Seit 2010 war er wieder auf freiem Fuss. Erstmals in seinem Leben fand der 23-jährige Tamile einen Job. «Sein Arbeitgeber scheint mit seinen Leistungen zufrieden zu sein», schreibt das Bundesgericht. Jetzt muss der Mann die Schweiz verlassen. Das hat das Bundesgericht soeben entschieden und damit den Solothurner Behörden Recht gegeben. Sie haben die Aufenthaltsbewilligung des Mannes nicht verlängert. Seit er vier war, lebte er hier. 2008 sorgte er schweizweit für Aufsehen.

Schauderhaft sind Passagen aus dem Gerichtsurteil: Mit vier Kollegen aus Sri Lanka hat der damals 18-Jährige im Oktober 2008 eine 22-jährige Frau vergewaltigt. Die fünf Männer hätten das Opfer «zum reinen Objekt degradiert und bis zur vollständigen Erschöpfung gequält, erniedrigt, gedemütigt und missbraucht», zitiert das Bundesgericht aus dem Urteil des Kreisgerichts Biel Nidau. Dieses hatte den Mann 2010 wegen Freiheitsberaubung, Entführung, sexueller Nötigung und Vergewaltigung, «mehrfach und gemeinsam begangen», zu drei Jahren Haft verurteilt. Das Vorgehen habe «von grösster Rücksichtslosigkeit und einem Mangel an Respekt gegenüber dem Leben» gezeugt. Kurz nach dem Urteil hatte der Mann die Strafe abgesessen und kam auf freien Fuss.

Er habe ja nicht penetriert

Besonders dreist: Vom Gericht verlangte der 23-Jährige eine milde Beurteilung. Er habe das Opfer schliesslich nicht penetriert. «Lausanne» ging darauf nicht ein.

Auch der Umstand, dass Eltern und Geschwister des 23-Jährigen in der Schweiz leben, war für das Bundesgericht kein Grund für eine erneute Aufenthaltsbewilligung. Das öffentliche Interesse an der Wegweisung sei grösser, auch wenn der Mann seit 18 Jahren hier lebe. Die Familie war 1994 hierher gekommen. Ihr Asylgesuch wurde abgewiesen; 2002 erhielt die vorläufig aufgenommene Familie die Aufenthaltsbewilligung. Von Integration wollte das Bundesgericht nicht sprechen: «Es ist festzustellen, dass der Grad seiner Integration nicht mit der langen Aufenthaltsdauer übereinstimmt.» Eine Lehre als Carrosseriespengler konnte der Mann wegen schlechter Schulleistungen nicht antreten. Bis zu seiner Verhaftung war er arbeitslos.

Das Gericht war sich bewusst, dass der 23-Jährige in Sri Lanka «Schwierigkeiten haben dürfte, sich in den dortigen Arbeitsmarkt einzugliedern». Dies sei jedoch eine Folge seines kriminellen Verhaltens und sei deshalb hinzunehmen. (lfh)