Exhibitionismus, versuchte Nötigung, Hausfriedensbruch, Drohung, sexuelle Belästigung: Die Art, wie Baylong M.* den Frauen seine Liebe erklärte, ist kriminell. So hat der heute 30-jährige Mann zum Beispiel vor fünf Jahren im Zug zwischen Olten und Egerkingen vor einer jungen Frau masturbiert.

Fünf Seiten lang ist die Liste der Verfehlungen, für die Baylong M. bereits vom Amtsgericht Thal-Gäu zu 20 Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden ist. Zudem ordnete das Amtsgericht eine Therapie in einer geschlossenen Anstalt an. Damit wollte sich der aus Asien stammende Mann nicht abfinden, weshalb nun das Obergericht den Fall neu beurteilen muss.

Frau ein Jahr lang verfolgt

Zusammenfassen lassen sich die Untaten unter dem englischen Begriff Stalking, dem willentlichen und beharrlichen Verfolgen und Belästigen einer Person. «Die Opfer von Stalking werden in ihrem Privatleben und im Beruf sehr stark eingeschränkt, weil sie ihr Sicherheitsgefühl verlieren», beschrieb Staatsanwalt Raphael Stüdi vor Gericht die Folgen eines solchen Fehlverhaltens. Da Stalking in der Schweiz aber kein eigentlicher Straftatbestand ist, betonte Stüdi, dass man die einzelnen Taten beurteilen müsse.

So verfolgte und belästigte Baylong M. zum Beispiel eine Bankangestellte im Gäu während eines ganzen Jahres. Als er dann im Oktober 2016 sogar mit einem Messer wild gestikulierend vor der Bank auftauchte und durch die Polizei abgeführt werden musste, war das Fass übergelaufen. Seither sitzt Baylong M. wegen Wiederholungsgefahr in Sicherheitshaft. Das sei richtig so, fand Staatsanwalt Stüdi in seinem Plädoyer. «Die Strafzumessung der Vorinstanz ist korrekt. Es gibt keinen Grund, die Strafe zu mildern. In zwei Gutachten wurde festgehalten, dass ein hohes Rückfallrisiko besteht. Beide Gutachten empfehlen ganz klar eine stationäre Massnahme.»

Angeklagter verweigert Aussage

Im Gerichtssaal hinterliess Baylong M. tatsächlich einen seltsamen Eindruck. Mit gesenktem Haupt sass er auf der Anklagebank und reagierte nicht auf die Fragen des Gerichtspräsidenten. Der Übersetzerin bestätigte er immerhin mit einem Nicken, dass er sie versteht. Aber dann schwieg er wieder. So gaben die Richter nach einiger Zeit auf und liessen ins Protokoll aufnehmen, dass der Angeklagte die Aussage verweigert.

Seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Cornelia Dippon, forderte eine Reduktion der unbedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten in eine teilbedingte Strafe von 19 Monaten, von denen 6 Monate zur Bewährung ausgesetzt werden. Der entscheidende Streitpunkt war aber die zusätzlich zur Freiheitsstrafe angeordnete Therapie in einer geschlossenen Anstalt. Die Verteidigung bezeichnete eine solche Massnahme als unverhältnismässig. «Ist die Gefahr wirklich so gross, dass man ihn für viele Jahre wegsperren muss?», stellte die Verteidigerin eine rhetorische Frage, die sie gleich selber beantwortete: «Er hat keine der Frauen verletzt. Dass mit ihm etwas nicht stimmt, ist offensichtlich, aber das genügt nicht. Die Diagnose müsste klar und eine Therapie müsste erfolgversprechend sein.»

Die Verteidigung beschrieb Baylong M. als einsamen, unausgeglichenen Mann, dessen Umgang mit Frauen sehr unbeholfen ist. Die beiden über ihn erstellten Gutachten seien nicht schlüssig und man wisse nicht, ob er wirklich an einer paranoiden Schizophrenie leide. «Zudem weigert er sich, Medikamente einzunehmen. Besitzt unter solchen Voraussetzung eine Therapie überhaupt Erfolgsaussichten?»

«Bitte schicken sie mich nicht ins Gefängnis. Ich übernehme die Verantwortung für die Fehler, die ich gemacht habe», sagte Baylong M. in seinem Schlusswort, das jedem Angeklagten vor Gericht zusteht. «Ich werde alles dafür tun, dass es nicht mehr vorkommt.» Das Urteil wird am Freitag verkündet.

* Name von der Redaktion geändert.