Solothurner SVP

Vater und Sohn heisst nicht unbedingt politische Zwillinge

Partnerlook – Rémy und Patric Wyssmann vor Vaters Kanzlei in Oensingen.

Partnerlook – Rémy und Patric Wyssmann vor Vaters Kanzlei in Oensingen.

Rémy Wyssmann tritt auf der SVP-Stammliste und Patric für die Junge SVP zu den Nationalratswahlen an. Auch wenn sie oft gleich ticken: Einig sind sich die beiden nicht immer.

Nationalratswahlen als Familienunternehmen? Rechtsanwalt und Kantonsrat Rémy Wyssmann aus Kriegstetten gehört auf der SVP-Stammliste zu den Topkandidaten, sein 19-jähriger Sohn Patric tritt für die Junge SVP an.

Manchmal fällt der Apfel eben doch etwas weiter vom Stamm. Vater und Sohn Wyssmann sind Enkel und Urenkel eines der ganz Grossen in der Solothurner Politik: Des 2008 verstorbenen Walter Weber, ehemaliger Gemeindepräsident von Derendingen, Kantonsrat, von 1971 bis 1987 Vertreter seines Kantons im Ständerat, den er 1983 präsidierte. Aber Walter Weber war Sozialdemokrat. Von der SVP sprach zu seiner aktiven Zeit im Kanton Solothurn noch kein Mensch. Lief da etwas schief?

Der Grossvater sei schon eine sehr dominante Figur, ja ein Idol in der Familie gewesen, erzählt Rémy Wyssmann. Vielleicht gerade deswegen wurde nichts aus einer nahtlosen Erbfolge in einer Solothurner Polit-Dynastie. So wirklich identifizieren konnte sich der politisch interessierte Enkel mit der Partei des berühmten Grossvaters nicht, und er wollte schon gar nicht in die Fussstapfen von jemandem treten. Rémy Wyssmann engagierte sich dann zwar als auf Versicherungsrecht spezialisierter Anwalt dezidiert für die Interessen des sogenannt kleinen Mannes, befand aber schliesslich: «Im Bestreben, bessere Rahmenbedingungen für die Bürger zu schaffen, komme ich weiter, wenn ich mit der SVP zusammenarbeite.»

Eine Oppositionspartei, in keinem Filz verfangen, das versprach ihm den grössten Gestaltungsspielraum für die Umsetzung seiner Vorstellungen. In die institutionelle Politik fand er erst spät, 2017 rückte er für den früheren Gemeindepräsidenten seines Wohnorts, Manfred Küng, der ihn auch zum Parteieintritt motivierte, in den Kantonsrat nach.

Jedem seine Freiheit, das Credo von Vater und Sohn

EU-Rahmenabkommen, Masseneinwanderung, das sind nicht die Stichworte, die im Gespräch mit den Wyssmanns wie aus der Pistole geschossen fallen. Ein immer wieder gebrauchter Begriff ist dafür Freiheit. Jeder soll sich frei entfalten können. In der Gesellschaft genauso wie in der Familie. Dass er sich auch für die SVP entschied, habe schon auch mit dem Vorbild des Vaters zu tun, sagt Patric. Aber zu etwas gedrängt worden seien sie in der Familie nie. Bruder Rafael zum Beispiel tendiere eher zur Linken und bei der Aushebung ist es ihm so richtig verleidet, er macht Zivildienst.

Vater Rémy hätte es lieber gesehen, wenn er wie Bruder Patric Militär macht, gibt er zu. Aber er steuere da nichts. Dass sich Patric nun in der Jungen SVP engagiert und für die Nationalratswahlen kandidiert, mache ihn «schon ein bisschen stolz», sagt Rémy Wyssmann. «Ich hätte aber auch absolut kein Problem damit, wenn er für die Juso antreten würde.» Freiheit eben.

Auch mal im Team, aber nicht immer einig

Ein bisschen in die Wiege gelegt scheint den Wyssmanns das Polit-Gen schon, auch wenn sie in eine andere Richtung steuern als der bekannte (Ur-)Grossvater. Als Kind sei er einmal mit seiner Mutter in Bern gewesen und da habe er vor dem Bundeshaus gesagt, da wolle er dann auch mal hin, erzählt Patric. In gewisser Weise hat sich der Wunsch längst vor den Wahlen am 20. Oktober erfüllt: So richtig für die Politik zu interessieren begann sich der junge Nationalratskandidat während der Lehre, und die absolvierte er beim Bundesamt für Justiz.

Gemeinsam Wahlkampf machen Vater und Sohn Wyssmann nicht, aber sie funktionieren auch gut als Team: Sohn Patric betreut derzeit das «Backoffice» für die Steuersenkungs-Initiative «Jetz si mir draa», für die sich Vater Rémy mächtig ins Zeug legt. «Eine tolle Sache», findet Patric, der das Heu trotz gleichem Parteibuch sonst aber durchaus nicht immer auf der gleichen Bühne hat wie der Vater.

Die Sicherung der AHV-Finanzierung nennt Patric Wyssmann spontan nach den für ihn brennenden Themen gefragt. Und er könnte sich da zum Beispiel eine Erbschaftssteuer als zusätzliche Geldquelle durchaus vorstellen. Die Reichen etwas mehr zur Kasse zu bitten, das schiene ihm nicht unbedingt ungerecht, jedenfalls besser, als den Mittelstand noch mehr zu belasten. So habe er das gelernt: Man soll ehrlich zu seiner Meinung stehen, auch wenn man damit einmal nicht ganz auf Parteilinie ist.

Der Vater belehrt denn auch nicht, sondern lässt es einfach dabei bewenden, dass er die Sache selbstverständlich ganz anders sieht. Auch hier: Jedem die Freiheit zur eigenen Entfaltung. Das wäre für ihn denn auch im konkreten Fall der richtige Weg: Weniger Bürokratie, damit wieder mehr Leute unternehmerischen Mut zeigen und damit Arbeitsplätze schaffen, das brächte auch höhere Beiträge. (mou)

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