Schul- und Lehrabschluss

Veränderungen fördern die Innovationskraft

Ein Bild der Abschlussfeier der Berufsmaturität BBZ Solothurn-Grenchen.

Kommentar von Beat Nützi zum Schul- und Lehrabschluss vieler junger Menschen.

Soeben haben im Kanton Solothurn über 2000 junge Menschen mit Erfolg eine Lehrabschlussprüfung bestanden und damit eine berufliche Grundausbildung abgeschlossen. Die jungen Berufsleute verlassen nun die Ausbildungsstätte in Schule und Betrieb mit einem gut gepackten Rucksack voller Wissen und Fähigkeiten hinsichtlich ihrer künftigen Arbeit. Doch der Berufs(bildungs)weg beginnt erst und ist noch lange nicht abgeschlossen. Das (Berufs-)Leben besteht aus permanentem Weiterlernen und sich Weiterentwickeln.

Arbeitswelt verändert sich

Dank unserem weiterführenden und durchlässigen Bildungssystem stehen den jungen Berufsleuten Tür und Tor offen für eine aufbauende Laufbahn. Denn eine Berufsausbildung ist ein solides Fundament, auf dem sich viel aufbauen lässt. Unsere Wirtschaft ist auf qualifizierte Fachleute angewiesen, mehr denn je. Die Technik ist rasend schnell und neue Technologien kommen fast täglich frisch auf den Markt. Was gestern noch galt, ist heute schon passé. Und mit der Digitalisierung sowie dem Einsatz von künstlicher Intelligenz und Robotik, die ganz neue Herstellungsprozesse ermöglichen, verändert sich die Arbeitswelt ganzheitlich. Industrie 4.0 lässt grüssen. Mehr denn je gilt, dass in der Wirtschaft die Veränderung die einzige Konstante darstellt. Diese Erkenntnis fördert die Innovationskraft.

Mobilität und Technologisierung

Mobilität und Technologisierung fordern uns in allen Lebens- und Berufsbereichen heraus. Um alle diese grossen Herausforderungen meistern zu können, braucht es gute Berufsleute, die innovativ, zukunftsgerichtet und motiviert voranschreiten und nach neuen Lösungen suchen. Leute, die das Maximum am Arbeitsplatz herausholen – von den Pflegeabteilungen der Spitäler über die Dienstleistungs- und Konsumgüterunternehmen bis zu den Werkplätzen in Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft.

Mangel an Fachpersonal

Gewisse Branchen der Wirtschaft klagen seit geraumer Zeit darüber, dass sie ihre Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte nicht besetzen können. Es fehlt mancherorts an Fachkräften. Vor allem im Gesundheitswesen (Ärzte sowie Pflegepersonal) sowie im Ingenieur- und Technikwesen, aber auch in Informatik, Biotechnologie und Pharmazie sowie in einigen Gewerbebereichen mangelt es an qualifiziertem Personal. In verschiedenen Branchen zeichnet sich bereits ein Überangebot an Lehrstellen ab. So waren beispielsweise vor drei Wochen im Kanton Solothurn 400 Lehrstellen noch immer unbesetzt. In Anbetracht dieser Situation bemühen sich die Berufsverbände wie noch nie um Lehrlinge, ganz nach dem Motto: «Wer die Jugend hat, hat die Zukunft».

Multikultureller Schmelztiegel

Es war schon immer so und die Feststellung mag deshalb etwas abgedroschen klingen: Die Schweiz hat nur einen Rohstoff – die Bildung. Darum ist jeder heranwachsende Mensch ein wertvoller Rohdiamant, den es sorgfältig zu schleifen gilt. Wir können es uns gar nicht leisten, Rohdiamanten nicht zu fördern. Deshalb müssen bereits unsere Grundschulen, die gerade wieder zahlreiche junge Menschen in die Berufswelt entlassen, die ihnen anvertrauten Menschen optimal auf das Leben und die Anfordernisse der Arbeitswelt vorbereiten. Das ist im multikulturellen Schmelztiegel, zu dem die Schule geworden ist, eine äusserst anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe.

Es herrscht Kreiselverkehr

Es gilt auch zu berücksichtigen, dass die Kinder und Jugendlichen von heute nicht mehr in einer wohlgeordneten Welt heranwachsen, sondern eher in einer chaotischen, voller Brücken, Klippen und Widersprüche.

Die heutige Welt ist geprägt von Turbulenzen: Das unvorhersehbare Neben- und Durcheinander von Verschiedenartigem. Turbulenz verlangt neue Wahrnehmungsleistungen: Blitzschnelle visuelle Auffassung, rasches Antizipieren, Kombinieren und gewitztes Switchen. So läuft das draussen in der Welt. Auch im Verkehr kann man sich nicht mehr einfach auf Ampeln verlassen. Vielerorts gibt es heute Kreisel, in denen sich die Verkehrsteilnehmer ohne Hilfe zurechtfinden müssen. So ist das Leben, auf das die Schule vorzubereiten hat.

Wertvolle Investition

Die heutige Welt ist nicht einfach für Eltern und Erzieher, die für Heranwachsende Verantwortung zu übernehmen haben. Sie ist aber auch nicht leichter für Kinder und Jugendliche, die tagtäglich zahlreichen Verführungen ausgesetzt sind und
die sich immer mehr mit Handy, Computer und digitaler Unterhaltung – oftmals leider als Ersatz für elterliche Zuwendung – beschäftigen.

Eine permanente Reizüberflutung hat bei vielen jungen Menschen Fähigkeiten und Potenziale zugeschüttet. Um diese freizuschaufeln, braucht es spezielle Förderungsmassnahmen. Das erfordert Geduld, Einfühlungsvermögen und pädagogische Festigkeit. Ein Einsatz, der sich lohnt – als wertvolle Investition in die Zukunft.

 beat.nuetzi@azmedien.ch

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Beat Nützi

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