«Ausnahmezustand» bei der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV): Seit Wintersturm «Burglind» am 3. Januar machtvoll auch über den Kanton Solothurn hinweggefegt ist, herrscht auf der Versicherungsabteilung laut SGV-Direktor Markus Schüpbach «ununterbrochener Hochbetrieb».

Das Team von 45 Schätzungsexperten, das seither im Einsatz steht, müsse zusätzlich durch erfahrene externe Experten unterstützt werden. Und der Personalbestand im Innendienst, wo normalerweise 25 Personen beschäftigt sind, sei praktisch verdoppelt worden. «Wir haben Überzeit angeordnet, arbeiten auch am Samstag, setzen Temporäre und Pensionierte ein und bieten dem Personal vor Ort Verpflegung an, damit die Pausen kurz gehalten werden können», beschreibt Schüpbach besagten Ausnahmezustand.

817 Meldungen allein aus den Bezirken Thal und Gäu

Kein Wunder: Denn via Telefon, Mail und per Brief gehen bei der SGV immer noch ununterbrochen Schadenmeldungen aus dem ganzen Kantonsgebiet ein. Entsprechend korrigiert Schüpbach die anfänglich erwartete Zahl von 3000 Gebäudeschadenfällen auf letztlich «deutlich über 3000». Das seien von einem Ereignis mehr als sonst in einem ganzen Schadenjahr. 817 Schadenfälle seien allein aus der am stärksten betroffen Region Thal-Gäu eingegangen.

Der grösste Einzelfall wurde nach Angaben des SGV-Direktors aus Oensingen gemeldet, wo «Burglind» das Dach einer Liegenschaft samt Photovoltaik-Installationen weggefegt hat. Am Haus selber und an den Fassaden mehrerer Nachbarhäuser sei dabei «ein Schaden von weit über einer Million Franken» verursacht worden. So verwundert nicht, dass die Gebäudeversicherung die mutmassliche Gesamtschadensumme inzwischen verdoppeln und von anfänglich 5 auf 10 Mio. Franken hinaufschrauben musste.

Neben den über 817 Schadenmeldungen aus der Amtei Thal/Gäu waren bis Freitagmittag im System der Gebäudeversicherung folgende Zahlen aus den anderen Regionen des Kantons registriert: Solothurn/Lebern 760 Meldungen, Region Olten/Gösgen 636, aus dem Schwarzbubenland 263, aus dem Wasseramt 259 und aus dem Bezirk Bucheggberg bisher 130 Meldungen. Tendenz laufend steigend, wie es heisst.

Folgeschäden vermeiden: Reparaturen haben Priorität

Markus Schüpbach rechnet «mit weiteren Schadenmeldungen auch in der nächsten Zeit», deren Bearbeitung wohl noch die ganze erste Jahreshälfte andauern werde. Entsprechend bittet er Geschädigte um Verständnis und Geduld, wenn es zu gewissen Wartezeiten kommen sollte. Wichtig zu wissen: «Geschädigte müssen nicht auf einen Schadenexperten warten. Sie können die Reparaturen sofort in Angriff nehmen lassen.»

Denn insbesondere bei beschädigten Dächern bestehe andernfalls die Gefahr, dass der Schaden durch eindringendes Wasser noch viel grösser werde. Eine offizielle Frist für die Eingabe von Schadenmeldungen bei der Gebäudeversicherung gibt es laut Schüpbach nicht: Meldungen über erst später entdeckte Schäden könnten sicher noch während des ganzen Jahres eingereicht werden.

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