Die Turn- und Sportlehrer, und besonders jene, die an den Berufsschulen unterrichten, wollen jetzt nicht mehr länger warten. An ihrer Generalversammlung hat der Turn- und Sportlehrerverein Kanton Solothurn (TSVS) einstimmig einen Antrag zuhanden der Regierung beschlossen, den Sportunterricht an allen Berufsschulen im Kanton ab dem Schuljahr 2015/2016 wieder einzuführen. Dies teilte der Verein am Dienstag mit.

Vorangegangen ist dem Antrag ein Urteil des Solothurner Verwaltungsgerichts von Mitte Februar. Die Regierung darf den 3. und 4. Berufsschulklassen in Olten nicht, wie ursprünglich vorgesehen, ab dem neuen Schuljahr das obligatorische Lehrlingsturnen streichen. Der Regierungsrat wollte damit im Rahmen des Massnahmenplans 100 000 Franken im Jahr 2015 und jährlich 250 000 Franken ab 2016 einsparen.

Gegen den Beschluss der Regierung hatten Lernende, deren Eltern sowie der Turn- und Sportlehrerverein Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingereicht – und konnten einen Erfolg verbuchen. Dies umso mehr, als der Regierungsrat in der Zwischenzeit beschlossen hat, den Verwaltungsgerichtsentscheid nicht ans Bundesgericht weiterzuziehen. Das Verwaltungsgericht macht in seinem Urteil deutlich, dass das Lehrlingsturnen eine Bundesvorgabe sei – und zwar in allen Berufsschuljahren.

Einladung zu rundem Tisch

Der – jetzt rechtskräftige – Entscheid des Verwaltungsgerichts hat aber vorerst nur die Situation am Berufsbildungszentrum Olten geklärt. Mit dem Antrag zuhanden der Regierung will der Turn- und Sportlehrerverein an den beiden anderen Berufsbildungszentren in Solothurn und Grenchen für alle Berufsschulklassen den Sportunterricht wieder einführen. Während Olten bislang von einer Streichung verschont blieb –und auch künftig bleiben wird, gibts in Solothurn seit Jahren keine obligatorischen Sportlektionen mehr für die oberen Klassen. Und am Berufsbildungszentrum Grenchen sind diese seit Beginn des Schuljahres 2013/2014 abgeschafft worden. Eine Situation, die der Verein – nach dem Erfolg vor Gericht – nicht mehr länger hinnehmen will.

Den Sporlehrerinnen und Sportlehrern ist dabei durchaus bewusst, dass es der Regierung aufgrund der aktuell schwierigen Finanzlage nicht leicht fallen dürfte, den Sportunterricht per sofort und allen drei Standorten wieder hochzufahren. So will der Verein neben seinem sehr konkret formulierten Antrag «in einem nächsten Schritt» versuchen, «einen runden Tisch» mit Vertretern des Departements für Bildung und Kultur zu organisieren. «Die Zusage zu einem runden Tisch wäre für uns ein positives Zeichen des Departements», sagte auf Anfrage Vereinspräsident Philipp Heri.

Bildungsdirektor Remo Ankli will sich einem runden Tisch «nicht verschliessen», wie er gegenüber dieser Zeitung sagte. Und: «Ich verstehe das Anliegen, dass in Solothurn und Grenchen im Sinne einer Gleichbehandlung der Sportunterricht für die oberen Berufsschulklassen wieder eingeführt werden soll.» Der enge Zeitplan ist für den Bildungsdirektor – gerade auch aus finanzieller Sicht – aber allzu ehrgeizig. Er plädiert dafür, am Berufsbildungszentrum in Grenchen den Sportunterricht mit dem Schuljahr 2016/2017 hochzufahren. Für Solothurn indes will er keinen Zeitpunkt nennen. Hier sei die Situation komplizierter. Ein Knackpunkt seien die Kosten für den Transport der Schüler in die CIS-Sporthallen sowie ganz allgemein der Weg dorthin.