Sie erinnern sich an den musikalischen Ohrwurm «alles fährt Ski, alles fährt Ski, Ski fährt die ganze Nation»? Kommt heute nicht mehr so ganz hin. Dafür boomen die Velos. Wobei, es gibt sich sie durchaus, die unerschütterlichen Antispeichen-Talibans.

Ausgerechnet ein Redaktionskollege zählt dazu. Das sorgt regelmässig für Diskussionsstoff. Und jetzt gar noch das Gespräch mit einem Fahrrad-Fachmann. Muss das sein? Es muss sein. Nicht, um noch mehr Benzin ins Feuer zu schütten. Nein, in diesen Tagen spricht man ganz einfach über Velos.

Daniel Bläsi betreibt in einem Solothurner Aussenquartier sein Zweiradgeschäft. Für den 58-Jährigen stehen nicht Mountainbikes oder Töffli im Zentrum. Sein Geschäft heisst ganz einfach Velo-Werkstatt. Seine Leidenschaft gilt den Alltagsvelos. Soliden Qualitätsfahrrädern, die länger als bloss einen Sommer überstehen.

Dem gelernten Elektromechaniker und Psychiatriepfleger ist es gelungen, Hobby und Beruf unter einen Hut zu bringen. Seit 26 Jahren verkauft und repariert Bläsi in der Kantonshauptstadt Fahrräder: «Viel Arbeit, schmutzige Hände und reich wird man nicht dabei – aber es macht enorm viel Spass», charakterisiert er seinen Berufsalltag.

Interessant die Öffnungszeiten seines Geschäfts. Bläsi verrammelt sich oftmals an Vormittagen in seinen bescheidenen Räumen: Storen runter, Karton als Sichtschutz. «Es geht nicht anders, sonst komme ich nicht dazu, meine Reparaturaufträge gewissenhaft auszuführen.»

Investition lohnt sich

Wie wär es denn mit fremder Hilfe? Das funktioniere nicht. Er hat wohl zu klare Vorstellungen, wie er sein Geschäft betreiben will. Seriöse «Büetz» ist ihm ebenso wichtig wie die Langlebigkeit seiner Produkte. Mit dieser Haltung setzt er einen Kontrapunkt zu preisgünstiger Massenware, was sich wiederum im Kundensegment widerspiegelt: «Unlängst wollte ein Mann sein 20-jähriges Velo unbedingt wieder instand setzen lassen. Immerhin eine Investition von tausend Franken. In diesem Fall lohnte es sich tatsächlich, denn es war ein Markenprodukt.»

Wie viel kostet denn ein «anständiges» Velo? «Ab tausend Franken ohne Unterstützung und ab 3500 Franken mit Elektroantrieb sollte man schon rechnen», sagt Bläsi spontan. Letztlich zahle sich das aus.

Subito fahrbereit

Das frühlingshafte Wetter der vergangenen Wochen hat Bläsis Wochenarbeitszeit auf sechzig Stunden hinausschnellen lassen. «Das ist ganz verrückt, wenn die Sonne zwei, drei Tage scheint, erinnern sich alle an ihre Velos im Keller und wollen sie subito fahrbereit haben», schmunzelt der bodenständige Handwerker, der alles andere als auf smarter Verkäufer machen mag.

Basteln denn die Leute heute nicht mehr an ihren Drahteseln herum? Immer weniger, erzählt Bläsi. «Die meisten können und wollen es scheinbar nicht.» Er staune manchmal schon, wenn selbst junge Burschen gleich viermal pro Monat mit einem Loch im Schlauch vorbeikämen, statt das Problem selber zu lösen. «Ich habe schon mehrfach angeboten, ihnen zu zeigen, wie leicht das ist, aber die zücken lieber das Portemonnaie.»

Der Solothurner, den die Liebe in die bernische Nachbarschaft verschlagen hat, fährt täglich 18 Kilometer hin zur Arbeit und die gleiche Strecke abends wieder zurück … natürlich mit dem Drahtesel. Wirklich jeden Tag? «Wenn es stürmt, oder schneit, nehme ich schon mal das Bipperlisi», gibt der frühere Hobbyrennfahrer dann doch preis. Und wie wär es mit dem Elektrobike? Das benütze er zuweilen auch: «Eine tolle Sache übrigens.»

Ist das mehr als eine kurzlebige Modeerscheinung? Nein, das denke er nicht. Heute verkaufe er bereits einen Drittel der Fahrräder mit Elektromotor. Dieser Anteil könne künftig gut und gerne auf fünfzig Prozent steigen.

Daniel Bläsi kommt richtiggehend ins Schwärmen: «Velofahren ist in unserer Gegend einfach die beste, sprich schnellste Fortbewegungsart. Wir können uns auf gut markierten und sicheren Wegen bewegen. So verwundert auch es nicht, dass sich etliche Leute einen Anhänger zugelegt haben und so direkt vor die Läden fahren. Parkplatzprobleme kennen die nicht und für die Fitness tun sie dabei auch noch etwas.»

Es ist mittlerweile morgens um 11 Uhr. Der Verkaufsladen ist auch an diesem Tag noch geschlossen. Bläsi signalisiert, dass jetzt genug geredet ist. Er will die ruhige Zeit nutzen, damit er mit seinen Arbeiten vorwärtskommt. Es ist Velowetter, alle wollen jetzt in die Pedale steigen.