Kanton Solothurn

Verbrannt, verhäckselt und geworfen: So verfahren die Gemeinden mit Weihnachtsbäumen

Weihnachtsbäume zu entsorgen, geht auf verschiedene Arten. Man kann auch einen Event daraus machen.

Weihnachtsbäume zu entsorgen, geht auf verschiedene Arten. Man kann auch einen Event daraus machen.

Tausende Weihnachtsbäume gilt es nach den Festtagen zu entsorgen. Das kann man im Kanton Solothurn auf ganz unterschiedliche Arten.

80'000 Weihnachtsbäume stehen jedes Jahr in Stuben im ganzen Kanton Solothurn. So heisst es auf der Homepage des kantonalen Amts für Umwelt. Nach dem Fest wird der Baum – bei Vielen am Dreikönigstag – auch schon wieder entsorgt. Aber nicht einfach irgendwie. Zur fachgerechten Baumentsorgung gibt es ein kantonales Merkblatt. Wird der Baum nicht im eigenen im Garten oder im Cheminée weiterverwendet, ist die Gemeinde – wie bei anderen Abfällen auch – für die Entsorgung zuständig. So gibt es im ganzen Kanton ganz unterschiedliche Christbaum Entsorgung-Arten.

Bäume in der Grünabfuhr

Das dürfte im Kanton der Standard sein: In vielen Gemeinden können Weihnachtsbäume an gewissen Daten ohne Zusatzkosten zur Entsorgung mit der Grünabfuhr auf die Strasse gestellt werden. So handhabt man das auch in der Kantonshauptstadt. Einmal in der Woche werden hier Kompost, Grünabfälle ‑ und nach Weihnachten auch Tannenbäume ‑ von den Mitarbeitenden des Werkhofs mitgenommen. Wichtig: Die Bäume müssen komplett abgeschmückt entsorgt werden, wie Urs Mühlemann, stellvertretender Chef Werkhof, erklärt. Stark verschmutzte oder noch geschmückte Bäume werden zwar mitgenommen, dann aber mit dem normalen Kehricht nach Zuchwil in die Kebag transportiert und verbrannt.

Abgeschmückte Bäume gelangen mit der Grünabfuhr in die Kompogas-Anlage in Utzenstorf. Insgesamt 16 Gemeinden aus dem Kanton Solothurn liefern dort ihre Grünabfälle ab. So entsteht aus den Tannenbäumen erneuerbare Energie: «In Grüngutabfällen steckt CO2-neutrale, erneuerbare Energie», erklärt Daniel Gast. Bei der Vergärung in der Kompogas-Anlage entsteht Biogas, welches für Strom- und Wärmeproduktion verwendet werden kann. Zudem entsteht Gärgut, das in der Landwirtschaft als Dünger verwendet wird.

Wie viele Christbäume jährlich verarbeitet werden, kann nicht erfasst werden ‑ auch in Solothurn nicht. In Grenchen schätzt der stellvertretende Werkhofleiter Daniel Staufer «ein Paar 100 werden es schon sein». Hier werden die Bäume mit dem Grüngut in der eigenen Kompostieranlage verarbeitet.

Baum-Verbrennen

Der Kanton empfiehlt in seinem Merkblatt, auf Weihnachtsbaumfeuer zu verzichten ‑ zum Schutz der Luftqualität. In manchen Gemeinden ist das Baumverbrennen aber zu einer Art Tradition geworden. So findet etwa in Fulenbach jedes Jahr ein Fest statt ‑ organisiert von der Feuerwehr. Es gibt zu Essen und zu Trinken ‑ und die Bäume werden verbrannt. Auch in Neuendorf wird das so gehandhabt. Hier wird das Fest von der Fasnachtclique «Sänf Duube» organisiert.

Baum-Häckseln

In anderen Gemeinden ist das Baum-Häckseln ein jährlicher Fixpunkt – ohne öffentliches Fest. In Kappel etwa werden laut Roger Beck von der Versorgungs- und Umweltkommission um die 50 Bäume zu Kleinholz verarbeitet. Zuständig ist ein Gärtner aus der Region. Die Holzsplitter dienen als Futter für die Kompostanlage, welche von einer Familie in Kappel betrieben wird; zusammen mit einem Pferdehof. So dienten die Reste der Tannenäste laut Beck auch schon als Futter für die Pferde.

Baum-Weitwurf

Die wohl aussergewöhnlichste Art, Tannenbäume zu entsorgen, kennt die Gemeinde Rodersdorf im Schwarzbubenland. Hier findet jedes Jahr das Weihnachtsbaum-Weitwerfen statt, organisiert von der Feuerwehr. Entstanden ist die Idee, weil der Verein nach einem finanziellen Zustupf suchte. «Der Feuerwehrverein wollte jedoch nicht einfach einen Anlass wie den Banntag oder die 1. Augustfeier organisieren», so Roland Matthes, Vereinspräsident.

So entstand die Idee für das Weitwerfen – inklusive Festwirtschaft. Zum ersten Mal fand dieses 2013 statt. Mittlerweile machen zwischen 20 und 30 Kinder und ebenfalls an die 30 Erwachsene mit. Nach dem Werfen werden die Christbäume in einer grossen Feuerschale verbrannt. Der Weitwurf stammt übrigens aus dem Aargau – die Gemeinde Staffelbach gilt als Erfinderin.

Unverkaufte Bäume

Auch Bäume, die es gar nicht in die gute Stube schaffen, und nicht verkauft werden können, müssen entsorgt werden. Bei Aldi heisst es auf Anfrage, in der Region Solothurn habe man dieses Jahr jeden einzelnen Christbaum verkaufen können. In Vorjahren kam es aber schon vor, dass man übrig gebliebene Bäume in den Oltner Wildpark Mühlethäli gebracht hat, als Knabberzeug für die Tiere. «Sollten in den nächsten Jahren nicht alle Christbäume verkauft werden, unterstützen wir das Mühletäli gerne wieder tatkräftig», so Mediensprecher Philippe Vetterli.

Die Migros Aare hat dieses Jahr fast 14'000 Weihnachtsbäume verkauft, schreibt Sprecherin Andrea Bauer. Übrig geblieben seien fast keine. Diese werden jeweils auf einen Entsorgungshof gebracht und zu Biogas verarbeitet.

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