Es gibt bizarre Geschichten. Manche Väter erfreuen ihre Söhne mit dem Besuch eines Fussballmatchs oder, wenn sie besonders spendabel sein wollen, mit Autofahrstunden. Im vorliegenden Fall hat ein Vater seinen Sohn damit beglückt, dass er ihn zu einer Prostituierten geschickt hat. Ein Geschenk, das ihm eine Anklage wegen sexueller Handlungen mit Kindern einbrachte. Am Montag stand er deswegen und wegen anderer Delikte vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern.

Das Ganze hat sich wie folgt abgespielt: 2012 nahm der von seiner Ehefrau getrennt lebende A.* mit Jahrgang 1970 seinen damals 15-jährigen Sohn B.* in eine Solothurner Kontaktbar mit. Dort hatte der Sohn Geschlechtsverkehr mit einer elf Jahre älteren, ohne Arbeitsbewilligung tätigen bulgarischen Prostituierten C.*. Der Vater bezahlte 100 Franken.

Am nächsten Tag kehrten sie zurück und nahmen besagte Prostituierte zusammen mit zwei Arbeitskolleginnen mit zu sich nach Hause. Dort wohnten sie zwei Monate lang gemeinsam in der Dreieinhalb-Zimmerwohnung: Vater, Sohn, die drei Prostituierten. Der Sohn hatte weiterhin Sex mit C.

Schändung der Prostituierten?

Als er «keinen Bock mehr auf sie hatte», wie es die Tochter des Kosovaren ausdrückte, und er daraufhin zur Mutter zog, sei es zur Schändung gekommen. A. habe C. Whiskey eingeflösst und mit ihr geschlafen. C. sei aufgewacht, als «Papi», wie sie ihn nannte, auf dem Bett über ihr war und sagte: «Ich bin schon fertig.» Ihre Hosen und Unterhosen seien mit einer Schere zerschnitten gewesen. Sie ging noch mitten in der Nacht zur Frau des Angeklagten, wo auch ihr Ex-Geliebter B. war. Damals wohnten auch Tochter und Stieftochter des Beschuldigten bei der Mutter.

Bei ärztlichen Untersuchungen fand man Sperma von A. in der Vagina der Prostituierten und auch am Gebärmutterhals. Zudem fand man in ihrem Körper eine chemische Substanz, die aber auch vom Beruhigungsmittel stammen könnte, welche die Ehefrau des Beschuldigten der aufgewühlten Prostituierten gab. A. wurde daraufhin beschuldigt, die Frau zumindest geschändet, möglicherweise sogar vergewaltigt zu haben. Zudem hatte er sich wegen unterlassener Unterhaltszahlungen von 2900 Franken für seine Tochter zu verantworten und auch wegen eines Verkehrsunfalls in Solothurn.

Er war 2011 ins Heck eines bei einer Kreuzung anhaltenden Fahrzeugs gefahren und hat daraufhin Fahrerflucht begangen. Dadurch aber entzog er sich einer Alkoholprobe. Zudem beschuldigte er seinen Neffen, das Fahrzeug gelenkt zu haben. Ein weiterer Punkt waren Nötigung und Drohung während eines Streites mit seiner Ex-Frau im Jahr 2011. Er hatte sie und die Stieftochter stark verängstigt, indem er sagte, «das Blut der Kinder gehöre ihm und er könne seine Familie vernichten». So stehts in der Anklageschrift von Staatsanwältin Petra Grogg.

Plötzlich «ein guter Vater»

Tochter und Stieftochter, nun erwachsen, widerriefen in der Hauptverhandlung frühere Aussagen. Plötzlich war für die leibliche Tochter A. «ein guter Vater», der «ein gutes Herz» hatte und: «Mein Vater hat einen grossen Respekt vor Frauen», er habe gar einmal eine Hortmitarbeiterin vor jemanden geschützt, der diese belästigen wollte.

Gegenüber Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten begründete sie ihre früheren Beschuldigungen des Vaters folgendermassen: «Ich hasste meinen Vater, wollte ihm eins auswischen dafür, dass er uns verlassen hat und dass wir in ein Getto ziehen mussten.» Ihr Vater habe die Unterhaltszahlungen ihr direkt geleistet, damit die Mutter das Geld nicht nur für sich ausgab. Die ältere Stieftochter sagte zudem, dass C. ihr Geld für Falschaussagen geboten habe.

Schwer durchschaubare Lügen

Der Prozess verlief langwierig, weil etliche Lügengebilde aufgetischt wurden. C. erschien erst gar nicht, da sie sich im Ausland aufhalte und nicht kontaktierbar sei, wie ihre Anwältin Stephanie Selig sagte. Das Gericht hätte ihr Erscheinen jedoch als sehr wichtig erachtet. Es sprach den Verurteilten vom Schändungs- und Vergewaltigungsvorwurf frei. Beide seien stark alkoholisiert gewesen, und man könne das Lügen des einen nicht stärker gewichten als das des andern. Die zerschnittenen Hosen habe man nie gefunden. «In einem Kernbereich weisen die Schilderungen von C. zu starke Widersprüche auf», so von Felten.

Schuldig gesprochen wurde der von Viktor Müller Verteidigte aber dafür, dass er seinen Sohn zu Sex veranlasst hat. Verurteilt wurde er auch für die Nötigung und Drohung, die unterlassenen Unterhaltszahlungen und dafür, dass er beim Unfall sich der Alkoholprobe entzog und für die falsche Anschuldigung. A. erhielt als Strafe total 300 Tagessätze à 50 Franken, bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren. A. ist arbeitslos, hat mit seiner neuen, schwangeren Frau ein Kleinkind.

*Namen der Redaktion bekannt.