Auf einen Kaffee mit

Velokurier Mathias Lüscher: «Die einseitige körperliche Belastung ist nicht zu unterschätzen»

Mathias Lüscher, 38, dem sportlichen Inhaber von Velokurier Solothurn.

Mathias Lüscher, 38, dem sportlichen Inhaber von Velokurier Solothurn.

Auf einen Kaffee mit...Mathias Lüscher, 38, dem sportlichen Inhaber von Velokurier Solothurn. Wegen des Coronavirus läuft das Liefergeschäft ziemlich gut. Die körperliche Belastung sei aber nicht zu unterschätzen – schliesslich radelt ein Solothurner Velokurier zwischen 60 und 80 Kilometer pro Tag.

«Als Velokurier muss ich gesund, schnell, zuverlässig und stressresistent sein», sagt der Solothurner Mathias Lüscher. In seinem ersten Jahr als Velokurier legte er mit seinem Rad 25'000 Kilometer zurück. Mittlerweile ist er als Geschäftsführer nicht nur noch auf der Strasse unterwegs, sondern kümmert sich auch um Büroarbeiten wie die Disponierung von Aufträgen und die Buchhaltung.

Nach langer Zeit beim Stadttheater Biel Solothurn, hatte sich der gelernte Kaufmann dazu entschieden sich beruflich umzuorientieren. Nachdem er früher wochenweise beim Velokurier Solothurn im Einsatz war, wurde er 2016 Inhaber des Geschäfts.

Von Laborproben bis zum kaputten Gebiss

Mathias Lüscher liebt es, als Velokurier viel draussen und in Bewegung sein zu können. «Man lernt Solothurn in diesem Beruf anders kennen», fügt er hinzu. Den freundlichen ­Kundenkontakt und auch die Abwechslung schätzt der ­Solothurner sehr. In seinem ­Kurierrucksack transportiert er nicht nur medizinische Laborproben, sondern auch Hüftprothesen, Luftproben von Asbestsanierungen, Ersatzteile für Liftbauer oder Gebisse, die repariert werden müssen. Auf die Frage, ob er denn Langeweile als Kurier überhaupt kenne, antwortet er: «Doch, das kommt vor. Wenn man glücklicherweise viele Daueraufträge abwickeln darf, kann es irgendwann mal langweilig werden, immer die gleichen Routen fahren zu müssen.»

Lebensstil und guter Ausgleich

Eine goldene Nase verdiene man sich als Velokurier nicht, doch es reiche für ein solides Einkommen. Trotz des Zeitdrucks wegen der Expresslieferungen, gehe es bei diesem Job dafür auch nicht um Leben und Tod: «Wir müssen uns nicht ­total auspowern. Velokurier zu sein, ist eher ein Lebensstil. Sportliche Überambitionen braucht es nicht. Für einige Mitarbeiter ist es vor allem auch ein guter Ausgleich zum Bürojob.» Diese Tätigkeit lasse einem freie Kapazität, um über gewisse Dinge nachzudenken. «Bei mir sind dies besonders Überlegungen zur hiesigen Wirtschaft. Wenn ich am Abend nach ­Hause gehe, ist mein Kopf leer. Ich bin dann mit mir und der Welt im Reinen», so Mathias Lüscher.

Zu Coronazeiten läuft das Geschäft sehr gut

«Die grössten Herausforderungen in meinem Job sind die Kontinuität des Auftragsvolumens durch die Jahreszeiten hindurch gewährleisten zu können, ­Aufträge schnell zu erfassen und gut zu koordinieren. Oder wenn das Notfallmanagement zum Zug kommt, weil jemand von uns Kurieren eine Velo­panne hat.»

Zurzeit läuft das Kuriergeschäft wegen des Coronavirus sehr gut. Lüscher und sein Team können deswegen viel mehr medizinische Laborproben transportieren. Dass diese intensive Arbeit aber auch einmal zu viel werden kann, erfuhr der 38-Jährige letzten Herbst am eigenen Leib: «Ich musste ein paar Tage lang unter enorm starken Rückenschmerzen Velo fahren, bevor ich meine Schichten abgeben konnte. Da habe ich gemerkt, dass man es in diesem Job nicht ausreizen sollte. Denn die einseitige körperliche Belastung ist nicht zu unterschätzen.»

Ein Solothurner Velokurier radelt zwischen 60 und 80 Kilometer pro Tag. Das Gebiet erstreckt sich von Oensingen bis Grenchen und Kirchberg. Auch im Thal ist Lüschers Truppe oft unterwegs.

Regenwetter ist am schlimmsten

«Im Winter müssen wir uns wegen der Kälte gut schützen und immer wieder aufwärmen. Im Sommer ist es wichtig, sehr viel zu trinken und sich zwischendurch abkühlen zu können», erzählt Mathias Lüscher.

Doch die extremen Temperaturunterschiede seien nicht das schlimmste, was das Wetter zu bieten hat. Anhaltendes Regenwetter gehe einem bei der Arbeit als Velokurier viel mehr an die Nieren. Da müsse man auch immer viel mehr planen und alle Transportgüter gut vor der Nässe schützen.

Milchkaffee und Zeitung als Doping

Auf die Schlussfrage, was denn für ihn als Velokurier wie ­Doping sei, das ihn den strengen Job durchhalten lässt, antwortet er: «Es sind die täglichen Mahlzeiten in den Solothurner Restaurants. Oder ein Milchkaffee und die Zeitung nach den ersten stressigen Aufträgen am Morgen. Energie tanken kann ich auch, wenn ich mich zwischendurch einmal fünf Minuten hinlege.»

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