Einen solchen Mann hat man lieber nicht zum Feind - und besser auch nicht zum Freund. «Ich stufte ihn als aggressiv und gefährlich ein. Er hatte vor nichts Angst», sagte ein Zeuge vor Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt. Er hatte in verschiedenen Bars der Region regelmässig Kokain von Andreas P.* gekauft.

Der heute 34-jährige Schweizer ist nach einer Schiesserei wegen versuchter vorsätzlicher Tötung bereits zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt, die er derzeit auf dem Thorberg verbüsst. Nun musste er sich noch für Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfache Vergewaltigung sowie mehrfache Körperverletzung verantworten.

Dass er 2008 mit grösseren Mengen Kokain gehandelt hatte, gab Andreas P. zu. Auch dass er seine damalige Freundin mehrfach heftig geschlagen und malträtiert hatte, gestand er unumwunden ein. Doch den Vorwurf, sie auch vergewaltigt zu haben, bestritt er vehement. «Ich habe meine Gewaltprobleme, weil ich nie gelernt habe, meine Probleme anders zu lösen. Aber Gewalt und Vergewaltigung sind zwei Paar Schuhe. Das zweite Paar habe ich nie angezogen», verteidigte sich der Angeklagte.

Geschlagen, gedemütigt und ...

Aufgeflogen ist alles im Laufe der gross angelegten Polizeiaktion «Toxin», die zu Verfahren gegen 113 Personen geführt hatte. Bei Vernehmungen zu «Toxin» gab Lea A.* immer mehr Details zu Protokoll: wie sie mit einem Gurt, einem Stuhl oder einer Vorhangstange und manchmal auch mit der Faust geschlagen wurde.

«Einmal hat er mich mit den Schuhen getreten. Da war mein Gesicht total geschwollen und ein Auge blutunterlaufen. Ich sah aus wie ein Monster», schilderte die heute 26-Jährige. Andreas P. beschrieb darüber hinaus noch freimütig, wie er seine damalige Freundin demütigte, indem er Bier und Asche über sie leerte.

Doch auch das ist noch nicht das gesamte Horrorszenario, das Lea A. ihrem Ex-Freund vorwirft. Mit solchen Methoden sei sie auch regelmässig zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden. «Dabei hat der Beschuldigte den Geschlechtsverkehr teilweise fünf- bis sechsmal hintereinander während der Dauer von fünf bis sechs Stunden gegen den Willen des Opfers vollzogen», steht in der Anklageschrift.

«Das ist völlig unrealistisch», verteidigte sich Andreas P. Er zeigte sich von den Vergewaltigungsvorwürfen schockiert: «Ich habe viel darüber nachgedacht, ob ich etwas gemacht habe, was bei ihr das Gefühl einer Vergewaltigung hervorrufen konnte. Es gab nichts, das man als Vergewaltigung deklarieren könnte.»

Ihr damaliges Leben beschrieb Lea A. vor Gericht als das einer Sklavin. «Er hat mich gezwungen, in der Bar zu arbeiten und Kokain zu verkaufen. Das Geld musste ich ihm abliefern», sagte das Opfer. «Zum Dessert wurde ich immer wieder geschlagen. So wollte ich nicht mehr weiterleben.»

Da habe sie sich die Pulsadern aufgeschnitten. Aber der Sohn des Chefs habe sie noch rechtzeitig gefunden. «Sie beschuldigt mich, damit sie besser dasteht. So erhofft sie sich eine milde Strafe», konterte der Angeklagte.

Schuldig auf ganzer Linie

Das Gericht glaubte aber der jungen Frau und verurteilte Andreas P. nicht nur wegen Kokainhandels und Körperverletzungen, sondern auch wegen Nötigung und mehrfacher Vergewaltigung. So erhöht sich die Gefängnisstrafe um 4 auf 12 Jahre. Zudem muss er seinem Opfer 15 000 Franken Genugtuung zahlen.

«Die Glaubwürdigkeit des Opfers ergibt sich aus der Grundkonstellation der Beziehung. Er hat Gewalt ausgeübt, um sich Respekt zu verschaffen», begründete Gerichtspräsident Ueli Kölliker das Urteil. Der Gerichtspräsident zog für den Verurteilten kein optimistisches Fazit: «Wir sind nicht überzeugt, dass die Therapie so weit gewirkt hat, dass Sie sich in Freiheit bewähren könnten.»

*Namen von der Redaktion geändert