Autobahnpflege
Unterwegs mit der Putzkolonne des Autobahnunterhaltsdienstes

Helm aufsetzen, Gilet und Handschuhe anziehen und mit der Zange anpacken. Sicherheit hat bei den Putzkolonnen des Werkhofs oberste Priorität. Sie sorgen dafür, dass wir saubere, zuverlässig signalisierte und gesicherte Autobahnen haben.

Daniela Deck
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Unterwegs mit der Putzkolonne des Autobahnunterhaltsdienstes
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An der Leitplanke ist die Arbeit heikel.
Jede Menge Müll.

Unterwegs mit der Putzkolonne des Autobahnunterhaltsdienstes

Patrick Lüthy

«Der Strassenunterhalt ist eine interessante und abwechslungsreiche Arbeit.» Das sagt Martin Blaser, Gruppenleiter bei der NSNW (Nationalstrassen Nordwestschweiz AG) im Werkhof Oensingen. Seit 16 Jahren gehört er zu den Personen in der orangen Schutzkleidung, die dafür sorgen, dass wir saubere, zuverlässig signalisierte und gesicherte Autobahnen haben und dass die Belüftung und Beleuchtung in den Tunnels funktioniert.

Jede Tätigkeit hat ihre Schattenseiten. Beim Strassenunterhalt ist das die Ghüder-Beseitigung mindestens einmal pro Monat. Diesmal steht einer der abfallbedingten Hotspots auf dem Terminplan: der Autobahnanschluss Egerkingen. Der Strassenrand bei der Ein- und Ausfahrt zur A2 sieht aus wie eine Müllhalde. Dabei sind nur drei Wochen vergangen, seit hier geputzt wurde.

Stete Wachsamkeit

Helm aufsetzen, Gilet und Handschuhe anziehen und mit der Zange anpacken. Michael Riesen, stellvertretender Gruppenleiter, zeigt, wies geht. «Wir nehmen alles, was grösser ist als ein Zigarettenstummel.» Beim 110-Liter-Sack rollt er den oberen Rand ein. «So kann man den Ghüdersack besser packen. Er fällt nicht so leicht aus der Hand und klappt auch nicht gleich wieder zu.»

Was die Arbeit angeht, ist alles klar. Doch das Wichtigste beim «Fötzele» ist die eigene Sicherheit. Deshalb trägt bei dieser Arbeit trotz des Verkehrslärms niemand einen Gehörschutz. «Immer mit einem Ohr und einem Auge auf den Verkehr achten», mahnt Martin Blaser. «Es gibt Leute, die die Kurven schneiden, und auf uns nimmt niemand Rücksicht.» Gefahr lauert indessen auch hinter den Leitplanken. «An den Stützen kann man sich leicht verletzen», sagt Blaser und deutet auf die scharfkantigen Stahlpfosten.

Dann geht es los, in Zweierteams. Die Handhabung der Greifzange braucht kaum Übung. Nach nur fünf Minuten zeigt sich aber: Die Arbeit mit der Zange hat ihre Tücken. Zwischen Sträuchern ist man mit der Hand manchmal schneller. Handgelenk und Unterarm werden zudem bald taub vom Spannen des Greifers. Der Gedanke, dass eine Littering-Schicht 14 Arbeitstage am Stück dauert, flösst da Respekt ein.

Flaschen mit und ohne Inhalt, Pappbecher, Zigarettenpackungen, Alufolie, Papiertücher in verschiedenen Zerfallsstadien. Selten anzutreffen sind Fastfood-Verpackungen. «Die Fastfoodbetreiber unternehmen eigene Littering-Aktionen im weiteren Umkreis rund um ihre Filialen. Da muss man ihnen ein Kränzchen winden. Ansonsten habe ich schon alles aufgelesen, was irgendwie in oder auf ein Auto passt, sogar komplette Wohnzimmereinrichtungen», sagt Martin Blaser. Er gibt zu bedenken: «Es sind nur wenige Automobilisten, die ihren Abfall aus dem Fenster werfen. An dieser Stelle möchte ich allen danken, die ihren Abfall ordentlich entsorgen.»

Dann findet Michael Riesen den ersten Schuh des Tages. «Schuhe, Arbeitshandschuhe und Spannsets sind regelmässige Bekannte», erklärt Blaser. «Die Lastwagenchauffeure vergessen diese Dinge beim Abfahren auf dem Absatz vor der Kabine.»

Auch schon Geld geschaufelt

Vor gut zehn Jahren gab es rund um Zuchwil zudem eine Häufung von hochklassigen Schraubenziehern – alle praktisch neuwertig. «Einbruchswerkzeug», erinnert sich Gruppenleiter Martin Blaser. Selten geworden ist der Fund von Bargeld – und von Telefonen. Zum Smartphone tragen die Leute offenbar mehr Sorge als zum «Nokia-Knochen» früher. Wertgegenstände wandern übrigens nicht in die Kehrichtverbrennung, sondern zur Polizei.

Etwa 15 Jahre ist es jetzt her, seit in Wangen a. A. ein Geldtransporter verunfallte und eine 300 Meter lange Spur von Münzen legte. «Um die Fünfliber und Zweifränkler einzusammeln, haben wir damals kurzerhand die Kehrichtschaufeln genommen», erzählt Blaser. Ein trauriges und unangenehmes Kapitel sind überfahrene Tiere. Von der Krähe bis zum Dachs entsorgen die Werkhofmitarbeiter alles. Haustieren rücken sie mit dem Chipleser zu Leibe, damit Frauchen oder Herrchen wenigstens erfahren, was ihrem Fifi zugestossen ist.

«Einen Kampf gegen Windmühlen», nennt Dieter Flückiger das Littering-Problem. Er leitet den NSNW-Standort Oensingen. Der Versuch mit auffallenden Schildern und der Aufschrift «Zuletzt gereinigt am ...» die Abfallflut einzudämmen, brachte nicht den gewünschten Erfolg. «Es wurde nicht besser, im Gegenteil», blickt er zurück auf die Aktion vor drei Jahren. «Schade, ich hatte mir davon mehr erhofft.»

Dieter Flückiger fährt fort: «Was die Leute nicht realisieren, ist, dass sie die Reinigung und Entsorgung über ihre Steuern bezahlen.» Allein die Kehrichtbeseitigung koste bei der NSNW jedes Jahr Millionen.

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