Witzig, temperamentvoll, augenzwinkernd kitschig – und keine Sekunde langweilig: Teresa Rotemberg, die in der vergangenen Saison in Solothurn bereits «Der gestiefelte Kater» zeigte, inszeniert «Aschenputtel» nach den Brüdern Grimm zeitgemäss und kindergerecht. Da hat der Winterblues (bei den älteren Zuschauern) nicht mehr die geringste Chance, denn die gute Laune siegt. Und wenn am Schluss die Kinder den Ohrwurm «Aschenputtel!, Aschenputtel!» lauthals mitsingen, dann spürt und weiss man sofort: Die Aufführung war eine runde Sache.

Die Handlung des Märchens wurde «eingedampft»: Die Eltern von Aschenputtel sind tot, sie muss unter der Knute der bösen Stiefmutter und der einfältigen Stiefschwester im Haushalt schuften. Die Einladung zum Fest am königlichen Hof erfolgt, Aschenputtel bekommt ein schönes Kleid und natürlich den Prinzen. Happy End. Diese «Story» wird mit viel Fantasie, mit Musik und Tanz umgesetzt, mit kessen Sprüchen und eingängigen Reimen. Die Figuren sind gekonnt überzeichnet – ideal für ein Theater für Kinder.

Wirbelwind Aschenputtel

Jennifer Krannich spielt ein Aschenputtel, das sich nicht unterkriegen und sich die gute Laune nicht verderben lässt. Sie saust über die Bühne, bekommt schon mal einen Wutanfall, streckt die Zunge heraus und liest, wenn sie denn Zeit hat, Bücher und Tierzeitschriften. Und sie ist die anmutigste Prinzessin, die man sich denken kann; die Prinzessin, die am Schluss den Prinzen zur Umarmung auffordert: «Nicht fragen, tu es einfach.» Unterstützung erfährt Aschenputtel von zwei Langnasenkobolden (Lou Elias Bihler und Raphaël Olivier Tschudi), die versuchen, sie aufzuheitern – was ihnen auch gelingt.

Obwohl ihre Ratschläge nicht immer brauchbar sind: Es ist wenig erfolgversprechend, die Stiefmutter und die Schwester mit Kaninchendreck zu bewerfen, bis sie tot sind. Aschenputtel liebt Blumen – kein Problem für die Kobolde; sie spielen auch eine Blumenwiese. Fernanda Rüesch als Stiefmutter ist so richtig schön zickig, herzenskalt und für ihre Tochter auch schon mal «voll peinlich». Diese dumme Stiefschwester (Lea Whitcher) von Aschenputtel – mal «Queen of Pop», mal Disco-Häschen – lässt sich von Aschenputtel die Hausaufgaben machen und kennt viele Nonsense-Lieder wie «Ein schönes ‹U› bringt Freude Dir zu».

«Das ging im Nu»

Der Prinz (Raphaël Olivier Tschudi) ist ein richtiger Herzensbrecher, der seine Füsse nicht still halten kann, weil er immer tanzen will – und das auch beherrscht. Er verliebt sich Knall auf Fall in Aschenputtel: «Das ging im Nu.» Er «gibt keine Ruh, sucht die Frau mit Schuh». Der König (Lou Elias Bihler) regiert über ein «süsses kleines Königreich», über das im Wassergraben Kroko, die Handtasche, wacht und freche Journalisten abschreckt.

Nun, was heisst regieren? Das bringt der König mit viel Charme dem jungen Publikum bei. Überhaupt wird das Publikum mit Blicken, Grimassen oder Fragen immer wieder ins Spielgeschehen einbezogen. Kann Aschenputtel in diesen Lumpen an den Ball bzw. die Party gehen? Nein, natürlich nicht. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind in Mimik, Gesang und Musik (Andreas Binder) und Tanz wahre Alleskönner und überzeugen.

Märchen bleibt Märchen

Durch geschickte Regie (Teresa Rotemberg) gerät die Inszenierung – trotz Ulk und Witz – nie in Gefahr, in reinen Klamauk abzudriften. Märchen bleibt hier Märchen, dafür sorgt auch das Bühnenbild (Andreas Becker), das aus riesenhaften, alten Büchern besteht. Ihnen entsteigen die Figuren, aus ihren Seiten entstehen Waschküche und Schloss. Zauberhaft wirds, wenn das schöne Ballkleid in Rosa und Gold aus dem Rauch auftaucht, wenn an der «Party» Cha-Cha-Cha und Tango als Schattenspiel getanzt werden.

Abgesehen davon, dass das Schauspielteam an der Premiere um eine temperamentvoll eingeforderte Zugabe nicht herumkam – wie gefiel «Aschenputtel» den kleinen Zuschauern? Ein Fünfjähriger sagt: «Voll cool!» Und sein achtjähriger Bruder: «Die Reime sind gut: Schnecken, schlecken, schmecken schlecht ... und die plötzlichen Bewegungen.»

Doch fand er die Vorstellung denn nicht langweilig? «Nein! Überhaupt nicht! Denn die Schauspieler sind ziemlich gut.» Wusst’ man es doch.

Weitere Aufführungen in der Rythalle Solothurn: Sa, 29. 11., So, 7. 12., So, 14. 12., So, 21. 12. und Fr, 26. 12. Jeweils um 15.00 Uhr. Eine Vorstellung dauert 95 Minuten (mit Pause).