Amtsgericht
Unter Drogeneinfluss die Freundin mit der Faust geschlagen

Das ging ins Auge» – so treffend fasste Staatsanwalt Raphael Stüdi den Vorfall zusammen, wegen dem der 29-jährige Schweizer Fabian N.* am Freitag vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt stand.

Beatrice Kaufmann
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Das Amtsgericht verhandlete über die Gewalttat von Fabian N*

Das Amtsgericht verhandlete über die Gewalttat von Fabian N*

zvg

Fabian N* musste sich wegen versuchter schwerer Körperverletzung und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Was ins Auge geht, muss aber nicht mit voller Absicht geschehen. So sei es im vorliegenden Fall gewesen, diese Ansicht teilten alle Parteien.

Fabian N. stand an jenem Morgen im Juli 2013 unter Drogeneinfluss. Als es zum Streit mit seiner Freundin kommt, verliert der junge Mann die Beherrschung und schlägt ihr mindestens zwei Mal mit der Faust ins Gesicht. Die Folge: Die junge Frau erleidet Verletzungen am rechten Auge. Diese sind glücklicherweise gut verheilt, wie sie am Freitag bestätigte.

Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt zitierte aber das ärztliche Gutachten, in dem festgehalten worden war: Es hätte ohne Weiteres zu einer Verletzung des Augapfels kommen können. Dass die junge Frau keine bleibenden Schäden, wie etwa die Beeinträchtigung der Sehkraft, davon getragen hat, sei nur dem Zufall zu verdanken. Staatsanwaltschaft wie auch N.s Verteidiger, Viktor Müller, waren sich aber einig: Als ehemaliger Kampfsportler hätte der Angeklagte um die Gefährlichkeit seiner Schläge wissen müssen.

Volles Vorstrafenregister

Fabian N. ist kein unbeschriebenes Blatt. Wie Stefan Altermatt mehrmals betonte, ist das Strafregister des 29-Jährigen voll, vor allem mit Beschaffungskriminalität. Mit dieser Vergangenheit wolle er aber abschliessen, so der junge Angeklagte, der sichtlich aufgewühlt war. Während den Befragungen kämpfte er immer wieder mit den Tränen. Ja, die Verhandlung belaste ihn sehr stark. Auf die Frage, wie er den Angriff auf seine Freundin verarbeitet habe, antwortete N.: «Gar nicht. Ich werde mir das wahrscheinlich nie verzeihen können.» Sie selbst hat dies offenbar getan, wie ihren Aussagen zu entnehmen war. Sie seien nach wie vor ein Paar und dank seiner Therapie sei er wesentlich ruhiger geworden. Es sei auch zu keinem ähnlichen Vorfall mehr gekommen.

Seine Freundin wie auch seine Adoptiveltern, die der Verhandlung beiwohnten, seien für ihn eine grosse Stütze, so der Angeklagte. Er habe sieben Anläufe genommen, seine Drogensucht in den Griff zu bekommen, sei aber jedes Mal gescheitert. Aufgrund seines massiven Drogenkonsums - der Beschuldigte gestand ein, zeitweilig bis zu 5 Gramm Kokain pro Tag konsumiert zu haben - und der damit verbundenen Straftaten habe er Jahre seines Lebens verloren. «Das will ich nun nachholen. Ich will ohne Drogen leben. Das ist ein schwerer Weg, aber der richtige.»

Therapie und 18 Monate Haft

Dem stimmte auch das Gericht zu und würdigte, dass der Angeklagte diesen Weg bereits zu einem Teil erfolgreich gegangen ist. Nach dem Angriff auf seine Freundin unternahm N. einen Versuch des Entzugs, indem er sich in eine Klinik für Suchttherapien begab. Nachdem dies misslungen war, trat N. gut ein Jahr später noch einmal in die Klinik ein, diesmal mit Erfolg. Er stand einen Entzug durch und begann eine Therapie, um seine Drogensucht in den Griff zu bekommen und zu lernen, mit seiner ADHS-Erkrankung, die erst im Verlauf dieses Therapieaufenthalts diagnostiziert wurde, umzugehen. Parallel dazu hat er einige Monate in einer Gastfamilie gelebt, was ihm sehr geholfen habe. Seit seinem Eintritt lebt N. nun ohne Drogen.

Weiter beschaffte er sich eine Lehrstelle im Strassenbau, die er diesen Sommer antreten kann. Dieses Verhalten nach der Tat sah das Gericht als strafmildernd an, die kriminelle Vergangenheit des Angeklagten wiege aber zu schwer. Die Einstandsstrafe, die das Gericht bei 44 Monaten ansetzte, reduzierte es dennoch auf letztlich 18 Monate. Dies aufgrund eines psychiatrisches Gutachtens, wonach der Angeklagte im mittleren Masse vermindert schuldfähig ist. Schläge gegen den Kopf gelten grundsätzlich als schwere Körperverletzung, so das Gericht. In N.s Fall sei es aber juristisch gesehen beim Versuch geblieben, weil das Opfer keine bleibenden Schäden davon getragen hat. Vorsatz könne dem Angeklagten hingegen nicht nachgewiesen werden. Wegen Übertretungen des Betäubungsmittelgesetzes wurde eine Busse von 200 Franken verhängt.

Bevor N. die Haftstrafe antritt, muss er seine Therapie weiterführen, denn das Gericht ordnete an, was er bereits aufgegleist hatte: Eine kombinierte Behandlung von Sucht und ADHS. Parallel dazu kann er seine Lehre als Strassenbauer beginnen.

*Name geändert