Unter den 250 Gästen am  Wirtschaftsapéro in Balsthal gab es ein dominierendes Gesprächsthema: die Aufgabe des Mindestkurses durch die Nationalbank. Für viele der Unternehmer sind härtere Zeiten angebrochen. Was sollen sie tun? Wie auf den teuren Franken reagieren? So manch einer erhoffte sich Antworten.

Und diese erhielten sie. Wenn auch nur indirekt. Mehr Kreativität, mehr Initiative, mehr Experimente forderte die deutsche Autorin Anja Förster in ihrem Referat. Bevor diese jedoch die Bühne einnahm, gab Regierungsrätin Esther Gassler den Geschäftsleuten ihren Zuspruch: «Ich stehe in regem Kontakt mit vielen Unternehmen. Die Politik wird alles tun, was in ihrer Macht liegt», sagte sie. Zwar bereite ihr die gegenwärtige Situation Sorge, doch Panik und Ideologien würden nicht weiterhelfen.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist vor allem eines gefragt: Kreativität. Die Heidelbergerin Anja Förster betreibt seit 13 Jahren ihr eigenes Unternehmen, hat diverse Wirtschaftsbücher verfasst und reist um die Welt für ihre Vorträge. Mit windigen Schritten trat sie in Balsthal auf die Bühne und sagte: Sie wolle heute den rebellischen Geist wecken. Es schien, als seien sich die Vertreter aus Wirtschaft und Politik noch nicht sicher gewesen, ob sie das überhaupt wollten. Einer verliess nach zehn Minuten sogar den Saal. Försters Forderung, dass Unternehmer mehr unbequeme, doch innovative Querköpfe zulassen sollen, ging ihm wohl zu weit.

Den Finanzberater entlassen

Förster liess sich jedoch nicht beirren. Dank ihres Charmes nahm sie das Publikum nach und nach ein. Und servierte sogleich eine weitere provokanten These: Sorgfalt, Verlässlichkeit und Pflichtbewusstsein, diese Tugenden reichten heute nicht mehr aus, wolle man als Unternehmen ganz vorne mitspielen. Das seien lediglich Grundvoraussetzungen. Allein deshalb habe sie ihren Finanzberater entlassen – weil er in all den Jahren nie Initiative zeigte, weil er nie neue, vielleicht ungewöhnliche Lösungen vorschlug. Genau das aber brauche es heute: Kreativität und Leidenschaft.

Dann appellierte sie an die Firmenchefs: «Die Geschäftsführer müssen ihren Angestellten den Weg freiräumen, damit diese ihre Kreativität und Leidenschaft ausleben können.» Und wenn die Arbeiter damit übers Ziel hinausschiessen? Egal. Erneut versuchen. Nur so entständen neue Produkte und Dienstleistungen, die sich von allen anderen unterschieden. Dann hielt sie kurz inne, hob ihre Arme und doppelte nach: Die in Betrieben festgefahrenen Regeln verhinderten oft Fortschritt. «Streichen sie jede Woche eine interne Regel und schauen, was passiert.» Ein Raunen ging durch den Saal. Doch alle Blicke blieben an Förster haften.

Mehr Experimente wagen

Diese setzte auf eine ziemlich wirkungsvolle Rhetorik: Sie wirkte gerade so unkonventionell, dass es noch akzeptabel, aber doch interessant blieb. Sie äusserte ihre provokanten Thesen so freundlich und überzeugend, dass man kaum hätte wiedersprechen wollen. Diesen Grad zwischen angepasst und rebellisch strahlte sogar ihre Kleidung aus: unten eine Lederhose, oben eine Bluse. Ein Punkt schien ihr jedoch besonders wichtig: «Wie viel experimentieren Sie in ihrem Unternehmen?», fragte sie.

Im Saal blieb es still. «Wagen Sie mehr Experimente.» Sie verwies auf eine deutsche Kanzlei, die nun in jedem Quartal einen Innovationstag durchführt. Einen Tag, an dem alle Angestellten frei nach neuen Ideen suchen. Mit Erfolg. Das habe zu vielen Verbesserungen und neuen Produkten geführt.