Im Gegenteil: Lorenz Blatter, der Sohn von Einteilungschef Res Blatter, rutschte dank der Zuteilung von zweitklassigen Gegnern in die Endausmarchung.

Massnahmen nötig

Die Seele der neutralen Schwingerfreunde kochte am Sonntagabend. Stefan Strebel, Technischer Leiter im NWSV, gesteht: «Ja, da lief vieles seltsam.» Er habe mit Res Blatter den Fall besprochen. «Die Einteilung im fünften und sechsten Gang war nicht gut, ansonsten stehe ich aber hinter ihm.»

Dennoch kündigt Strebel in Übereinstimmung mit Verbandspräsident Dreier an: «Wir müssen neue Wege gehen.» Nach dem Einteilungsdesaster fordern namhafte Funktionäre aus dem Aargau, dass das Einteilungsgericht an Kantonalfesten neutraler, das heisst mit Vertretern anderer Kantonalverbände besetzt wird. «Das ist eine Möglichkeit», sagt Dreier. Ob die Kantonalverbände einwilligen, steht trotz des schwarzen Sonntages in den Sternen. Eher umgesetzt werden kann die neutralere Besetzung bei den Kampfrichtern. Seit letztem Jahr werden Kampfrichter in ihrer Arbeit beurteilt. «Wir wollen künftig nur die besten Kampfrichter einsetzen», sagt Dreier.

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