Spezielle Förderung
Verbände setzen sich für kantonsweite Einführung der Speziellen Förderung ein

Für den Solothurner Volksschullehrerverband, den Verband der Solothurner Schulleiterinnen und Schulleiter, sowie den Einwohnergemeindeverband steht fest: Per August 2014 soll die Spezielle Förderung – wie geplant – flächendeckend umgesetzt werden.

Elisabeth Seifert
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Die Spezielle Förderung ist umstritten (Archivbild)

Die Spezielle Förderung ist umstritten (Archivbild)

Bruno Kissling

Jetzt, knapp vor der definitiven Einführung der Speziellen Förderung per August 2014 gehen die Wogen hoch. Bei einigen Lehrpersonen - und in ihrem Gefolge auch bei etlichen Politikern.

Mit zwei Aufträgen wehren sie sich gegen die kantonsweite Integration von Einführungs- und Kleinklässlern in die Regelklassen. Ein von 47 Parlamentariern unterzeichneter Auftrag will, dass die Gemeinden frei zwischen dem alten und neuen System wählen können.

Die SVP geht noch weiter – und fordert für alle die Rückkehr zum alten System. Was ist von diesem Widerstand zu halten? Wir haben im Vorfeld der bevorstehenden Kantonsratsdebatte nachgefragt. Zu Wort kommen zwei Lehrpersonen sowie die direkt betroffenen Verbände der Volksschullehrerschaft, der Schulleitenden und der Gemeinden.

Keine langen Abklärungen mehr

Und so viel gleich vorweg: Bei den drei Verbänden fallen beide politischen Aufträge durch. Unter dem Strich habe die integrative Schule gegen über dem alten System mit Einführungs- und Kleinklassen «eindeutig Verbesserungen» gebracht. Zu diesem Schluss kommen sowohl Roland Misteli, Geschäftsführer des Verbands der Lehrerinnen und Lehrer Solothurn (LSO), als auch Adrian van der Floe, Präsident des Verbands der Solothurner Schulleiterinnen und Schulleiter (VSL SO).

Beide betonen, dass die Schülerinnen und Schüler aufgrund der Förderung in der Regelklasse weniger der Stigmatisierung ausgesetzt sind. Misteli: «Besonders ausgestellt werden Kleinklässler jeweils, wenn sie dafür in ein anderes Dorf fahren müssen.» Adrian van der Floe fügt bei, dass es für schwächere Schüler ermutigend ist, wenn sie in Schulfächern wie Musik, Werken und Turnen mit den anderen mithalten können.

Weiter würden Kinder im Rahmen der Speziellen Förderung «gezielt dort unterstützt, wo sie es wirklich nötig haben», halten beide Verbandsvertreter fest. Es brauche dafür im Vorfeld, so Misteli, auch keine langwierigen Abklärungen. Die Spezielle Förderung setze zudem sehr früh, nämlich bereits im Kindergarten, an. Van der Floe: «Etliche Kinder brauchen dadurch später vielleicht gar keine Unterstützung mehr.»

Seit 2011: Einfachere Abläufe

Dass sich die Vertreter der Volksschullehrerschaft und Schulleitenden hinter das ambitionierte Schulprojekt stellen, hat wesentlich auch mit dem «Schulversuch Spezielle Förderung 2011–2014» zu tun. In Zusammenarbeit mit den Verbänden sind in den letzten Jahren eine Reihe von Verbesserungen bei der Umsetzung erfolgt. Misteli: «Die Abläufe wurden vereinfacht und der Pensenpool für Förderlektionen optimiert.» Mit der Schaffung regionaler Kleinklassen – die nicht mit den aktuellen Kleinklassen zu verwechseln sind – könnten zudem Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten über einige Monate hinweg unterstützt und Abklärungen für ihre weitere Schullaufbahn getroffen werden.

«Auch mit der Speziellen Förderung werden nicht alle Probleme behoben», weiss LSO-Geschäftsführer Roland Misteli. «Aus schwachen Schülern werden nicht plötzlich starke Schüler.» Eine noch zu lösende Baustelle sei zudem die Art der Leistungsbeurteilung integrierter Schüler und in diesem Zusammenhang das Selektionsverfahren.

Widerspruch zur Harmonisierung

Kuno Tschumi, der Präsident des Solothurner Einwohnergemeindeverbands (VSEG), erinnert vor allem daran, dass im Verlauf der vergangenen Jahre der allergrösste Teil der Schulen auf die Integration umgestellt hat. «Die organisatorischen und baulichen Strukturen in den Gemeinden sind alle auf die Spezielle Förderung ausgerichtet». Deshalb kommt Tschumi – ganz egal, welche Position jemand persönlich vertreten mag – zum Schluss: «Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt einen Point of no Return erreicht.» Jetzt gelte es vor allem einmal, Erfahrungen mit dem neuen System zu sammeln.

Aus dem gleichen Grund kann der VSEG-Präsident auch der Idee nichts abgewinnen, den Gemeinden eine Wahlmöglichkeit einzuräumen. Eine solche widerspreche zudem der innerhalb des Kantons und auch schweizweit geforderten Harmonisierung des Bildungswesens. «Auch von den Eltern würde eine solche Wahlmöglichkeit nicht verstanden.»

Ganz ähnlich beurteilen auch Roland Misteli sowie Adrian van der Floe eine Wahlmöglichkeit der Gemeinden. Eine solche könnte, so der LSO-Geschäftsführer, zudem bedeuten, dass sich das Schulmodell je nach politischer Zusammensetzung des Gemeinderats immer wieder ändert.

Zu befürchten sei weiter, dass sich eine Gemeinde je nachdem, wie viele Schülerinnen und Schüler ein Jahrgang zählt, sich für die Integration oder eine Kleinklasse entscheidet. «Damit entsteht dann selbst innerhalb ein und derselben Gemeinde ein Flickenteppich.» Vorprogrammiert seien auch Auseinandersetzungen zwischen Lehrpersonen, Schulleitungen und Gemeinden. Gemäss Adrian van der Floe erschwert eine Wahlmöglichkeit schliesslich auch eine verlässliche Personalplanung.