Bildung

Unzufriedenheit im Kantonsrat: Rechtschreibkenntnisse der Schüler seien ungenügend

Es sei zentral, dass beispielsweise KV-Lernende Berichte ohne Rechtschreibfehler verfassen können, merkten mehrere Kantonsräte gestern an.

Es sei zentral, dass beispielsweise KV-Lernende Berichte ohne Rechtschreibfehler verfassen können, merkten mehrere Kantonsräte gestern an.

Sind die Solothurner Schüler schlecht in der Rechtschreibung? Bildungsdirektor Remo Ankli vermeldete dazu gestern im Kantonsrat ein klares Resultat: 85 bis 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben in der sechsten Klasse die Grundkompetenz erreicht. «Es sieht nicht so schlecht aus», so das Fazit des Bildungsdirektors.

Anders sah dies gestern Beat Künzli (SVP, Laupersdorf). «Meine Wahrnehmung ist eine andere. Man verschliesst die Augen vor der Realität», hielt der Thaler Kantonsrat fest, der eine Interpellation zum Thema eingereicht hatte. Künzli kritisierte darin insbesondere die Methode «Schreiben nach Gehör», bei der Schüler so schreiben können, wie sie ein Wort hören. «Die Kinder prägen sich dadurch falsche Wortbilder ein, welche sie dann später mühsam wieder korrigieren müssen.»

Künzli blieb mit seinem Unmut im Rat längst nicht alleine. Kanti-Lehrer Roberto Conti (SVP, Bettlach) hielt der Statistik des Bildungsdirektors Zitate von Deutschlehrern entgegen, die eine Verschlechterung der Rechtschreibung festgestellt hatten. «Ich muss schon staunen, dass kein Handlungsbedarf bestehen soll», so Contis Fazit. Und auch Nicole Hirt (GLP, Grenchen) kam zum Schluss: «Die Rechtschreibekompetenz ist nicht mehr vorhanden. Das kann man nicht mehr schönreden.» Es gebe KV-Lehrlinge, die «keine drei Zeilen ohne Fehler» schreiben könnten. Und auch Kuno Gasser (CVP, Nunningen) fand, dass die Rechtschreibekenntnisse der Schüler «merklich nachgelassen» hätten. «Wenn das Bewerbungsdossier Rechtschreibfehler hat, hat man sich meist selbst aus dem Rennen genommen.»

«Lehrer kennen die Methoden»

Keinen weiteren Handlungsbedarf sah – wie die Regierung – FDP-Sprecher Andreas Schibli (Olten). Gar «persönlich angegriffen» fühlte sich Lehrerin Marianne Wyss (SP, Trimbach). Beim Vorwurf, dass Lehrer nicht korrigieren würden, «stehen mir die Haare zu Berg». Man übe ständig mit den Kindern. «Es gibt verschiedene Methoden, um sich das Wissen anzueignen. Eine Methode, die für alle Kinder die perfekte ist, ist so noch nicht erfunden worden», merkte Simone Wyss Send (Grüne, Biberist) an. Man müsse den Lehrpersonen die Freiheit lassen, den Unterrichtsstoff auf verschiedene Arten zu vermitteln.

Mathias Stricker (SP, Bettlach), oberster Primarlehrer des Kantons, wehrte sich gegen «Bauchgefühlgeschichten» und spielte den Ball an die SVP zurück: Sie habe schliesslich beim Sparprogramm 2014 dafür gestimmt, dass eine Lektion gestrichen wird. «Die SVP hat diesen Abbau mitverantwortet.» Nun fehle diese Lektion. Grundsätzlich aber hielt es Stricker für falsch, dass der Kantonsrat diskutiere, mit welcher Methodik die Lehrer unterrichten sollen. Dies sei Sache der Fachleute. Und da hatte die Regierung bereits in ihrer Interpellationsantwort ausgeführt, dass es in den Solothurner Schulen moderne Rechtschreibe-Lehrmittel gebe. Ankli bezeichnete die Rechtschreibung als «absolut zentrale Fertigkeit». Es sei eine permanente Aufgabe der Schule, die Rechtschreibung systematisch und regelorientiert zu vermitteln.»

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