Bildung

Vergleichstests sorgen für Verstimmung: Schule lehnt sich gegen Kanton auf

Die Leistungstests S2 und S3 verursachen nicht nur bei den Schülern rauchende Köpfe. (Symbolbild)

Die Leistungstests S2 und S3 verursachen nicht nur bei den Schülern rauchende Köpfe. (Symbolbild)

Eine Breitenbacher Schule lehnt sich gegen den Kanton auf und bekommt prompt dessen Macht zu spüren.

Seit ihren Anfängen sind die Leistungstests Check S 2 und S 3 auf der Sekundarstufe heftig umstritten. Nach drei Jahren war für den Vorstand der Kreisschule Thierstein West in Breitenbach klar: Die Vergleichsprüfungen nutzen uns und unseren Schülern sehr wenig.

Die Tests stehen in den Solothurner Sekundarschulen jeweils im Frühling auf dem Programm. Dasselbe ist auch in den anderen Kantonen des Bildungsraums Nordwestschweiz der Fall. Die Acht- und Neuntklässler testen am Computer ihre Kenntnisse in Deutsch, Englisch, Französisch, Mathematik sowie in Natur und Technik. Ziel ist es, zu erfahren, wo die Schüler im Vergleich zu ihren Altersgenossen in den anderen Kantonen stehen.

Seit es die Leistungstests gibt, haftet an ihnen Kritik. Sie seien aufwendig und die Erkenntnisse gering, lautet die Hauptkritik. Man erfahre durch die Tests kaum etwas über den Bildungsstand, was man vorher nicht schon gewusst hätte. Auch an der Kreisschule Thierstein West in Breitenbach machte man negative Erfahrungen mit den Vergleichsprüfungen. «Die Checks entsprechen noch immer pädagogisch nicht den notwendigen Qualitätsansprüchen», erklärt Schulleiter Markus Mayer. «Die Aufgabensammlungen sind in unseren Augen dürftig.» Komme hinzu, dass die gewonnenen Resultate entsprechend nicht aussagekräftig genug seien.

«Kanton holte Hammer hervor»

Um Gegensteuer zu geben, entschied der Schulvorstand der Kreisschule im vergangenen November, auf die umstrittenen Checks S 2 und S 3 zu verzichten und sie durch die Leistungstests Stellwerk 8 und 9 zu ersetzen. Mit diesen hatte die Schule in früheren Jahren gute Erfahrungen gemacht. «Dann holte der Kanton Solothurn den Hammer hervor», erinnert sich Markus Mayer. In einer Stellungnahme wies das Amt für Volksschulen die Verantwortlichen der Breitenbacher Schule an, die betroffenen Klassen umgehend für die Checks anzumelden. Sollte sich die Kreisschule der Aufforderung widersetzen, sehe man sich verpflichtet, ein aufsichtsrechtliches Verfahren einzuleiten.

Letztlich kam der Fall bis zur Solothurner Regierung, die androhte, eine Staatsbeitragskürzung zu prüfen. «Zudem behielt sich die Regierung vor, eine Strafanzeige wegen Urkundenfälschung einzureichen, da das Abschlusszertifikat nicht den Vorgaben des Kantons entsprechen würde», so Schulleiter Mayer. «Aufgrund dieser Ausführungen hat der Schulvorstand beschlossen, die Checks im aktuellen Schuljahr gemäss den Vorgaben des Kantons durchzuführen», teilte der Schulleiter den Eltern kürzlich in einem Schreiben mit.

Übte der Kanton Solothurn übermässigen Druck auf die Kreisschule Thierstein West aus, um sie zum Einlenken zu bewegen? «Es ist darum gegangen, den rechtlichen Zustand wieder herzustellen», stellt Andreas Walter, Chef des kantonalen Volksschulamtes, klar. Der Check S 3 sei Bestandteil des gesetzlich vorgeschriebenen Abschlusszertifikats, weshalb die Schulen hier nicht frei in ihren Entscheidungen seien. Er betont: «Dadurch, dass bei den Leistungstests die Bedingungen im ganzen Bildungsraum einheitlich sind, ist die Fairness gewahrt.» Die Checks leisteten einen wichtigen Beitrag dazu, Schulleistungen verlässlich, aussagekräftig und vergleichend zu messen und auszuweisen. Die Aufgabensammlung der Checks sei sehr gross und umfasse momentan mehr als 25'000 Aufgaben.

Anders klingt es bei SVP-Kantonsrat Beat Künzli. «Ich bin über die Reaktion des Kantons Solothurn empört. Anstatt Drohungen auszusprechen, hätte man Lösungen suchen können.» Er finde es begrüssenswert, wenn es Schulen gebe, die nicht «alle Vorgaben des Kantons blind übernehmen und ungeprüft umsetzen». Künzli wünscht sich eine Reduktion von Tests an Solothurner Schulen. In einem Auftrag an die Regierung schreibt er dazu: «Für die Lehrerschaft stellen diese Prüfungen einen nicht zu unterschätzenden zusätzlichen Aufwand dar.» Die Solothurner Regierung beantragte, seinen Vorstoss für nicht erheblich zu erklären. Der Laupersdörfer hofft trotzdem, dass er in der nächsten Session überwiesen wird.

In Basel-Stadt vor Abschaffung

Im Baselbieter Landrat wird nach den Sommerferien entschieden, ob man die Tests beibehalten will. Etwas weiter ist man im Kanton Basel-Stadt. Dort stimmte der Grosse Rat vor wenigen Wochen einer Motion zu, welche die Vergleichstests an Primarschulen und Sekundarschulen innert Jahresfrist ersatzlos streichen will. Der Check S 3 hat im Frühling nicht stattgefunden. Dies nachdem sich die Kantonale Schulkonferenz Basel-Stadt dafür ausgesprochen hatte, die Leistungstests abzuschaffen.

Die Kreisschule Thierstein West in Breitenbach behält die verordneten Leistungstests hingegen zähneknirschend bei. «Wir wissen ja jetzt, was uns blüht, wenn wir uns nicht daran halten», sagt Schulleiter Markus Mayer.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1