Besitzerwechsel

Vebo kauft zum ersten Mal ein Unternehmen - Preis für Kisag bleibt geheim

Die Marke und die Firma Kisag bleiben – auch unter der neuen Eigentümerin. AZ

Die Marke und die Firma Kisag bleiben – auch unter der neuen Eigentümerin. AZ

Die Summe, die Vebo für die Kisag gezahlt hat, bleibt geheim. Die 20 Arbeitsplätze beim Bellacher Haushaltgerätehersteller sollen auch nach der Übernahme bleiben.

Das ist eine dicke Überraschung: Die Vebo Genossenschaft mit Hauptsitz in Oensingen übernimmt das traditionsreiche Familienunternehmen Kisag AG in Bellach. Der 1945 gegründete Betrieb fertigt heute verschiedenste Produkte für den Haushalt- und Gastronomiebereich. Beispiele sind Dosenöffner, Sparschäler, Teigschaber, Kochlöffel aus Holz und Kunststoff, Stabmixer oder Gasrechauds. International berühmt wurde Kisag mit ihrem Rahmbläser.

Ab Ende 2002 wurde deren Produktion in Bellach allerdings eingestellt. Die damals neu auf den Markt gekommenen Einweg-Rahmspraydosen eroberten den Markt. Seither werden die Bläser in Österreich gefertigt, vertrieben werden sie aber weiterhin weltweit unter dem Namen Kisag. Und diese Firma gehört nun neu der Vebo. Der Verein Eingliederungsstätte für Behinderte Oensingen betreibt an mehreren Standorten im Kanton Solothurn Werkstätten. Schon lange ist die Montage und Verpackung der Küchenhelfer-Artikel ausgelagert, wie vor einigen Jahren Firmenchef und Inhaber Urs Brüngger gegenüber dieser Zeitung erklärte. Und zwar insbesondere an die Vebo. «Das ist unsere verlängerte Werkbank», sagte Brüngger damals.

«Optimale Lösung»

«Wir arbeiten schon seit Jahren zusammen», bestätigt Martin Plüss, Vebo-Verwaltungsratspräsident und Direktor adinterim. Urs Brüngger habe keine Nachfolge gefunden. «Mit der Übernahme konnte nun eine für alle Beteiligten optimale Lösung gefunden werden», sagt Plüss. Durch die neuen Eigentümerverhältnisse werden sich zusätzliche Synergien sowie erweiterte Entwicklungs- und Produktionsmöglichkeiten ergeben, heisst es in einer Vebo-Medienmitteilung. Hauptziel der Transaktion sei es, dass das Unternehmen mit Standort Schweiz weiter bestehen könne. «Bei der Kisag in Bellach arbeiten rund 20 Mitarbeitende. Für diese ändere sich nichts, und die Arbeitsplätze bleiben erhalten», versichert Plüss.

In Bellach seien das Kunststoffspritzen, die Entwicklung, der Vertrieb und das Marketing angesiedelt. Und Urs Brüngger, des bisherige Inhaber und Geschäftsführer, werde die Kisag unverändert weiterführen. Auch für die Vebo ergäben sich positive Effekte. «Durch die Übernahme der Kisag sollen Arbeitsplätze in der Produktion, Montage und Konfektion von Küchengeräten und Apparaten für die Gastronomie, welche sich speziell für geschützte Werkstätten eignen, in der Region Solothurn erhalten oder sogar ausgebaut werden.» Es sei erstmals, dass die Vebo ein Unternehmen kaufe.

Kaufsumme bleibt geheim

Als weiteres Ziel nannte Plüss die sogenannte Inklusion. «Wir wollen mit der Übernahme einen sinnvollen Beitrag leisten und den Menschen mit einer Behinderung eine erweitere Teilhabe in der Ausbildung und Arbeit ermöglichen.» Kurz: Diesen Menschen soll ein verbesserter Eintritt auf den ersten Arbeitsmarkt ermöglicht werden.

Über die Höhe der Kaufsumme sei Stillschweigen vereinbart worden. Das Unternehmen sei, so Plüss, stabil unterwegs und schreibe schwarze Zahlen. Laut früheren Angaben des Kisag-Chefs bewegt sich der Umsatz im unteren zweistelligen Millionenbereich.

Neuer Vebo-Direktor startet im Juni

Letzten September war überraschend bekannt geworden, dass der erst seit 2014 im Amt stehende Vebo-Direktor Gilbert W. Giger seinen Job bereits wieder verlasse. Für ihn sprang sein Vorgänger Martin Plüss ad-interim wieder ein. Ende Dezember schon konnte die Vebo vermelden, dass mit Marc Eggimann ein neuer Direktor gefunden worden sei. Der 41-Jährige wird seine Stelle in der Vebo am 1. Juni dieses Jahres antreten.

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