Initiative
«Unübersichtlich»: Komitee will Volksschule ohne Lehrplan 21

Im Kanton Solothurn formiert sich ein überparteiliches Komitee aus Lehrpersonen, Politikerinnen und Politikern gegen den Lehrplan 21. Im Januar soll eine Initiative lanciert werden.

Urs Byland
Merken
Drucken
Teilen
Eine gute Volksschule braucht keinen Lehrplan 21, findet das Komitee. (Themenbild).

Eine gute Volksschule braucht keinen Lehrplan 21, findet das Komitee. (Themenbild).

Keystone

Die Ankündigung von SVP-Fraktionspräsident Christian Imark vor einer Woche hat sich bestätigt. Die SVP ist nicht alleine im Kampf gegen den Lehrplan 21. Sie kann auf eine breitere Allianz zählen. Mitglieder der SP, der Grünen oder der FDP fehlen auf der Komiteeliste aber gänzlich.

In einer Mitteilung wird die «aktuelle» Zusammensetzung des Komitees für eine Volksinitiative «Ja zu einer guten Volksschule – ohne Lehrplan 21» genannt. Neben den beiden SVP-Kantonsräten Roberto Conti und Beat Künzli haben sich vom Kantonsrat noch Peter Brotschi (CVP), René Steiner (EVP) und Nicole Hirt (GLP) entschlossen, die SVP-Reihen zu verstärken. Daneben sind drei mehr oder weniger bekannte Privatpersonen aufgelistet: Alex Heim, alt Nationalrat (CVP), Irene Froehlicher-Henzi (früher FDP, heute GLP) sowie Stephan Hodonou, EVP-Gemeinderat aus Olten.

EVP-Kantonsrat René Steiner führt das Komitee für die Volksinitiative an.

EVP-Kantonsrat René Steiner führt das Komitee für die Volksinitiative an.

Hanspeter Bärtschi

Vehement wehrt sich Komiteemitglied und Kantonsrat René Steiner gegen die Einschätzung, das Komitee sei noch mager besetzt. Natürlich habe der eine oder andere Bedenken, sich gegen eine Reform zu stellen, «weil er dann als reaktionär angesehen wird», erklärt René Steiner. Zudem sei der seinerzeitige Vorstoss von Beat Künzli (SVP) im Kantonsrat «Lehrplan 21 – so nicht» unglücklich gewesen, so Steiner.

Der Auftrag, die Umsetzung des Lehrplans 21 zu stoppen, wurde damals im Kantonsrat bei 6 Enthaltungen der CVP, 2 Enthaltungen der GLP und einer Enthaltung der EVP sowie der geschlossenen Ablehnung durch die SVP (19 Stimmen) mit einer klaren Mehrheit von 69 Stimmen abgelehnt.

«Im Volk rumort es»

Die Liste weise immerhin Mitglieder aus vier Parteien und Lehrkräfte von allen Schulstufen auf. «Wir wollen weitere Personen anfragen.» Die Volksinitiative solle breit abgestützt werden. Denn: «Im Volk rumort es. Der Regierungsrat muss sich warm anziehen», ist René Steiner überzeugt.

Inhaltlich bemängeln die Kritiker des Lehrplans dessen Unübersichtlichkeit. Aus Sicht des Komitees sollen gute Lehrpläne übersichtlich und anwendbar sein. Beide Qualitäten würden dem Lehrplan 21 gänzlich fehlen. «Und wenn der Lehrplan den Lehrkräften keine klaren Handlungsweisen vermittelt, bestimmt am Ende der Lehrmittelverlag», beschreibt Steiner pointiert die Situation aus seiner Sicht. Ebenso verhindere die einseitige Kompetenzorientierung einen zusammenhängenden und kontinuierlichen Wissensaufbau der Solothurner Volksschülerinnen und -schüler.

«Mir geht es immer um die Schulkinder. Der Lehrplan soll auf Inhalten aufbauen und nicht einseitig auf Kompetenzen ausgerichtet sein», so Steiner. Darum werde die Initiative lanciert, welche Eckwerte für gute Lehrpläne im Volksschulgesetz verankert und damit die Einführung des Lehrplans 21 verhindert. Im Vergleich zu Initiativen in anderen Kantonen habe man sich etwas Zeit gelassen, «dafür aber nun
einen Initiativtext, der juristisch abgesichert ist».

Initiativen in vier Kantonen

Zur Umsetzung von Artikel 62 der Bundesverfassung und mit dem Ziel, die Volksschule zu harmonisieren, erarbeiteten die 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone einen gemeinsamen Lehrplan – den Lehrplan 21. Kritik ist nicht ausgeblieben. In St. Gallen, Baselland, Schwyz und Aargau wurden bereits entsprechende Volksinitiativen lanciert.

Eine Volksinitiative im Kanton Solothurn ist zustande gekommen, wenn sie innert 18 Monaten nach der amtlichen Publikation des Initiativtextes von 3000 Stimmberechtigten oder zehn Einwohnergemeinden unterstützt wird. Ende Januar, so die Ankündigung, will das Komitee detailliert informieren und den Start der Unterschriftensammlung für die Volksinitiative lancieren.