Altes Spital
Unternehmensberater Mathys: «Eine Übergabe ist immer ein Einschnitt»

Wenn ein Unternehmer seine Firma in andere Hände übergibt, kommen Emotionen hoch. Wie kann eine Nachfolge dennoch sauber abgewickelt werden? Darüber diskutierte ein Podium.

Noëlle Karpf
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Die Podiumsteilnehmer (v.l.): Werner Mathys, Robert Häusler, Stefan Schrämli, Ronnie Schneitter, Peter Schneitter und Michael Hug.

Die Podiumsteilnehmer (v.l.): Werner Mathys, Robert Häusler, Stefan Schrämli, Ronnie Schneitter, Peter Schneitter und Michael Hug.

Hanspeter Bärtschi

Was tut ein Geschäftsleiter, wenn er sein Baby abgeben muss? Das Baby ist in diesem Fall nicht ein Kind, sondern seine Firma. In diese hat er jahrelang Arbeit und Herzblut gesteckt, nun soll plötzlich ein Anderer der Chef sein.

Zu diesem Thema, der Unternehmensnachfolge, fand am Donnerstagabend eine Podiumsdiskussion im Alten Spital statt. Eine Unternehmensnachfolge sei vergleichbar mit dem Fusionsprojekt «Top 5», sagte Unternehmensberater Werner Mathys von der BDO AG.

Damit sorgte er für Aufruhr im Publikum. «Beides sind Riesenprojekte», so Mathys. Im Gegensatz zu einer Fusion finde eine Unternehmensnachfolge nicht nur einmal, sondern mehrmals statt. Und in jedem Fall seien eine Menge Emotionen im Spiel.

Emotionen standen auch im Zentrum der Podiumsrunde, durch die der Journalist Michael Hug führte. Er war es, der die Firma als Baby des Geschäftsführers bezeichnete. Nebst dem Unternehmensberater Mathys waren zwei ehemalige Geschäftsleiter, ein Nachfolger und ein Firmeninhaber anwesend.

Von geglückten Szenarien

Robert Häusler konnte 2014 eine Nachfolge ohne grössere Probleme regeln. Damals verkaufte er die Suvema AG in Biberist. Da er frühzeitig mit der Planung begonnen habe, hätte er rechtzeitig ein Szenario umsetzen können.

Auch Peter Schneitter sagte, er sei soweit «happy». Am 1. April gab er seine Firma, die Schneitter AG Langendorf, auf. Der Nachfolger ist sein Sohn, Ronnie Schneitter. Dieser war ebenfalls Teil des Podiums. Stefan Schrämli, Inhaber der Schrämli Holding AG erzählte von einem sauber abgewickelten Geschäft. 2008 übernahm er die Dormet AG und später zwei weitere Firmen.

Die Käufer und Verkäufer zogen bei der Übergabe einen externen Berater hinzu. Diese können den Unternehmer helfen, die Hürden einer Nachfolgeregelung zu überwinden. «Die sind eigentlich nicht so beliebt, oder?», hakte Moderator Hug nach.

Die Referenten verneinten.
«Ich wollte nicht selber basteln», erzählte Robert Häusler, «sondern professionelle Leute auf die Angelegenheit loslassen.» Schliesslich müsse man frühzeitig Klarheit über die Finanzen erhalten. Auch Schrämli sagte, selbst er würde Beratung hinzuziehen. «Es gibt so viele Baustellen und Fakten in solchen Projekten. Man ist besser bedient, wenn man diese Arbeit weitergibt.»

Die Knackpunkte

Trotz dieser positiven Erfahrungen berichteten die Podiumsteilnehmer auch von Schwierigkeiten, denen sie bei der Nachfolgeregelung begegnet waren. «Eine Übergabe ist immer ein Einschnitt», so Unternehmensberater Mathys. Eine Standartlösung für solche Projekte gebe es nicht.

Schliesslich sei der Verkauf eines Geschäfts immer auch eine emotionale Sache. «Der Chef muss loslassen können.» Sein Nachfolger müsse zudem die Chance erhalten, sich als neuer Geschäftsleiter beweisen zu können. Die Gefühlsebene müsse zwingend von der Sachebene getrennt werden.

Schneitter Junior fügte hinzu, er hätte grossen Respekt vor den Mitarbeitern und deren Anerkennung gehabt, bevor er den Posten seines Vaters übernahm. Schrämli sagte darauf, ein oder zwei Mitarbeiter gebe es immer, die nicht mit dem neuen Chef «fahren» könnten. Der Geschäftsleiter müsse sich eben durchsetzen.

«Wenn ich ein Haufen Geld in die Hand nehme, dann erwarte ich auch, dass die Mitarbeiter tun, was ich sage.»
Schrämli hatte auch genaue Vorstellungen, was den Preis bei einer Übernahme angeht. «Der Preisvorschlag sollte relativ früh gemacht werden», sagte er. Schliesslich stehe der Preis bei einer Übergabe im Zentrum. «Ich will eine genaue Erklärung dazu haben, wie der Verkäufer auf den Preis kommt», so der Unternehmer.

Unternehmensberater Mathys meinte, der Verkäufer müsse sich auch darüber im Klaren sein, dass seine Wertvorstellung der Firma nicht immer mit dem Preis, den der Käufer zahlen will, übereinstimmt. «Am Schluss müssen sich die Parteien zwingend finden.» Auch hier könne ein Berater helfen.

Wenn das Baby weg ist

«Wie wichtig ist der Plan danach?», wollte Moderator Hug wissen. Was tut ein Geschäftsleiter, wenn er seine Firma – sein Baby – aufgeben muss?

«Das war kein Problem für mich», sagte Häusler. Er habe sich schon vor der Übergabe Gedanken gemacht, was er nachher tun wolle. Denn wenn man zu spät dran sei, lohne es sich nicht, etwas Neues zu beginnen.

Ein Leben neben der Firma sei zwingend nötig, so auch Schrämli. Irgendwann müsse man sich die Frage stellen: Was kommt nach der Firma?

Schneitter Senior hingegen meinte gelassen, diese Frage könne er noch nicht beantworten. «Ich lasse das auf mich zukommen. Darüber mache ich mir noch keinen grossen Kopf.» Nach der Übergabe vom 1. April könne er vielleicht mehr dazu sagen.