Gesundheit

Verein sammelt schon lange Spenden für Sterbehospiz – nun soll sich der Kanton beteiligen

Die Universität Zürich betreut vier Betten im Sterbehospiz Lighthouse (Symbolbild)

Die Universität Zürich betreut vier Betten im Sterbehospiz Lighthouse (Symbolbild)

Ein Sterbehospiz gibt es im Kanton Solothurn bisher nicht, was ein Verein lange ändern möchte. Nun erhält er Hilfe aus der Politik: Ein Auftrag im Kantonsrat will erreichen, dass der Leistungsauftrag der Solothurner Spitäler AG um den Bereich «Sterbehospiz» ergänzt wird.

Ein Ort, wo kranke Menschen möglichst friedlich und im Kreis ihrer Angehörigen Abschied nehmen können. Das wünscht sich der Verein Sterbehospiz Solothurn für die Region, und dafür kämpft der Verein schon seit vier Jahren.

Bisher versuchte der Verein, sein Ziel mit dem Sammeln von Spenden zu erreichen, nun probiert er es auf einem zusätzlichen Weg: Mit einem Auftrag im Kantonsrat will dafür sorgen, dass der Leistungsauftrag der Solothurner Spitäler AG (soH) um den Bereich Sterbehospiz ergänzt wird.

Den Auftrag eingereicht hat der Kantonsrat Michael Ochsenbein (CVP/Luterbach). Seit rund einem Jahr ist er Mitglied des Patronatskommitees des Vereins Sterbehospiz, gemeinsam mit dem SP-Ständerat Roberto Zanetti. «Der Verein ist auf uns zugekommen, und wir haben uns dem Anliegen gerne angenommen», erklärt Ochsenbein.

«Ich finde die Idee für ein Sterbehospiz sinnvoll, aber es ist schwer, sie umzusetzen». Deshalb habe er sich dazu bereit erklärt, auf politischer Ebene einen Versuch zu wagen.

Suche nach Spenden gestaltet sich als schwierig

Die Präsidentin des Vereins Sterbehospiz Solothurn, Heidi Zumbrunnen, ist froh um die Unterstützung. «Ein Sterbehospiz nur durch Spenden zu finanzieren dauert lange», sagt sie. Zwar spüre der Verein eine breite Unterstützung, aber Spenden zu erhalten sei schwer, und auch die Standortsuche sei kompliziert.

Im letzten Frühling hatte sich der Verein zum Ziel gesetzt, das Sterbehospiz im Jahr 2020 eröffnen zu können. Davon ist der Verein momentan weit entfernt, vor allem, weil das Geld fehlt.

Allein die Zahlen aus dem vergangenen Jahr zeigen, wie schwierig es ist, für das Anliegen Geld zu sammeln. Im letzten Jahr nahm der Verein 57 342 Franken ein, der grösste Teil davon sind Spendengelder und Mitgliederbeiträge. Demgegenüber stehen Ausgaben von über 100 000 Franken.

Vor dem Hintergrund dieser schwierigen finanziellen Ausgangslage sieht der Verein den Kanton in der Pflicht. «Es braucht ein Sterbehospiz in der Region», sagt Heidi Zumbrunn überzeugt. Das schreibt auch Michael Ochsenknecht in seinem Auftrag: «Während die ambulante und stationäre Palliativpflege in den letzten Jahren eine positive Entwicklung durchmachte, gilt dies nicht für das letzte Modul in der Betreuungskette von unheilbar und schwer erkrankten- dem Hospiz».

Ein Hospiz könnte die Kosten senken

«Obwohl der Bedarf an solchen Betreuungsbetten national und kantonal erwiesen ist, fehlen in weiten Regionen der Schweiz Hospizbetten. Im Kanton Solothurn gibt es keine, der Bedarf liegt etwa bei sechs bis acht Betten», so Ochsenbein.

Laut Zumbrunnen und Ochsenbein hätte ein Hospiz im Kanton nicht nur den Vorteil, dass schwer kranke Patienten in Ruhe und im Kreis ihrer Angehörigen sterben dürfen. Sondern das Angebot könnte sich auch kostensenkend auswirken, weil die Betreuung von schwer kranken Patienten auf einer Intensivstation teurer ist als die Betreuung in einem Hospiz.

Die Idee, dass der Leistungsauftrag der soH um den Bereich Sterbehospiz ergänzt werden soll, stösst im Kantonsrat auf Unterstützung. Über zehn Kantonsrätinnen und Kantonsräte haben den Auftrag unterschrieben.

Auch die soH selbst schliesst es nicht aus, in Zukunft ein Sterbehospiz zu betreiben. «Sollte der Bedarf und Wunsch bestehen, müsste man dies gemeinsam mit dem Kanton prüfen», schreibt die soH auf Anfrage. Bisher sei die Erweiterung des Leistungsauftrages aber kein Thema gewesen.

Während nun auf politischer Ebene diskutiert wird, will der Verein Sterbehospiz Solothurn aber nicht abwarten. «Wir wollen das unser Ziel auf verschiedenen Wegen weiterverfolgen», betont Heidi Zumbrunnen.

Soll heissen: Während der Kanton diskutiert, wollen die Mitglieder weiter Spenden sammeln und für ein Sterbehospiz kämpfen.

Autor

Rebekka Balzarini

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