Militär
«Uniformierte auf!» – Offiziere luden zu Vortrag von Nahostexperten

Die Solothurner Offiziere wollen nicht nur Militärthemen behandeln.

Ornella Miller
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Philippe Arnet, Präsident der KOG. (Archiv)

Philippe Arnet, Präsident der KOG. (Archiv)

Hanspeter Bärtschi

Während die Pauke geschlagen und die Trompeten geblasen wurden, füllten die Letzten den Kantonsratssaal. Die Kantonale Offiziersgesellschaft KOG lud zum «Tag der Gesellschaft und Armee». Aktive Armeeangehörige hatten in Uniform zu erscheinen, was das Zählen einfach machte: Nur rund zwanzig Aktive fanden sich unter den 97 Gästen. Wieder rhythmische Klänge, laut dröhnend und doch gedämpft: Die berittene Artilleriemusik Solothurn spielte nun – zu Fuss – den Fahnenmarsch. «Uniformierte auf!», kommandierte Philippe Arnet, Präsident der KOG. Ein bärtiger Soldat im Kampfanzug und Helm stapfte herein, die rot-weisse Fahne in behandschuhten Händen haltend. Das metallene Stockende bedrohlich spitz. Das Geschehen wirkte ein wenig wie Folklore in einem Land, in dem der Bestand der Armeeangehörigen immer mehr reduziert wird. «Uniformierte ruhn!», befahl Arnet.

«Wir von Armee und Wirtschaft suchen den Kontakt mit der Bevölkerung und wollen den Austausch pflegen», erklärte er. Die Solothurner Handelskammer und der Kantonale Gewerbeverband waren als Partner ebenfalls Gastgeber. Regierungsrätin Esther Gassler: «Gerade in solch schwierigen Zeiten für unsere Armee, da der Wandel das einzig Konstante ist, sind gute menschliche Verbindungen über alle Stufen hinweg speziell wichtig.»

700 bis 800 Mitglieder

Hauptredner war der 80-jährige Erich Gysling, Nahost-Experte, einst Chef der Tagesschau-Redaktion. Im wohltemperierten Saal lauschte man seinen Ausführungen zu Konflikten im Nahen Osten und zum islamistischen Terror, knapp zwei Wochen nach einem Selbstmordanschlag mit 22 Todesopfern in Manchester.

Gysling passte das Thema «Nahost: Wer kann die Extremisten stoppen?» an jüngste Ereignisse an – die Isolation Katars nach dem Besuch Donald Trumps in Saudi Arabien. Er zeigte, dass nicht Katar alleine den extremen islamistischen Terror finanziere, sondern etliche andere auch, vorab Saudi Arabien. Sie unterstützen die Opposition gegen Assad, die zu 70 Prozent aus der al-Kaida und ähnlichen Gruppierungen bestehe. «Diese Staaten erkaufen sich ihren eigenen inneren Frieden dadurch, dass sie den Terror unterstützen. Niemand in Dubai muss sich Gedanken darüber machen, dass ein Attentat ihre Hochhäuser treffen wird.»

Gysling war differenziert, brachte die Dinge aber auf den Punkt. Er benannte die eigentlichen – wirtschaftlichen – Gründe für die Stimmung gegen Katar. Die Saudis verschuldeten sich immer mehr. Sündenböcke würden gesucht und in besser aufgestellten Staaten gefunden.

Auch sei das reiche Katar ein Konkurrent, der geschickt im Westen investiere, etwa in Daimler und in die Credit Suisse. Gysling kritisierte die hiesige lückenhafte Berichterstattung. Eine Zuschauerfrage betraf die westlichen Werte, ob man die in den Nahen Osten übertragen könne. Gysling bezweifelte dies. «Wir müssen lernen, dass man in verschiedenen Kulturen oder Zivilisationen Demokratie anders versteht.» Wiederum ertönte Blasmusik, diesmal durfte es gar die Nationalhymne sein. «Uniformierte auf!» Der Fahnenträger stürmte zum demokratischen Saal hinaus.

Die KOG hat 700 bis 800 Mitglieder. Der zum dritten Mal durchgeführte Anlass findet auch nächstes Jahr wieder statt, wiederum öffentlich. «Wir sehen uns als Brückenschlager und wollen nicht reine Militärthemen durchbringen», so Präsident Arnet. Redner stammten aus Wirtschaft, Politik/Gesellschaft oder Militär. Da die KOG wenig Geld zur Verfügung habe, hätten sie die Handelskammer und den Gewerbeverband ins Boot geholt, um mehr Leute anzusprechen.

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