Amtsgericht
Vater drohte, sein Kind von der Mafia töten zu lassen

Ein 18-Jähriger sah rot, weil er sich nicht von seinem zur Adoption freigegebenen Kind verabschieden durfte. Er drohte gegenüber einer Angestellten am Telefon damit, das Kind töten zu lassen. Vor Gericht beteuerte der junge Vater seine Unschuld.

Christoph Neuenschwander
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Im Verlauf des Telefonats wurden die Äusserungen immer extrember. (Symbolbild)

Im Verlauf des Telefonats wurden die Äusserungen immer extrember. (Symbolbild)

Keystone

«Lieber sehe ich meinen Sohn im Himmel als bei irgendeiner Scheissfamilie», soll der Grenchner Simon B.* vergangenen November zu einer Mitarbeiterin der Fachstelle für Adoption gesagt haben. Dass er gedroht habe, sein wenige Monate altes Kind aufzuspüren und durch die Mafia töten zu lassen, bestritt der 18-jährige Schweizer am Montag vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern jedoch vehement.

Kurz nachdem seine Freundin Tamara S.* vor einem Jahr das gemeinsame Kind zur Welt gebracht hatte, befand die Grenchner Vormundschaftsbehörde, die Mutter dürfe den Sohn nur behalten, wenn sie sich in ein Mutter-Kind-Heim begebe. Der Grund: Die Mutter von Tamara S. hatte Spital und Soziale Dienste Oberer Leberberg vor der Gewalttätigkeit von Simon B. gewarnt, und auch den Behörden war er bereits als «aufbrausend» bekannt, wie die leitende Sozialarbeiterin des Kindes- und Erwachsenenschutzes dem Amtsgerichtspräsidenten erklärte. Da sich S. weigerte, habe man ihr die Obhut entzogen und das Kind in ein Säuglingsheim in Biel gebracht.

Eine unrealistische Drohung

Besuchen wollten die Eltern das Kind dort nicht, da dies nur in Begleitung eines Behördenmitglieds möglich gewesen wäre. Und «mit denen wollten wir nichts mehr zu tun haben», so der Beschuldigte. Weil sie keine finanziellen Auslagen für ein Kind wollten, das sie «nie mehr sehen durften», wandten sich die Eltern an die Schweizerische Fachstelle für Adoption. Von ihrem Sohn wollten sie sich noch verabschieden, scheuten aber den Kontakt mit den Sozialen Diensten. So baten sie die zuständige Angestellte der Fachstelle, sie ins Heim zu begleiten. Das wurde von der Vormundschaftsbehörde, die eine Eskalation befürchtete, jedoch abgelehnt.

Die Angestellte der Fachstelle hat daraufhin B. angerufen, um ihm die Absage mitzuteilen. «Er war sehr wütend, was ich ein Stück weit auch verstand», gab sie zu Protokoll. Im Verlauf des Telefonats wurden die Äusserungen aber extremer. «Er sagte, er habe einen guten Freund, der sich ins Computersystem der Fachstelle einhacken und herausfinden könne, wo das Kind ist. Er drohte, es von der Mafia umbringen zu lassen, versprach aber, ihm nichts anzutun, wenn er es nochmals sehen dürfe.»

Dass die Drohung mit der Mafia unrealistisch war, sei der Angestellten klar gewesen. Dennoch beunruhigten sie die Worte von B. Man wisse nie, wozu ein Mensch in seiner Wut fähig sei.

Simon B. beteuerte vor Gericht seine Unschuld. Die Mutter seiner Freundin habe ihn noch nie leiden können und habe das alles gemeinsam mit der Sozialarbeiterin eingefädelt. Tamara S. selbst sei am Boden zerstört, habe wochenlang geweint. Es sei eine Frechheit, dass sie sich zwischen ihm und dem Kind habe entscheiden müssen.

Richter Rolf von Felten verurteilte B. zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 40 Franken. Zudem muss B. die Verfahrenskosten von 400 Franken tragen. «Das Gericht ist überzeugt, dass die Drohungen ausgesprochen wurden, um die Behörde unter Druck zu setzen. Sicher sind die Emotionen mit Ihnen durchgegangen. Das entschuldigt aber Ihr Verhalten nicht.»

* Name von der Redaktion geändert

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